Blättern in der Textsammlung Deutsche Gesetze.
Konkrete Hinweise auf Täter fehlen in MHG-Studie

Keine Missbrauchsermittlungen nach Professoren-Strafanzeige

Sechs Strafrechtsprofessoren haben auf Grundlage der Missbrauchsstudie der Bischöfe Anzeige erstattet: Doch die Studie ist anonymisiert. Die Staatsanwaltschaft verfolgt die Anzeige daher nicht weiter – doch untätig sind die Behörden nicht.

Koblenz - 14.02.2019

Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat die Aufnahme von Ermittlungen zu sexuellem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche im Zuge einer Anzeige von Strafrechtlern abgelehnt. Nachdem sechs Professoren bei der für die Bistümer Köln, Limburg, Mainz und Trier zuständigen Strafverfolgungsbehörde Anzeige wegen noch nicht angezeigter und noch verfolgbarer Straftaten gestellt hatten, bestätigte sich nach Mitteilung der Behörde vom Donnerstag kein Anfangsverdacht.

"Die Strafanzeige der sechs Strafrechtsprofessoren enthält keine tatsächlichen Angaben zu bestimmten aufzuklärenden und noch verfolgbaren Straftaten", erklärte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer. Die Experten hätten vielmehr im Wesentlichen auf die Ergebnisse der im Herbst vorgestellten kirchlichen Missbrauchsstudie verwiesen. Aus der weitgehend anonymisierten Studie hätten sich jedoch keine zureichenden Hinweise auf konkrete Täter oder Opfer ergeben.

Kirche aufgefordert, Unterlagen vorzulegen

Brauer betonte, die Generalstaatsanwaltschaft habe nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie unabhängig von der Anzeige die Kirchenverwaltungen aufgefordert, Unterlagen zu sämtlichen Verdachtsfällen vorzulegen. Dieser Aufforderung seine die Bistümer nachgekommen; die Unterlagen würden nunmehr von den örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften ausgewertet. "Nach einer ersten Durchsicht sind zahlreiche Fälle bereits in der Vergangenheit angezeigt und strafrechtlich verfolgt worden", so Brauer. Es sei deshalb davon auszugehen, dass lediglich in Einzelfällen Anlass für neue Ermittlungsverfahren bestehen werde.

Im Rahmen der Ende September von den deutschen Bischöfen vorgestellten Studie zum sexuellen Missbrauch wurden in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Daraufhin hatte eine Gruppe von Strafrechtsprofessoren im Oktober Anzeige gegen Unbekannt erstattet und sie bei Staatsanwaltschaften im Bezirk jedes Bistums eingereicht. Aus ihrer Sicht überschreiten die vorliegenden Anhaltspunkte für Missbrauchsfälle "bei weitem" die Schwelle eines Anfangsverdachts. (KNA)