Mehr als Nachwuchssuche
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Die Orden machen auf dem Weltjugendtag ein buntes Angebot

Mehr als Nachwuchssuche

Hunderttausende Jugendliche haben sich derzeit in Krakau versammelt. Doch den Orden geht es auf dem Weltjugendtag um mehr als die Rekrutierung neuer Mitglieder. Ein Ortsbesuch.

Von Agathe Lukassek |  Krakau - 28.07.2016

Vereinfacht wird das Ganze dadurch, dass die meisten Orden keine weite Anreise hatten. Denn viele von ihnen sind seit Ewigkeiten in der zweitgrößten Stadt Polens ansässig. Sie sind auch mit einer der Gründe für die mehr als 100 Kirchen in der 760.000-Einwohner-Stadt. Das vielfältige Programm der Orden zeigt, dass es den Schwestern, Brüdern und Padres nicht nur um plumpe Anwerbung von potentiellem Nachwuchs geht: Es gibt Theater- und Filmaufführungen, Kirchenführungen und Ausstellungen sowie klassische Seelsorgeangebote und die Sorge um das leibliche Wohl der jungen Pilger.

Ist es möglich, Gott in Kinofilmen zu begegnen? Eine Antwort auf diese Frage bekommen die Weltjugendtagsteilnehmer, die sich abends in das riesige Zelt auf dem "Kleinen Markt" hinter der Marienkirche setzen. Beim "Inigo Film-Festival" werden Kurzfilme junger Filmmacher gezeigt, in denen es um essentielle Lebensfragen geht. "Sich da 20 Minuten hinzusetzen hat eine ganz andere Qualität, als das Zurufen der Nationalhymnen, das die Jugendlichen auf dem Hauptmarkt tun, wenn sie sich begegnen", berichtet der deutsche Jesuitenpater Christof Wolf, der das Filmfestival organisiert.

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Im Magis Café bieten die Jesuiten geistliche Gespräche und Beichtgelegenheiten an.

Rechts davon befindet sich die Jesuitenkirche Sankt Barbara und im Innenhof das "Magis Café", das seine Mitbrüder anbieten. Am Eingang kann man sich in einen Sonnenstuhl setzen und mit dicken Kopfhörern akustisch von der Außenwelt abgeschirmt das Tagesevangelium meditieren: Auf Englisch und Polnisch läuft da der 10-minütige Podcast "Pray as you go" – mit Musik, Schriftlesung und Impulsfragen zu der Bibelstelle.

Es gehe ihnen darum, Jugendlichen zu helfen, ihren Lebensweg und ihre christliche Berufung zu entdecken, erklärt Pater Mariusz Balcerak, der für das Café mitverantwortlich ist. Dazu bieten vier Jesuiten Gespräche auf Sitzsäcken und unter Sonnenschirmen mit dem Ordenslogo in dem ruhigen Hof mit Brunnen an. Für persönlichere Gespräche und die Beichte könne man sich in spezielle Räume zurückziehen oder aber an Gruppenangeboten teilnehmen und hier die ignatianische Spiritualität kennenlernen, die den Orden auszeichnet.

Wenige hundert Meter südlich bieten auch die Dominikaner ein Café an – allerdings mit anderem Fokus. Durch ein Tor tritt man vom Trubel der Krakauer Altstadt in einen großen Garten mit vielen Sitzgelegenheiten unter schattenspendenden Bäumen. Hier ruht sich die Dominikanerin Schwester Gracja aus und freut sich darüber, an diesem Ort Gast zu sein. Denn normalerweise ist der Garten verschlossen und den Klosterbrüdern zu Ruhe und Gebet vorbehalten.

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Das Engagement der Dominikaner in Krakau: Im "Frassati-Café" hinter ihrer Kirche geben sie gegen eine freiwillige Spende Essen und Trinken aus.

Doch während des Weltjugendtags sitzen stets rund 100 Menschen unter den Bäumen oder in einem Zelt, in dem gegen eine freiwillige Spende Essen und Getränke ausgegeben werden. Das Projekt nennt sich "Café Frassati", nach einem der drei WJT-Patrone neben Johannes Paul II. und Schwester Faustyna. Der selige Pier Giorgio Frassati gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts als Laie dem dritten Orden der Dominikaner an, setzte sich für Arme ein und bot spirituelle Alpenwanderungen an. "Er starb bereits mit 24 Jahren und seine Reliquien können während des WJT in unserer Kirche besucht werden", erklärt der junge Bruder Michal Karp.

Viele pilgerten in die Kirche, nähmen an Führungen durch das Kloster teil und landeten dann in der "Chill-Out-Zone" des Klostergartens, so Bruder Michal. In der Nacht zum Donnerstag war der Garten sogar die ganze Zeit über zugänglich, um eine "Nacht der heiligen Dominikaner und Dominikanerinnen" zu feiern, in deren Zuge Ordensgrößen wie Thomas von Aquin, Katharina von Ricci und der Gründer Dominikus vorgestellt wurden.

Auch die Karmeliten widmeten dem Weltjugendtag in ihrer Kirche einen ganzen Tag, der mit einem Konzert und einer eucharistischen Anbetung endete. Andere Gemeinschaften haben keinen Sitz in Krakau und sind dennoch vor Ort. Etwa Sr. Maria Magdalena und Bruder Jakob, die zur in den 1970er Jahren in Frankreich gegründeten "Gemeinschaften von Jerusalem" gehören. Sie haben ihren polnischen Sitz in Warschau, haben sich aber einen kleinen Tisch im Schatten hinter der Marienbasilika aufgebaut. Dort bieten sie den Pilgern Tee sowie Auskunft über sich und Hilfen bei der Orientierung in der Stadt an.

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Im "Berufungszentrum" am Cracovia-Stadion stellen sich Orden, neue geistliche Bewegungen und Jugendinitaitiven vor.

Viele weitere Orden stellen sich und ihre Projekte in einem speziellen "Berufungszentrum" vor: Am Fußball-Stadion Cracovia, unweit des Blonia-Parks, in dem die großen Gottesdienste des WJT stattfinden, haben knapp 100 Gemeinschaften eine Box gemietet. Von "A" wie Albertinerschwestern reicht die Liste über die Gemeinschaft Sant’Egidio, diverse Missionsorden und das Buch-Projekt "Youcat" bis hin zu "Z" wie "Zgromadzenie Siostr Swietego Jozefa" (dt: Josephschwestern).

Am Stand des Trinitarierordens erklärt Bruder Rafal, welches Anliegen ihm beim Weltjugendtag besonders wichtig ist: Das Gebet für verfolgte Christen. Er berichtet von Schulprojekten des Ordens in Syrien und lädt die Jugendlichen zu einer Vigil für bedrängte Christen ein, "denn unter den WJT-Teilnehmern gibt es auch welche, die aus schwierigen Situationen kommen und damit sollten wir alle uns solidarisch zeigen".

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Im polnischen Krakau findet noch bis Sonntag der Weltjugendtag statt. Katholisch.de berichtet von vor Ort über das Glaubenstreffen, an dem junge Pilger aus aller Welt gemeinsam mit Papst Franziskus teilnehmen

Von Agathe Lukassek