Leitmotiv "Gnade"
Bild: © Hans Thomann
Ausstellung zum Kunstpreis 2015 des Erzbistums Freiburg

Leitmotiv "Gnade"

Behausung" nennt die Eschborner Künstlerin Romana Menze-Kuhn ihre Installation aus Euro-Paletten und silber-goldenen Rettungsdecken: ein notdürftiger, fragiler Schutzraum. Bildhauer Nikodemus Löffl verkehrt das Hilfsversprechen des zugeworfenen Rettungsrings ins gnadenlose Gegenteil: Statt rettendem Halt wartet scharfer Stacheldraht. Im Blick auf Flüchtlings- und Asyldebatten kann Kunst kaum aktueller sein.

Freiburg - 02.10.2014

Ab Donnerstag und bis Mitte November zeigen im Freiburger E-Werk 17 Gegenwartskünstler ihre Auseinandersetzungen mit dem Leitmotiv "Gnade", jenem vielschichtigen religiösen Begriff, der Ausgangsthema des Kunstpreises 2015 des Erzbistums Freiburg ist. "Der Wettbewerb und die damit verbundenen drei Ausstellungen in Freiburg, Mannheim und Radolfzell wollen Kreuzungspunkte zwischen Kunstbetrieb, Kirche und Öffentlichkeit herstellen, indem wir ein Forum für die Wechselwirkung zwischen Religion, Spiritualität und Kunst schaffen", sagt Ausstellungskuratorin Isabelle von Marschall.

Stacheldraht, Verbandmull, Signalfarbe, PE-Seil: Das Werk von Nikodemus Löffl trägt den Namen "Festung Europa".

Mehr als 750 Künstler haben sich beteiligt

An dem nach 2008 und 2011 zum dritten Mal organisierten Wettbewerb haben sich mehr als 750 Künstler aus ganz Europa beteiligt. Zeichen für das Interesse an religiöser Fragen - oder auch Beleg für die prekäre finanzielle Lage vieler Künstler? Jetzt jedenfalls haben es 17 Arbeiten in die ab Donnerstag in der Freiburger Ausstellung präsentierte Endauswahl geschafft. Zu sehen sind Installationen, Skulpturen, Videos, Fotoarbeiten und Zeichnungen.

Der Potsdamer Fotograf Mathias Max begleitet seit Jahren Gläubige in Marienwallfahrtsorte und hält seine Eindrücke der um Gnade bittenden Menschen in Bildreportagen fest. Der Schweizer Hans Thomann hat eine Himmelsleiter geschaffen, die nicht betreten werden kann, da sie auf einem rohen Ei steht. Ein gewagtes Spiel mit Zerbrechlichkeit.

Künstlerin Gerhardt weist auf Begrenzungen des Lebens hin

Die Dia-Installation "Karussell" von Stefanie Gerhardt zeigt Hochbetagte, die sich an ihren Händen haltend mit geschlossenen Augen im Kreis drehen. Dabei sind die Fotografien am Computer so bearbeitet, dass die Menschen zur Seite des Kreises hin fast zu verschwinden scheinen. Ein Hinweis auf die Begrenzungen des Lebens.

"Wichtig war mir auch, die digitalen Fotos auf das alte, analoge Medium des Dias zu bannen. Das Klick bei jedem Wechsel des Bilds gibt der Installation einen besonderen Rhythmus", so die Künstlerin. Ein nachdenklicher Grundton, der bei den meisten Kunstwerken mitklingt.

Erst in einem Jahr werden die drei Gewinner des Kirchenkunstpreises feststehen - und sich dann zum Abschluss des Wettbewerbs in der Villa Bosch in Radolfzell mit ihrem Gewinner-Beitrag und weiteren Kunstwerken präsentieren.

Von Volker Hasenauer (KNA)

Informationen

Bis zum 16. November wird die Ausstellung im Freiburger E-Werk und vom 07. Dezember bis zum 22. März 2015 in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zu sehen sein. Im September 2015 wird es eine gesonderte Ausstellung mit den Preisträgern in der Villa Bosch in Radolfzell geben. Öffnungszeiten der Ausstellung im E-Werk sind Donnerstag, Freitag und Samstag von 18 bis 21 Uhr und Sonntag von 15 bis 20 Uhr.