Marx: Manche Theologen führen nur Selbstgespräche
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Kardinal würdigt Gesamtwerk des Theologen Karl Rahner

Marx: Manche Theologen führen nur Selbstgespräche

Was sich von Karl Rahner lernen lässt? Im Horizont der Gegenwart zu denken, sagt Kardinal Reinhard Marx bei der Vorstellung von Rahners Werken. Wo Theologie das nicht tue, sei sie überflüssig.

München - 20.04.2018

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat das Werk des Theologen und Philosophen Karl Rahner (1904-1984) gewürdigt. Von Rahner lasse sich lernen, im Horizont der Gegenwart zu denken, sagte Marx am Donnerstagabend zum feierlichen Abschluss der Herausgabe Sämtlicher Werke Rahners in München. Eine Theologie, die sich dem Denken und Leben ihrer Zeit dagegen nicht stelle, sei überflüssig. Dennoch entdecke er gelegentlich, dass in theologischen Texten nur Theologen zitiert und damit praktisch Selbstgespräche geführt würden, so Marx weiter. Das habe keine Zukunft.

Rahners Werke nannte der Erzbischof von München und Freising daher eine "große Schatztruhe und Quelle für das, was wir auch in Zukunft theologisch tun werden". Er könne nur wünschen, dass sich möglichst viele Theologen davon inspirieren ließen. Die Gesamtausgabe von Rahners Werken umfasst mehr als 27.000 Seiten in 32 Bänden und erscheint im Verlag Herder.

Kardinal Lehmann war Vorsitzender des Herausgeberkuratoriums

Bei dem Festakt wurden auch die Verdienste des kürzlich verstorbenen Mainzer Kardinals Karl Lehmann um die Edition herausgestellt. Lehmann war Vorsitzender des Herausgeberkuratoriums, der Karl Rahner Stiftung, und ein enger Weggefährte des bahnbrechenden Jesuiten. Als Brückenbauer zwischen klassischer und moderner Theologie zählt Rahner zu den bedeutendsten katholischen Gelehrten des 20. Jahrhunderts. Sein Denken beeinflusste maßgeblich das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), an dem er vorbereitend und beratend mitwirkte.

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Der spätere Bischof und Kardinal Karl Lehmann (m.) arbeitete als Assistent von Karl Rahner (r.) zwischen 1964 und 1967 an den Universitäten von München und Münster. Gemeinsam mit dem bekannten Theologen und Jesuiten erlebte Lehmann auch das Zweite Vatikanische Konzil in Rom aus nächster Nähe mit.

Der deutsche Jesuitenprovinzial Johannes Siebner schreibt in einem bei der Feier verlesenen Grußwort, sein Orden sei stolz auf Rahner, weil er auch 37 Jahre nach seinem Tod immer noch im Gespräch sei. Rahner sei von einigen als "Kirchenvater des 20. Jahrhunderts" bezeichnet, aber von Kritikern auch "mit wenig schmeichelhaften Etiketten" belegt worden. Er habe seine Theologie "vom Menschen her und auf den Menschen hin" betrieben. Die nunmehr vorliegende Werkausgabe werde "alle seine Verehrer und Verächter überleben".

Werkverzeichnis enthält rund 1.900 eigenständige Publikationen

Die Edition umfasst nach Auskunft des Freiburger Theologen Albert Raffelt alle von Rahner selbst veröffentlichten Schriften, vom Lexikonartikel bis zur Monografie, dazu seine Interviews und wenige unpublizierte Manuskripte, darunter auch einen Schüleraufsatz, in dem er sich an den Putz- und Aufräumkünsten seiner Lehrer bei einer Klassenfahrt "ergötzt". Der Theologe stammte aus einer Freiburger Lehrerfamilie und trat 1922 in den Jesuitenorden ein. Das Werkverzeichnis enthält rund 1.900 eigenständige Publikationen.

Seine Themen fand Rahner in der Kirchengeschichte, der spirituellen Tradition seines Ordens und den Fragen, die Leser und Zuhörer an ihn herantrugen. So beschäftigte er sich nicht nur mit dem universalen Heilswillen Gottes, sondern auch mit der Bahnhofsmission und der Pfarrbücherei. Zu heißen Eisen in der Ökumene, zu Strukturproblemen der Kirche oder dem priesterlichen Zölibat legte er Überlegungen vor, die bis heute diskutiert werden. (bod/KNA)