Kleiner Dienst – große Chance?
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Im Bistum Gurk-Klagenfurt wird ein ständiger Akolyth beauftragt

Kleiner Dienst – große Chance?

Für Diakone ist die Beauftragung zum Akolythat nur eine Zwischenstation. In der Diözese Gurk-Klagenfurt wird nun ein Polizist als ständiger Akolyth beauftragt — ein ungewöhnlicher Einzelfall.

Von Roland Müller |  Bonn - 16.12.2017

Die Diözese Gurk-Klagenfurt erfüllt totes Recht mit neuem Leben: Am dritten Adventssonntag wird Bischof Alois Schwarz erstmals einen Laien zum Akolythen beauftragen – ohne dass dieser danach zum Diakon oder Priester geweiht wird. Das Akolythat bündelt verschiedene liturgische Dienste, denn Akolythen dienen wie Ministranten am Altar, bringen den Kranken die Kommunion und stellen das gewandelte Brot zur Anbetung aus.  

Für Stefan Sablatnig ist das nicht Neues. Der Kandidat für das Akolythat ist in seiner Gemeinde bei Ferlach in Kärnten schon seit vielen Jahren Messdiener, Kommunionhelfer und Leiter von Wortgottesdiensten. Für diese Dienste absolvierte der Polizeibeamte bereits verschiedene Ausbildungen seiner Diözese. Die ungewöhnliche Idee zur Akolythatsbeauftragung kam schließlich vom örtlichen Kaplan Ulrich Kogler. Er ist seit September in der Pfarrei tätig und sah dort den 46-jährigen Sablatnig als erwachsenen Ministranten zwischen zahlreichen Kindern und Jugendlichen. In der Zeit, als es keinen Priester vor Ort gab, habe der Polizeibeamte seine Heimatgemeinde "liturgisch zusammengehalten". "Ich habe eine große Liebe zur Liturgie bei ihm bemerkt", begründet der Geistliche seine Entscheidung, Sablatnig für das Akolythat vorzuschlagen.

Der Polizeibeamte Stefan Sablatnig wird am dritten Adventssonntag im österreichischen Maria Rain zum Akolythen beauftragt.

Diese Zuneigung zum Gottesdienst spürt auch Kogler in seinem Herzen. "Die Gabenbereitung soll einen zentralen Platz im Gottesdienst haben", so der Kaplan. Deshalb habe er sich für das Akolythat stark machen wollen. Ab kommenden Sonntag werden mit der Beauftragung Sablatnigs seine Bemühungen Frucht tragen. Der Polizist wird zukünftig, ähnlich wie ein Diakon, während der Gabenbereitung den Altar für die Feier der Heiligen Messe eindecken. "Dazu gehört auch, dass der Akolyth Wein und Wasser eigenständig in den Kelch gibt", erklärt Kogler einen Unterschied zwischen den Aufgaben des Akolythen und des Messdieners.

Akolythat ist "ein großes Geschenk"

Das Akolythat gibt es in der Kirche seit dem 3. Jahrhundert. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war es die oberste Stufe der "Niederen Weihen". 1972 regelte Papst Paul VI. die Weiheämter neu und schuf das Akolythat als Dienst. In der Liturgie zur Beauftragung ruft der Bischof den Kandidaten namentlich auf, spricht ein Segensgebet über ihn und überreicht ihm eine gefüllte Hostienschale und ein Gefäß mit Wein. Diese Riten deuten auf den Dienst des Akolythen hin.

Sablatnig freut sich auf seine Aufgabe: "Die Beauftragung zum Akolythen ist für mich ein großes Geschenk", so der zweifache Familienvater. Sie stelle einen bedeutenden Schritt für sein Glaubensleben dar, denn die Mitfeier der Liturgie sei darin ein zentraler Punkt. Der Gottesdienst zur Beauftragung wird in seiner Heimatgemeinde in der Wallfahrtskirche Maria Rain stattfinden – dort wo er schon lange die Gottesdienste mitgestaltet und zudem seit fünf Jahren Vorsitzender des Pfarrgemeinderates ist. Zur Beauftragung gehört stets die Zuweisung zu einer bestimmten Gemeinde – für Sablatnig ist dies die Pfarrei in Maria Rain.

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Die Pyxis ist ein kostbares Gefäß mit geweihten Hostien für die Krankenkommunion. Zum Dienst des Akolythen gehört auch die Aufgabe, den Leib Christi zu den Alten und Kranken zu bringen.

Er hatte sich bereits früher für ein kirchliches Amt interessiert und erwogen, ständiger Diakon zu werden. Wegen beruflicher und familiärer Gründe funktionierte dies jedoch nicht. "Das Akolythat hat sich als gangbarer Weg für ihn erwiesen", kommentiert Kogler die Entscheidung Sablatnigs. Zur Vorbereitung auf die Beauftragung hielt der Kaplan Rücksprache mit dem Regens des diözesanen Priesterseminars. Er wollte einen ähnlichen Ausbildungsstand für den zukünftigen Akolythen garantieren, wie für die Weihekandidaten vor ihrer Beauftragung. "Wir haben die Latte sehr hoch gesetzt", gibt Kogler zu. Da er den ständigen Akolythat als "große Chance für die Liturgie und die Pfarrgemeinden vor Ort" sieht, diskutierte er in den letzten Monaten mit dem Polizisten intensiv über theologische und geistliche Texte.

Keine weiblichen Akolythen vorgesehen

Andreas Poschmann ist jedoch weniger euphorisch. Der Mitarbeiter des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier erwartet keinen Ansturm auf diesen kirchlichen Dienst, der ehrenamtlich ausgeübt wird und für den es kein Gehalt gibt. "Die Beauftragung zum Akolythat ist natürlich auch für Laien möglich, die keine Diakone werden", weiß der Liturgiewissenschaftler. Der Dienst sei jedoch faktisch auf Priesterseminaristen beschränkt.

Die Beauftragung von Sablatnig ist daher eine große Ausnahme im deutschen Sprachraum. Lediglich im Bistum Innsbruck gibt es einige Männer, die diesen liturgischen Dienst dauerhaft ausüben. Für Frauen ist das Akolythat hingegen nicht vorgesehen. Darin sieht Poschmann einen "guten Grund", warum die Bischöfe sehr vorsichtig mit der Beauftragung sind. "Sie wollen nicht zwei Sorten von Kommunionhelfern und Messdienern: die offiziell beauftragten Männer und die Frauen ohne Akolythat." Beide Geschlechter beim Dienst am Altar gleichzubehandeln, hält Poschmann für "klug" von den Bischöfen. Es müsse jedoch gefragt werden, warum der Dienst des Akolythen nicht auch für Frauen geöffnet wurde – etwa bei der Erneuerung des Kirchenrechts im Jahr 1983. Momentan scheinen weibliche Akolythen in weiter Ferne zu sein.

Von Roland Müller