Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Josef Maria Böge über das Sonntagsevangelium

Mit Jesus in Beziehung sein… aber wie?

"Du bist für mich wie eine Schwester": Manchmal beschreiben Menschen gute Beziehungen wie das Verhältnis zu Familienangehörigen. Auch wer Jesus ähnlich wird, bildet eine Familie mit ihm, sagt Pater Josef Maria Böge.

Von P. Josef Maria Böge OSB |  Bonn - 09.06.2018

Pater Josef Maria Böge

Impuls von Pater Josef Maria Böge

Wenn wir Menschen mögen, wenn wir spüren, dass sie uns wichtig sind, dann beschreiben wir unsere Beziehung zu ihnen manchmal wie die Beziehungen zu einem Familienmitglied: "Du bist für mich wie ein Bruder" oder "Er ist für mich wie ein Vater gewesen".

Durch unsere Abstammung sind wir mit unseren Eltern, Geschwistern und anderen Personen verwandt. Diese Bindung ist eine grundlegende Tatsache in unserem Leben. Niemand kann sie verändern oder zerstören. Die Tatsache einer familiären Bindung bleibt immer bestehen – unabhängig davon ob sie aktiv gelebt wird oder eben nicht. Selbstverständlich werden fremde Menschen nie zu Familienmitgliedern, aber darum geht es auch nicht. Wenn wir sagen: "Du bist für mich wie ein Bruder", dann meinen wir, dass es zwischen dem anderen Menschen und mir eine tiefe, feste und unzerstörbare Bindung gibt.

Ähnliches gilt auch für die Beziehung zu Jesus: Sie entsteht wenn wir Zeit mit IHM verbringen, so wie die Menschen, die mit Jesus im Haus sind. Ihre Herzen sind voller Sehnsucht, sie nehmen sich Zeit, um Jesus zu hören, sie lassen sich von IHM faszinieren: Sie glauben ihm und glauben an ihn.

Doch es bleibt nicht bei einem schönen Erlebnis voller Emotionen. Eine tiefe Beziehung zu Jesus entsteht im gläubigen Hören seines Wortes und wächst in der praktischen Umsetzung. "Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter", sagt der Herr. Oder anders ausgedrückt: Wer Jesus ähnlich wird, bildet eine Familie mit ihm – denn Jesus macht an vielen Stellen der Evangelien deutlich, dass er gekommen ist, den Willen seines Vaters zu tun.

Wenn wir uns vom heutigen Evangelium berühren lassen, dann bleiben wir nicht vor der Tür, wie die Angehörigen Jesu. Wir schließen uns nicht aus, sondern wir treten ein in den Raum, wir versammeln uns gemeinsam mit anderen Menschen um ihn, schauen auf Jesus und hören sein Wort. Wir verbringen Zeit mit ihm, wir reden, wir hören, wir schweigen. Diese Begegnungen werden unser Herz und unser Leben verändern. Mehr und mehr werden wir unser Tun am Willen Gottes ausrichten, der für Jesus der Maßstab des Handelns ist. "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden" so bitten wir im Vaterunser.

Begeben wir uns auf diesen Weg, treten wir ein in die Familie Jesu, so dass er zu uns sagt: "Du richtest Dich am Willen Gottes aus, deshalb sollst du in meiner Nähe und meiner Liebe leben, wie ein Mensch aus meiner Familie."

Von P. Josef Maria Böge OSB

Evangelium nach Markus (Mk 3, 20-35)

In jener Zeit ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.

Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Der Autor

P. Josef Maria Böge OSB ist Benediktinermönch in der Abtei Plankstetten.