Missbrauchsbeauftragter will Vertrag zwischen Kirche und Staat
Rörig: Entschädigungszahlungen endlich klären

Missbrauchsbeauftragter will Vertrag zwischen Kirche und Staat

Die Kirche soll besser mit staatlichen Stellen kooperieren – das fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Er hat auch einen Vorschlag, wie das gelingen kann: einen Vertrag zwischen Staat und Kirche. Bischof Ackermann zeigt sich aufgeschlossen.

Köln - 23.11.2018

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, drängt bei der Missbrauchsbekämpfung auf eine stärkere Zusammenarbeit der Kirche mit dem Staat. "Es wäre ein wichtiger historischer Schritt, wenn jetzt Kriterien und Standards für eine umfassende Aufklärung und eine unabhängige Aufarbeitung gemeinsam entwickelt und deren Umsetzung vertraglich geregelt werden könnten", sagte er am Freitag auf einer Fachtagung in Köln.

"Konkret könnten sich Kirche und Staat über Standards einer kontinuierlichen und achtsamen Betroffenenbeteiligung in den Aufarbeitungsprozessen verständigen", sagte er. Auch über konkrete Rechte Betroffener bei der Aufarbeitung oder über Ermittlungs- und Zugangsbefugnisse zu Unterlagen könnte eine Einigung geschaffen werden. "Auch die bis heute ungelöste Frage der Entschädigungszahlungen sollte nun endlich geklärt werden", so der Beauftragte.

Beide Seiten müssen Verantwortung wahrnehmen

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, begrüßte den Vorschlag Rörigs. "Wir sind im Gespräch und hoffen, die Zusammenarbeit im nächsten Jahr konkret festzumachen", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dabei sei wichtig, dass beide Seiten ihre Verantwortung wahrnehmen müssten. Auch die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz, Schwester Katharina Kluitmann, begrüßte den Vorschlag: "Ohne Aufarbeitung von Missbrauch hängt die Prävention in der Luft."

Auf der Fachtagung in Köln unter dem Leitwort "Präventionserprobt!? - Katholische Kirche auf dem Weg zur nachhaltigen Prävention von sexualisierter Gewalt" tauschten sich Mitarbeiter von kirchlichen Einrichtungen mit externen Fachleuten über Maßnahmen und Konzepte gegen sexuellen Missbrauch aus. Eingeladen dazu hatten die Deutsche Bischofskonferenz, die Deutsche Ordensobernkonferenz und Rörig. (fxn/KNA)