"Lass das Geld nicht rosten"
Wie die Bibel über das liebe Geld spricht

"Lass das Geld nicht rosten"

Weithin gilt das Motto "Über Geld redet man nicht". Nicht so in der Heiligen Schrift: Geld und unser Umgang damit wird in der Bibel des Alten und Neuen Testaments überraschend häufig zum Thema gemacht - und fordert uns heraus.

Von Karin Vorländer (KNA) |  Bonn - 24.08.2016

In der hebräischen Bibel wird Geld und Besitz zunächst ganz unbefangen als Segen Gottes gedeutet: Abraham ist von Gott gesegnet - infolgedessen gedeihen seine Herden und sein Besitz vergrößert sich. Zugleich wird aber auch die Nichtigkeit und Vorläufigkeit von Geld und Reichtum benannt: "Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt" (Kohelet/Prediger 5, 9), kann der Prediger ebenso sagen wie "die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen". Geld beruhigt - anders als der Volksmund es sagt - also ganz offensichtlich nicht. Es weckt im Gegenteil den Wunsch nach mehr.

Schon im Alten Testament findet sich der Hinweis darauf, dass aller Besitz zeitlich begrenzt ist und mit dem Tod endet: "Wie einer nackt von seiner Mutter Leibe gekommen ist, so fährt er wieder dahin, wie er gekommen ist, und trotz seiner Mühe nimmt er nichts mit sich in einer Hand, wenn er dahin fährt" (Prediger 5, 14). Ein Totenhemd hat eben wirklich keine Taschen. Jesus greift diesen Gedanken in der Geschichte vom reichen Kornbauern (Lk 12, 13ff) auf: Ihn bringt die Sorge darum, wie er seinen Reichtum sichern und bewahren kann, um den Schlaf. Weil er im Bemühen um die Absicherung seines Reichtums die Endlichkeit seines Lebens vergisst, macht er sich zum Narren.

Kein Privateigentum - alles ist von Gott geliehen

Von allem Anfang ist der Begriff Besitz in der hebräischen Bibel theologisch geprägt: Gott hat sein Volk aus der Knechtschaft befreit und ihm ein Land gegeben. Dieses Land ist und bleibt eine Leihgabe Gottes. Deshalb darf der ererbte Landteil einer Familie nicht für immer verkauft werden, deshalb soll im Sabbatjahr der Acker nicht bestellt werden und deshalb sind im Jubeljahr der Erlass von Schulden und Schuldknechtschaft sowie die Rückgabe gepfändeten Landes vorgesehen. In diesem Sinne also kennt die Bibel gerade kein Privateigentum. Seinen Besitz nicht als von Gott verliehene und geliehene Gabe zu verstehen, hieße geradezu, ihn Gott zu rauben.

Setz dein Geld ein für den Bruder und Freund, lass es nicht rosten unter dem Stein, bis es verdirbt.

Zitat: Jesus Sirach 29,10

Gerade an diese Gedanken knüpft etwa die Erlassjahrkampange an, die sich einen fairen Umgang mit hochverschuldeten Staaten und eine Entschuldung von hoffnungslos überschuldeten Entwicklungsländern einsetzt.

Besitz in Form von Land und Geld ist nicht nur zum Eigengenuss gegeben. Im Gegenteil: Wer genug hat, ist verpflichtet, zur Grundsicherung der Armen, der Witwen und Waisen und der Fremden im Land beizutragen. Hierher gehören das Gebot, den zehnten Teil alles Geldes abzugeben, den Armen die Nachernte und Nachlese zu gewähren (Levitikus/3. Mose 19,9) sowie das Verbot, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Wer einem Armen Geld leiht, soll dabei nicht selbst Gewinn machen wollen. "Du sollst ihm weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher geben." heißt es in Levitikus 25,37.

Das Alte Testament kennt auch den Fall, dass Geld und Wohlstand Grund für eine Entfremdung von Gott sind. In Deuteronomium/5. Mose 32,15, einem der ältesten Texte in der hebräischen Bibel, heißt es "Und Jakob aß und wurde satt, Jeschurun wurde fett und bockte." Zu Wohlstand gekommen, vergisst das Volk Gott, den Geber aller Gaben. Die prophetische Kritik an denen, die sich auf Kosten der Armen bereichern, ist unüberhörbar, z.B. Jes. 5,8: "Weh euch, die ihr Haus an Haus reiht, und Feld an Feld fügt!" - Amos prangert die Reichen an, die auf Kosten der Armen immer reicher werden und die Armen versklaven: "Sie sammeln Schätze in ihren Palästen mit Gewalt und Unterdrückung." (Amos 3,10, vgl. Amos 4,1-3; Amos 8,6) - eine Kritik, die heute sehr aktuell ist.

Jesus personifiziert das Geld

Dort, wo stetes Wachstum der entscheidende Garant für gelingendes Leben, für Sinn und Zufriedenheit wird, wird das Geld zum "Götzen Mammon" (Lukas 16). "Mammon" ist als aramäisches Wort zunächst neutral und meint einfach Besitz. Jesus personifiziert hier das Geld.

Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel (Ausschnitt aus einem Gemälde von El Greco, 1541-1614).

Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel - und an anderer Stelle spricht er vom "Götzen Mammon".

Er spricht von ihm als einer Macht mit personhaften Zügen, mithin von einem Götzen. Geld belegt unsere Gefühle, Gedanken, unsere Nerven, unsere Seele mit Beschlag. Geld ist eben nicht neutral, sondern es wohnt ihm eine mächtige Dynamik inne. Geld tendiert dazu, selbst die "alles bestimmende Wirklichkeit" zu werden, der Lebensmittelpunkt, statt ein Mittel zum Leben zu sein. Genau das ist der Bibel mit dem Begriff Götze gemeint.

Wer in Geld und Besitz sein Leben und seine Sicherheit sieht, wer es hortet, wer es nur anhäuft wer es "arbeiten" lässt, um es für sich zu vermehren, verfehlt, wozu Geld eigentlich da ist: Es soll als Tauschmittel dem Leben dienen, aber es ist kein "seligmachender" prestigeträchtiger Wert an sich.

Statt Geld, das man selbst nicht zum Leben braucht, zu horten, soll man damit lieber etwas Gutes tun, fordert die weithin kaum beachtete Bibelstelle Jesus Sirach 29,10: "Setz dein Geld ein für den Bruder und Freund, lass es nicht rosten unter dem Stein, bis es verdirbt."

In diesem Sinne handeln und wirtschaften mittlerweile etliche Finanzinstitute wie die Bank für Kirche und Diakonie, die Genossenschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS), die ökumenische Entwicklunshilfebank Oikocredit, die Pax-Bank oder die von den Steyler Missionaren gegründete Steyler Ethik Bank. Sie alle wollen mit dem Geld ihrer Anleger die Welt zum Guten "fair"ändern und zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Unter dem Stichwort "ethisches Investment" bieten sie Anlagemöglichkeiten an, die strenge ethische Kriterien erfüllen, nachhaltiges Wirtschaften unterstützen und bei denen Kunden ihr Gewissen nicht am Bankschalter abgeben müssen.

Linktipp: Unsere Bibel

Im Grunde ist schnell erklärt, was die Bibel ist: Die anerkannten Schriften von der Erschaffung der Welt bis zur Entstehung der ersten christlichen Gemeinden. Allerdings greift die Erklärung zu kurz.

Von Karin Vorländer (KNA)