Eine Inquisition
Bistum Passau konnte jedoch keine Unruhe in der Pfarrei feststellen

Mehrere Sterbefälle: Bitte um Inquisitor

Im 1.700-Seelen-Ort Ering verstarben zwischen 2010 und 2016 fünf Menschen, die in der Kirchengemeinde aktiv waren. Diese Reihung von Todesfällen kam Endre Graf Esterházy ungewöhnlich vor: Er bat das Bistum Passau, einen Inquisitor zu schicken.

Passau - 02.03.2016

"Fünf Todesfälle rund um den Altar von Ering in einem relativ zeitnahen Zusammenhang sind absolut ungewöhnlich", zitiert die "Passauer Neue Presse" den Grafen, dem ein Schloss in dem 1.700-Seelen-Ort gehört. Zwischen 2010 und 2016 waren eine Mesnerin, der Pfarrgemeinderatsvorsitzende und ein Stellvertreter, ein Pfarrer sowie ein Kommunionhelfer gestorben, alle zwischen 52 und 64 Jahren alt. "Es kann so nicht weitergehen", meint der 65-jährige Adelige in seinem Brief.

Das Bistum Passau reagierte - es schickte jedoch keinen Inquisitor: "Die Forderung nach Einsetzung eines 'Inquisitors' scheidet allein schon deshalb aus, weil es die Inquisition in der katholischen Kirche nicht mehr gibt", heißt es in der Stellungnahme des Bistums. Man habe mit Pfarrangehörigen gesprochen und festgestellt, dass "von einer generellen Beunruhigung keine Rede sein" könne.

Todesfälle lösen mitunter Fassungslosigkeit aus

Ob im Pfarrverband Ering statistisch gesehen im genannten Zeitraum mehr Menschen zu Tode kamen als sonst, könne seitens der Diözese nicht geprüft werden, hieß es weiter. Aus der Stellungnahme des Bistums scheint dennoch Verständnis für die Reaktion des Grafen Esterházy zu sprechen: "Jeder Todesfall löst Trauer und mitunter auch Fassungslosigkeit aus. Gerade dann, wenn es sich um jüngere Menschen handelt."

Auch Pfarrer Peter Kieweg konnte in seiner Eringer Gemeinde keine Beunruhigung feststellen. "Es wird eher über diesen Vorstoß gelacht", hat er beobachtet. Wie man auf die Idee komme, dass die Todesfälle zusammenhingen, könne er nicht sagen. "Ich kenne Graf Esterházy zu wenig." (jhe)

Die Inquisition

Der lateinische Begriff Inquisition steht für Befragung, Erforschung oder Verhör. Das Rechtsverfahren entstand im 13. Jahrhundert und wurde von der Kirche wie auch von Staaten angewandt. Es führte die Sicherung von Beweisen sowie die Vernehmung von Zeugen ein. Seine heute landläufige Bedeutung als kirchliche Inquisition erhielt es mit den Verfahren gegen Ketzer und Häretiker. (KNA)