Marx zu Missbrauch: Kirche steht vor großer Veränderung
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DBK-Vorsitzender spricht von "schmerzvollem Prozess"

Marx zu Missbrauch: Kirche steht vor großer Veränderung

Die Missbrauchsstudie bleibt weiter Thema bei den Bischöfen: Kardinal Reinhard Marx spricht von Unachtsamkeit und klerikalem Gehabe, Erzbischof Stephan Burger von einer Pervertierung der Botschaft Christi.

München - 18.09.2018

Kardinal Reinhard Marx ruft die Kirche zu einem offenen Umgang mit Kritik beim Thema Missbrauch auf. "Wir sollten Kritik als Ermutigung begreifen, diese Aufgabe anzupacken", forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag in München. Der Erzbischof von München und Freising sagte weiter: "Wie viel Unachtsamkeit, wie viel klerikales Gehabe steckt in uns?" Er betonte mit Blick auf die Zukunft der Kirche: "Ich bin überzeugt, es kommt eine große Veränderung."

Marx ergänzte laut Mitteilung der Pressestelle seines Bistums: "Es ist nicht einfach, sich darüber auszutauschen, aber wir dürfen der Herausforderung nicht ausweichen." Die Verantwortlichen in der Kirche müssten "hinschauen, hören und Konsequenzen ziehen - das wird ein schmerzvoller Prozess". Marx äußerte sich bei einem Gottesdienst zum Priestertag des Erzbistums.

Der Kardinal betonte, dass Priester an Christi statt eingesetzt seien. Dies sei "ein riesiger Anspruch". Sie seien nicht die "Herren des Glaubens der Menschen", sondern die "Diener ihrer Freude, die sie ermutigen sollen". Die Kirche müsse die Begabungen der Laien "noch mehr wertschätzen als bisher", forderte Marx. Das Volk Gottes mit seinen unterschiedlichen Begabungen sei ein großer Reichtum. Neben vielen positiven Seiten müsse man auf das Dunkle schauen. "Sünde und Gewalt ziehen sich durch die Geschichte der Kirche", erklärte der Kardinal. Dies werde durch die neue Studie neuerlich mit voller Wucht sichtbar.

Erzbischof Burger: Botschaft Christi pervertiert

Die deutschen Bischöfe wollen die mit Spannung erwartete bundesweite Studie zum Thema Missbrauch in der kommenden Woche bei ihrer Vollversammlung in Fulda veröffentlichen. Erste Ergebnisse wurden vergangene Woche durch Medienberichte bekannt. Demzufolge gab es zwischen 1946 und 2014 in Deutschland 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Beschuldigten, darunter mehrheitlich Priester. Der Titel der Untersuchung lautet "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz".

Zahlreiche Bischöfe hatten sich in den vergangenen Tagen bereits zu den bisher bekannten Ergebnissen geäußert. Zuletzt zeigte sich Erzbischof Stephan Burger in einem Brief an alle Mitarbeitenden in seiner Erzdiözese Freiburg tief erschüttert. "Missbrauch pervertiert die Botschaft Christi", heißt es in dem Schreiben vom Dienstag. Die Kirche stehe gegenüber den Betroffenen in einer Schuld, "die sie nicht leugnen, die sie nicht abschütteln, ja, die sie nur dann aufarbeiten kann, wenn die Betroffenen, die durch diese Taten verletzt, gedemütigt und zerbrochen wurden, dies auch wollen". Zudem müssten sich die Verantwortungsträger im Erzbistum die Frage stellen, "wo wir mitschuldig geworden sind". (bod/KNA)