Missbrauch durch Bischöfe: Erzdiözese führt Whistleblower-System ein
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Missbrauch durch Bischöfe: Erzdiözese führt Whistleblower-System ein

Das Fehlverhalten eines Bischofs melden? In der Erzdiözese Baltimore soll dies ein eigens installiertes Whistleblower-System ab sofort erleichtern. Der zuständige Erzbischof begrüßt den Schritt ausdrücklich.

Baltimore - 18.01.2019

Null Toleranz – auch bei den eigenen Oberhirten: Die US-Erzdiözese Baltimore hat ein unabhängiges Anzeige-System bei Missbrauchsverdacht gegen die im Bistum tätigen Bischöfe eingeführt. "Ich hoffe, dass dieser Schritt und unser fortwährendes Engagement für den Kinderschutz eine klare Botschaft an die Gläubigen senden wird, dass Missbrauch jeglicher Art nicht toleriert wird", sagte Erzbischof William E. Lori bei einem Pressetermin (Dienstag) gegenüber Journalisten. Diejenigen, die Leitungspositionen innehätten, nämlich die Bischöfe, seien dafür verantwortlich, die Kirche sicher zu halten. Dies gelte besonders im Fall von Kindern.

Das System wird von der US-Firma "EthicsPoint" verwaltet. Sie ist auf die Herstellung von Software spezialisiert, die Regelkonformität innerhalb von Unternehmen überwacht. Menschen, die einen begründeten Missbrauchsverdacht haben, können diesen entweder über eine Internetseite oder über eine Telefonhotline melden. Eingegangene Beschwerden werden an das diözesane Überprüfungsgremium von Baltimore weitergeleitet. Dieses wird die Anzeigen an die staatlichen Behörden sowie den Apostolischen Nuntius in den Vereinigten Staaten weiterleiten. "Damit hoffen wir, das Vertrauen derer, denen wir dienen, und der größeren Gemeinschaft wieder aufzubauen", so Erzbischof Lori.

Erleichterte Anzeigen gegen andere Mitarbeiter

Das Whistleblower-System soll zusätzlich Hinweise bei Verfehlungen anderer diözesaner Mitarbeiter erleichtern, etwa von Priestern, Diakonen, Angestellten sowie Ehrenamtlichen. Es müsse eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber denjenigen geben, die gegen ihr Amt verstießen und in irgendeiner Weise einen Jugendlichen oder Erwachsenen schadeten, sagte Lori. Der Fall des ehemaligen Kardinals Theodore McCarrick mache deutlich, dass die höchste Rechenschaftspflicht unabhängig vom Rang von allen verlangt werden müsse.

Das Anzeigesystem ist auf die Erzdiözese Baltimore beschränkt und schließt ausdrücklich die dort tätigen Bischöfe ein. Neben Erzbischof William E. Lori sind das die Weihbischöfe Adam Parker und Mark Brennan sowie der emeritierte Weihbischof William Madden. Andere US-Oberhirten sind nicht betroffen. Der ursprüngliche Plan, ein ähnliches System USA-weit einzuführen, war im November an einem Veto aus dem Vatikan gescheitert.

Die Ankündigung des Whistleblower-Systems erfolgte einen Monat vor dem Gipfeltreffen im Vatikan zum Thema sexueller Missbrauch von Minderjährigen, an dem die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt teilnehmen werden. Beobachter erwarten, dass die Bischöfe dabei beauftragt werden, auf nationaler Ebene eine Vorgehensweise gegen sexuellen Missbrauch zu entwickeln. (mal)