Ein Kreuz vor schwarzem Himmel
Expertinnen stehen in keinerlei Dienstverhältnis zur Diözese

Missbrauch: Bistum Hildesheim beruft externe Ansprechpersonen

Eine "schonungslose Aufklärung" von sexuellem Missbrauch hat Bischof Heiner Wilmer in seinem Bistum Hildesheim angekündigt. Dabei setzt er offenbar verstärkt auf externe Mitarbeiter: Jetzt werden eine Ordenschwester und ein Caritas-Vorstand als diözesane Ansprechpartner durch unabhängige Expertinnen ersetzt.

Hildesheim - 27.12.2018

Das Bistum Hildesheim hat zwei neue, externe Ansprechpersonen für Verdachtsfälle des sexuellen Missbrauchs benannt. Sie treten zum 1. Januar ihr Amt an, wie die Diözese am Donnerstag mitteilte. Drei weitere unabhängige und qualifizierte Ansprechpersonen kämen im Laufe des Jahres 2019 hinzu. Ziel sei es, dass sie in fünf verschiedenen Regionen des Bistums angesiedelt seien. Sie würden zudem fallbezogen in die Arbeit des Bischöflichen Beraterstabs in Fragen sexueller Gewalt eingebunden und dort die Interessen der Betroffenen vertreten, so das Bistum.

Zum Beginn des neuen Jahres tritt laut Angaben die Fachärztin für Anästhesie und Schmerztherapie Angelika Kramer (67) ihren Dienst an. Zeitgleich nimmt die Diplom-Psychologin Michaela Siano (49) ihren Tätigkeit auf. Sie lösen die Ordensschwester und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, M. Ancilla Schulz, sowie den Caritas-Vorstand und Diplom-Psychologen John G. Coughlan ab.

Die beiden neuen Ansprechpersonen stünden in keinem Dienstverhältnis zur Diözese, hieß es. Kramer habe sieben Jahre am AMEOS-Klinikum in Hildesheim unter anderem mit Menschen gearbeitet, die durch sexualisierte Gewalt traumatisiert wurden. Siano sei für die Beratungsstelle "Rückenwind" in Helmstedt tätig, die sexuell missbrauchten Frauen und Kindern Unterstützung bietet.

Wilmer: Schonungslose Aufklärung

Der Wechsel gehe auf das Gutachten des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München vom Oktober 2017 zurück. Das 2017 vorgelegte Papier hatte der Diözese Versäumnisse bei der Aufarbeitung der Fälle vorgeworfen. Auf Empfehlung der Gutachter hat das Bistum inzwischen externe Experten in den Beraterstab des Bischofs berufen. Das IPP soll dem Bistum laut Angaben auch bei der Zusammenstellung einer externen Expertengruppe helfen, die die Aufarbeitung übernimmt.

Hildesheims Bischof Heiner Wilmer hatte sich zuletzt immer wieder für eine "schonungslose Aufklärung der Fälle von sexuellem Missbrauch" ausgesprochen. Er zeigte sich bereit, auch Externen Einsicht in kirchliche Akten zu gewähren. Ende Oktober übergab er Unterlagen an die zuständige Staatsanwaltschaft. Damals wurden sechs Ermittlungsverfahren eingeleitet. (KNA)