Motivbild Renovabis
Bild: © KNA/Renovabis
Das katholische Hilfswerk Renovabis wird 25 Jahre alt

Licht für den Osten

Von Polen bis Sibirien reicht der Aktionsradius des katholischen Hilfswerks Renovabis. Seit genau 25 Jahren engagieren sich Deutschlands Katholiken für bessere Lebensverhältnisse in Osteuropa.

Von Christoph Renzikowski (KNA) |  Freising - 03.03.2018

Am 3. März wird Renovabis 25 Jahre alt, das jüngste der sechs weltkirchlichen katholischen Hilfswerke in Deutschland. Seine Gründung war eine Reaktion auf den Fall des "Eisernen Vorhangs" 1989; Starthilfe für einen gesellschaftlichen und religiösen Neuaufbruch war das Ziel. Nach dem epochalen Umbruch mussten aber noch vier Jahre vergehen, bis sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Initiator mit den Bischöfen darüber einig war.

Wie die anderen Hilfswerke Misereor und Adveniat erhielt es einen lateinischen Namen, der wörtlich übersetzt heißt: "Du wirst (das Antlitz der Erde) erneuern." Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft hatten den Christen in Osteuropa zugesetzt. Im staatlich verordneten Atheismus konnten sie ihren Glauben oft nur eingeschränkt praktizieren. In der Tschechoslowakei gab es eine regelrechte Kirchenverfolgung, die Priester und Bischöfe in den Untergrund drängte.

Hilfe schon zu Zeiten des "Kalten Kriegs"

Über diskrete Kanäle hatten die Katholiken im Westen ihren drangsalierten Glaubensgeschwistern schon zu Zeiten des "Kalten Kriegs" Unterstützung zukommen lassen, über die Ackermann-Gemeinde oder den Europäischen Hilfsfonds der deutschen und österreichischen Bischofskonferenz in Wien. Auch nach der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen konnten sich die dortigen Gewerkschafter auf die Solidarität ihrer westlichen Nachbarn verlassen.

Der emeritierte Weihbischof von Trier, Leo Schwarz, im Porträt.
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Für wenige Monate befand sich die Geschäftsstelle in einem Kloster in Trier, auch weil der dortige Weihbischof Leo Schwarz federführend die ersten Schritte von Renovabis in die Öffentlichkeit begleitete.

Nach 1989 nun sahen Katholiken wie der damalige ZdK-Generalsekretär Friedrich Kronenberg die Zeit reif, diesem Engagement eine neue, offizielle Form zu geben. In der Bischofskonferenz gab es jedoch manche Vorbehalte gegen ein weiteres Hilfswerk. Doch Kronenbergs Argument, dass Solidarität unteilbar sei und Nord-Süd nicht gegen Ost-West ausgespielt werden könne, setzte sich letztlich durch. Dabei wusste er den Kölner Kardinal Joachim Meisner auf seiner Seite, der als Kind mit seiner Familie nach Kriegsende aus dem schlesischen Breslau vertrieben worden und danach in Thüringen gelandet war.

Für wenige Monate befand sich die erste Geschäftsstelle in einem Kloster in Trier, auch weil der dortige Weihbischof Leo Schwarz federführend die ersten Schritte von Renovabis in die Öffentlichkeit begleitete. Noch im Herbst 1993 holte der Münchner Kardinal Friedrich Wetter das Hilfswerk nach Bayern auf den Freisinger Domberg, wo es mehr Platz bekam und seither seinen Sitz hat.

Mehr als 700 Millionen Euro für Partner in 29 Ländern

Erster Geschäftsführer war der Jesuitenpater Eugen Hillengass, ein begnadeter Fundraiser, der sogleich die Devise ausgab, man wolle in Menschen und nicht in Steine investieren. Zu den ersten unterstützten Projekten zählte ein Bildungszentrum in der albanischen Hauptstadt Tirana als Versammlungsort für Katecheten. Weitere gut 23.000 Projekte sollten folgen.

Symbole für die Religionen Islam, Judentum und Christentum vor einem Klassenzimmer für "Geschichte der Religionen" in der Europaschule in Sarajevo. Renovabis unterstützt seit 1995 diese Schulen in Bosnien und Herzegowina.

Die Spannbreite reichte vom Auto für einen Priester bis zum Aufbau einer kirchlichen Universität irgendwo zwischen Polen und Sibirien. Dank Renovabis entstanden in Bosnien-Herzegowina multiethnische Schulen, um die Verständigung zwischen den Volksgruppen nach dem Bürgerkrieg und Zerfall Jugoslawiens zu fördern. Bis Ende 2017 bewilligte Renovabis mehr als 700 Millionen Euro für Partner in 29 Ländern. Allein im vergangenen Jahr flossen 29 Millionen Euro.

Auch politisch versucht sich Renovabis Gehör zu verschaffen, etwa beim Thema Frauenhandel, dem gerade viele Osteuropäerinnen zum Opfer fallen. Von Anfang an verstand sich Renovabis nicht zuerst als Geldsammel- und Verteilstelle, sondern als Drehscheibe des internationalen Austauschs. Aus Hilfsempfängern sollten möglichst schnell Partner werden. Mit Leben erfüllt wird dieses Selbstverständnis durch jährliche Kongresse, Partnerschaftstreffen und die Zeitschrift "Ost-West. Europäische Perspektiven".

In diesem Titel liegt auch die Perspektive für die künftige Entwicklung. Renovabis müsse schrittweise von einer Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken zu einer der Katholiken in Europa weiterentwickelt werden, findet Kronenberg. Die Krise der Europäischen Union mit ihren zunehmenden Spannungen zwischen Ost und West stellt Renovabis dabei vor neue Herausforderungen.

Von Christoph Renzikowski (KNA)