Erzbischof Philip Wilson
Schuld nicht zweifelsfrei nachweisbar

Missbrauch: Haftstrafe gegen Erzbischof Wilson aufgehoben

Erst sollte er zwölf Monate in Gefängnis, dann wurde die Haftstrafe in Hausarrest umgewandelt: Jetzt wurde der australische Erzbischof Philip Wilson freigesprochen. Missbrauchsvertuschung sei ihm nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Sydney - 06.12.2018

Ein Berufungsgericht im australischen Newcastle hat die Verurteilung von Erzbischof Philip Wilson zu einem Jahr Gefängnis wegen der Vertuschung von Missbrauchsfällen aufgehoben. Richter Roy Ellis sei in seiner am Donnerstag gefällten Entscheidung dem Einwand von Wilsons Anwälten gefolgt, die Staatsanwaltschaft habe die Schuld des ehemaligen Erzbischofs von Adelaide nicht zweifelsfrei nachgewiesen, berichteten australische Medien.

Missbrauchsanschuldigungen von Messdienern

Der 68-jährige Wilson war am 3. Juli von einem Gericht in Newcastle zu einer Strafe von zwölf Monaten Gefängnis verurteilt worden, die Mitte August in Hausarrest umgewandelt wurde. Das Gericht hatte Wilson für schuldig befunden, vor mehr als vier Jahrzehnten als junger Priester in Newcastle die Missbrauchsanschuldigungen von Messdienern gegen den Priester James Fletcher vertuscht zu haben. Für die Dauer des Hausarrests musste Wilson elektronische Fußfesseln tragen.

Am 30. August legte Wilson Berufung gegen seine Verurteilung ein. Auf Druck des inzwischen gestürzten Premierministers Malcolm Turnbull und weiter Teile der australischen Medienöffentlichkeit war Wilson am 30. Juli von seinem Amt als Erzbischof von Adelaide zurückgetreten. Das Amt hatte Wilson gleich nach seiner Verurteilung ruhen lassen.

Australiens Kirche steht wegen Zehntausender Missbrauchsfälle seit Jahren in der Kritik. Auch der australische Kurienkardinal George Pell steht seit August wegen Missbrauchsvorwürfen aus früheren Jahren vor Gericht. (tmg/KNA)