Papst Franziskus.
Papst spricht über Einheit der Bischöfe und Anforderungen an den heutigen Priester

Kreativ und mutig

Bei seinem Besuch in der süditalienischen Stadt Caserta am Samstag wandte sich Papst Franziskus im Gottesdienst an alle Gläubigen und kritisierte gesellschaftliche Missstände. Es ging um Nächstenliebe, die Mafia und die Ablehnung alles Bösen. Wenige Stunden zuvor fand jedoch noch ein anderes Gespräch statt. Mit dem Bischof und allen Priestern der Diözese diskutierte der Papst über die Volksfrömmigkeit, die Einheit unter den Bischöfen und die Identitätskrise von Priestern.

Bonn - 28.07.2014

Der Papst verurteilte im Gespräch mit den Geistlichen das Schließen von Seilschaften unter Bischöfen "im negativen Sinne des Wortes". Es sei nicht schön, "wenn ein Bischof schlecht über einen anderen Bischof spricht", erklärte er laut der Übersetzung von Radio Vatikan. Das sei unschön, weil dadurch die Einheit der Kirche zerstört werde. "Das hat nichts mit Gott zu tun." Viel lieber hätte es der Papst, wenn man "sich anschreit und sich dann wieder umarmt und nicht hinter dem Rücken weiter schlecht über eine Person spricht".

Es sei ihm zwar wichtig, dass die Bischöfe immer einen Konsens finden, "aber sie müssen dies immer in der Einheit tun, nicht in der Gleichheit", so der Papst. Jeder habe sein eigenes Charisma, jeder denke anders und sehe die Dinge anders. "Diese verschiedenen Sichten können auch zu Fehlern führen, aber oft sind sie Früchte des Heiligen Geistes." Und der wolle ja eben gerade, dass es in der Kirche diese Buntheit an Charismen gibt.

Paulus als Vorbild für Priester

Von den Priestern forderte der Papst in dem Gespräch Mut und Kreativität. Er verwies dabei unter anderem auf Paulus, der sich im Verhältnis zum Judentum besonders kreativ gezeigt habe. Um diese Kreativität zu finden, bedürfe es des Gebets, das eine Öffnung zum Herrn bedeute. Wer im Geiste des Herrn Jesus Christus kreativ sein wolle, für den "gibt es keinen anderen Weg", sagte Franziskus. Nur so finde man die Voraussetzung, um vorwärts zu gehen. Wer nicht bete, könne gewiss ein guter Geschäftsmann der Seelsorge und Spiritualität sein, "aber die Kirche ohne Gebet wird zu einer Nichtregierungsorganisation".

Treffen sich regelmäßig im Frühjahr und Herbst zu ihrer Vollversammlung: Die deutschen Bischöfe.
Bild: © KNA

Treffen sich regelmäßig im Frühjahr und Herbst zu ihrer Vollversammlung: Die deutschen Bischöfe.

Franziskus betonte, dass die Kreativität, die aus dem Gebet entstehe, auch dazu führe, sich den Mitmenschen zu öffnen. Denn es bedürfe keiner in sich verschlossener Kirche, "die nur auf den eigenen Bauchnabel schaut". Auch sei der Begriff der Nähe ein wichtiger für alle Geistlichen. Priester müssten "nahe sein und sich vor nichts fürchten, denn der Mensch Gottes hat keine Angst". Auch hier verwies der Papst auf Paulus, der "der Kultur nahe stand, aber auch den Menschen und ihren Gedanken, ihren Leiden und Gefühlen".

Der Papst antwortete mit seinen Ausführungen auf die Frage eines Geistlichen, der die Anforderungen an einen Priester des dritten Jahrtausends zuvor so zusammengefasst hatte: ausgeglichen im menschlichen und spirituellen Bereich, missionarisches Bewusstsein, offen für den Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen. Der Priester wollte wissen, wie man die Kirche in einer Gesellschaft, die so "dynamisch und konfliktreich" sei, aus der Krise führen könne.

Papst: Die aktive Volksfrömmigkeit muss gefördert werden

Auch äußerten einige Geistliche ihre Befürchtung, die Volksfrömmigkeit könne einem "individualistischen und sentimentalen Christentum" weichen. Es gebe diese Strömungen, diese Schulen der persönlichen Religiosität, gestand der Papst. Und sie täten der Kirche nicht gut. Bei dieser Art der Religiosität fühle man sich zwar ruhig und voll mit Gott verbunden und dennoch sei sie heidnisch "oder sogar häretisch". Franziskus verwies stattdessen auf das Apostolische Schreiben "Evangelii nuntiandi" von Papst Paul VI. In dem heiße es, dass die Volksfrömmigkeit manchmal auch der Frohen Botschaft bedarf, "weil sonst die Gefahr besteht, dass sie zu einseitig wird und keinen starken Glauben mehr vertritt".

Gleichzeitig müsse die aktive Volksfrömmigkeit , die in gewisser Weise ein "sensus fidei" sei, gefördert werden, so Franziskus. Denn der Glaubenssinn sei sehr tiefgründig und werde von den einfachen und bescheidenen Menschen verstanden. Als Beispiel nannte der Pontifex die Wallfahrten zum Heiligtum des heiligen Pantaleo in Buenos Aires. Dort sei er in früheren Jahren für die Beichte zuständig und beeindruckt gewesen, "wie heilig die einfachen Menschen dort waren", erzählte der Papst. Es seien Sünder aber gleichzeitig auch Heilige gewesen, weil sie ihre Sünden bekannten und dann noch über ihr Leben sprachen. "Dann spürte man den Sinn für die Frohe Botschaft."

Von Björn Odendahl