Mehr König*innen braucht das Land!
Ein satirischer Wochenrückblick von Felix Neumann

Mehr König*innen braucht das Land!

Schreckensmeldung im Neuen Jahr: Uns gehen die Sternsinger aus! Im satirischen Wochenrückblick hat Felix Neumann eine Lösung.

Von Felix Neumann |  Bonn - 06.01.2018

Das Jahr ist noch nicht einmal eine Woche alt, schon häufen sich Schreckensmeldungen: Nur noch jeder vierte Berliner ist Christ! Zahl der Sternsinger fast halbiert! Was Berlin angeht, bedeutet das für katholisch.de eventuell Umstrukturierungen. 2018 wird erwogen, die Berliner Dependance künftig dem Portal weltkirche.katholisch.de zu untergliedern, damit dort auch einmal von echten Missionsgebieten die Rede ist.

Und auch das mit den Sternsingern dürfte durch geschickte Umstrukturierungen zu lösen sein. Waren es in den 1980ern noch 500.000 Kinder, sind es jetzt nur noch 300.000. Das ist zwar wirklich nur "fast" halbiert, aber ein besorgniserrengender Trend. Auch wenn man sinkende Katholikenzahlen gegenrechnet: Da fehlen so einige kleine Könige auf den Straßen! Eine Lösung muss her, und da ist es nicht mit besserem Marketing getan. Dabei liegt doch auf der Hand, was zu tun ist: Wenn 3 Heilige Könige 300.000 Sternsinger bedeuten, das Ziel aber bei 500.000 Sternsingern liegt, dann erreicht man dieses Ziel – Dreisatz sei Dank – mit exakt 5 Heiligen Königen.

Diese zukunftsweisende Maßnahme würde dann auch gleich eine größere Diversität unter den Sternsinger*innen ermöglichen: Neben die drei männlichen Könige Kaspar, Melchior und Balthasar könnten dann zum Beispiel die heilige Königin Adelheid und die heilige Königin Gisela treten. Von ersten Versuchen in diese Richtung berichtet die internationale Presse just diese Woche aus Madrid; die Drag Queen "La Prohibida" nebst einer Burlesque-Musikerin und einer Hip-Hop-Sängerin als Ergänzung der hergebrachten Könige sorgten dort allerdings für einen Aufruhr und ihre erzwungene Abdankung noch vor dem Fest.

Daher lieber doch Adelheid und Gisela. Die lösen neben dem numerischen und dem repräsentativen Problem nämlich zugleich noch mehr: Die Akzeptanz der Sternsinger dürfte steigen, wenn mit den drei nordafrikanischen und arabischen jungen Männern auch zwei deutsche Frauen unterwegs sind. Erst recht, wenn eine davon Gisela ist, jene bayerische Prinzessin, die Königin von Ungarn wurde – das passt in eine Zeit, in der zwischen Alexander Dobrindt und Viktor Orbán kein großkariertes Blatt Papier passt. Und es erhöht aufgrund der nötigen Änderungen im Ritual den Lebensweltbezug des Sternsingersegens, wenn im kommenden Jahr 20+C*M*A*G*B*19 über den Türen steht: Christus Mansionem Ac Garagem Benedicat, Christus segne dieses Haus und diese Garage, das holt die Menschen von heute da ab, wo ihr Herz ist. Und – entgegen gewissen Spöttern bei SAT.1 – gesanglich kriegen die Sternsinger die Umstellung auch hin:

Wir kommen daher aus dem Morgen- und Abendland,
wir kommen geführet von Gottes Hand,
wir wünschen euch ein fröh-hö-hö-hö-höliches Jahr
Kaspar, Melchior, Adelheid, Gisela und Balthasar!

Von Felix Neumann

Themenseite: War's das?!

"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren freitags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.