Marx will "synodalen Weg der Kirche"
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Vorsitzender der Bischofskonferez spricht sich für Dezentralisierung aus

Marx will "synodalen Weg der Kirche"

Kardinal Reinhard Marx will Papst Franziskus und seinem "synodalen Weg der Kirche" folgen. Laut dem Vorsitzenden der Bischofskonfernez muss die Kirche dabei stets reformfähig bleiben. Eine besondere Rolle komme den Bischöfen in den Ortskirchen zu.

Bonn/Augsburg - 06.11.2015

Der Studientag befasste sich mit dem Thema "Heilsame Dezentralisierung – Welche lokalen Strukturen braucht eine missionarische Weltkirche?". Mit Blick auf das von Papst Franziskus gezeichnete Bild eines "synodalen Wegs" sagte Marx: "Die synodale Kirche ist eine Kirche, die alle Ebenen in den Blick nimmt: den Papst, die Bischöfe und die Gläubigen". Eine solche Kirche, wie sie Franziskus bereits in seinem Schreiben "Evangelii gaudium" beschrieben habe, sei offen für Veränderungen. "Die äußere soziale Gestalt der Kirche ist veränderlich, für manche ist das bedrohlich, ich kann das nicht so empfinden", so Marx.

Die Reformfähigkeit der Kirche sei insbesondere für ihre Aufgabe der Evangelisierung bedeutsam, heißt es in der Mitteilung weiter. Laut Marx muss die Kirche dazu ihre Grundprinzipien "Subsidiarität, Personalität und Solidarität" auch in der inneren Struktur umsetzen: "Eine Kirche, die ihre missionarische Wirkkraft nicht verspielen will, ist eben nicht wie eine Pyramide aufgebaut." Dabei dürften die Ortskirchen jedoch ihre Anbindung an die Universalkirche nach dem Prinzip "sub Petro et cum Petro" ("unter Petrus und mit Petrus") nicht verlieren. Eine zentrale Rolle komme laut Marx dabei den Bischöfen zu, die gut ausgewählt, ausgebildet und kontrolliert agieren müssten. "Es geht in einer Kirche der Zukunft auch um moderne Erkenntnisse für eine gute Führungsbasis."

Veränderung kann auch viel Gutes bewirken ohne dass die Tradition aufgegeben wird.

Zitat: Kardinal Reinhard Marx über Reformen in der Kirche

Am Donnerstag hatte sich auch der Münchener Kirchenrechtler Stephan Haering über den Weg der Dezentralisierung in der Kirche geäußert. Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" sagte er, dass in dieser Frage vor allem der Papst selbst gefordert sei. Für dieses Vorhaben brauche er jedoch eine breite Akzeptanz: "Gibt es sie nicht, hätte das durchaus das Potenzial für ein Schisma, also eine kirchliche Spaltung." Diese Gefahr sei zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht völlig von der Hand zu weisen.

Zugleich relativierte der Theologe entsprechende Befürchtungen. Schon jetzt gebe es unterschiedliche kirchliche Realitäten. "Die Kirche muss damit umgehen - und das hat sie stets getan in ihrer Geschichte." Seiner Erfahrung nach dürfte allerdings auch mancher Bischof froh sein, wenn er in dieser oder jener Sache keine eigene Entscheidung treffen müsse, sondern sich vollständig auf eine übergeordnete Regelung beziehen könne. Dann laufe er nicht Gefahr, etwas falsch zu machen. (kim/KNA)

Linktipp: "Das dritte Jahrtausend braucht eine synodale Kirche"

Papst Franziskus will eine stärkere Einbindung der Bischöfe in die Entscheidungen für die Weltkirche - und hat das erneut betont. Die Kirche des dritten Jahrtausends müsse eine synodale sein und geprägt vom gegenseitigen Zuhören, sagte er am Samstag.