In einem Klassenzimmer hängt ein Kreuz an der Wand.
Schuldirektoren beraten über weiteres Vorgehen

Krisentreffen zur Zukunft der christlichen Schulen

Nach Budgetkürzungen stehen die christlichen Schulen in Israel vor massiven finanziellen Problemen. Nun diskutieren die Direktoren. Es geht um die Zukunft ihrer Schulen.

Jerusalem - 25.08.2016

Die Schuldirektoren der christlichen Kirchen in Israel kommen am Samstag in Nazareth zu einer Krisensitzung zusammen. Wie der neue Schulbeauftragte des Lateinischen Patriarchats, Pater Iyad Twal, am Donnerstag im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betonte, werde man dort über das weitere Vorgehen beraten.

Den landesweit 47 kirchlichen Privatschulen mit 33.000 Schülern und 3.000 Lehrern drohe der finanzielle Kollaps. Zum einen seien die staatlichen Zuschüsse für diese Schulen in den vergangenen sechs Jahren um 45 Prozent heruntergefahren worden. Zum anderen sei die vom israelischen Bildungsministerium nach einem Schulstreik vom Herbst 2015 zugesagte Nachzahlung von 11,4 Millionen Euro bis heute nicht eingegangen.

Erneuter Schulstreik ist denkbar

Ob es erneut zu einem Streik kommt, scheint offen. An den von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern und Baptisten geführten Schulen werden christliche, muslimische, drusische, aber auch jüdische Kinder und Jugendliche unterrichtet. Einer kurz vor Schulbeginn Anfang September veröffentlichen Statistik zufolge, haben diese Privatschulen einen vergleichsweise hohen Standard. Die "Terra-Santa"-Schule in Akko gehöre in die oberste Kategorie des israelischen Bildungssystems, ein halbes Dutzend weiterer Schulen - etwa in Nazareth oder Haifa - rangiere in der zweiten Stufe. Von den 277 in der Untersuchung erfassten Schulen seien drei Prozent christlich, während die Christen nur rund 1,5 Prozent der Bevölkerung ausmachten.

Linktipp: Christliche Schulen vor finanziellem Kollaps

Das lateinische Patriarchat sieht eine "beispiellose Krise": Den christlichen Schulen in Israel geht das Geld aus, nachdem die staatlichen Zuschüsse gekürzt wurden. Und das ist nicht das ganze Problem.

Bei dem Schulstreik vor einem Jahr hatten die staatlichen Behörden den christlichen Privatschulen vorgeschlagen, sich ins israelische Schulsystem zu integrieren. Diese hatten abgelehnt mit der Begründung, sie könnten dabei ihr Profil verlieren. 

Patriarchat beklagt Ungleichbehandlung

In einem Beitrag auf seiner Homepage hatte das Lateinische Patriarchat zu Wochenbeginn eine Ungleichbehandlung christlicher und jüdischer Privatschulen beanstandet. Das Unterrichtsministerium bezuschusse die orthodoxen jüdischen Privatschulen vollständig, ohne dass die betreffenden Einrichtungen ihre Autonomie aufgeben müssten.

Aufgrund anhaltender Budgetkürzungen und weiterer Benachteiligungen waren die christlichen Schulen im September 2015 in einen 28-tägigen Streik getreten. Nach finanziellen Zusagen des Unterrichtsministerium war es zu einer Einigung gekommen und der Streik beendet worden. (KNA)