Mit Kardinal Schönborn in den Ehebruch tanzen
Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Mit Kardinal Schönborn in den Ehebruch tanzen

Schon ein intensiver Blickwechsel kann der Beginn von Ehebruch sein, meint Kardinal Schönborn. Das beflügelt die Phantasie von Joachim Heinz. In seinem satirischen Wochenrückblick wittert er Sodom und Gomorrha.

Von Joachim Heinz |  Bonn - 13.01.2018

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Deutschland eine Regierung bekommt? Nunja, mit dem erfolgreichen Abschluss der Sondierungsgespräche sieht die Sache am Ende dieser Woche schon etwas besser aus. Vielleicht hat es ja gewirkt, was Papstbotschafter Nikola Eterovic – gemeinhin ein eher wortkarger Vertreter seiner Zunft -  beim Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für das Diplomatische Korps hervorhob. Eine stabile Regierung sei nicht nur für Berlin, sondern für die Europäische Union, ja die ganze Welt sehr wichtig. "Urbi et orbi" gewissermaßen.

Wir warten nun gespannt auf den Fortgang der Gespräche, wechseln aber derweil vom diplomatischen Parkett Richtung Tanzboden. Auf dem glänzend gewienerten Geläuf lauern mitunter große Gefahren, weiß Kardinal Christoph Schönborn. "Ein Mann hat mit seiner Frau getanzt. Dabei begegnet er dem Blick einer anderen Frau und in diesem etwas wie Ehebruch." Von einem "Drama" spricht Schönborn in einem "Christ&Welt"-Interview und fühlt sich in das Denken des verheirateten Mannes ein. "Ich habe doch Treue versprochen. Plötzlich ist diese Realität Sünde da."

Wir haben schon seit ein paar Jahren kein Paartänzchen mehr gewagt. Aber es bleiben die Blicke, die wir auf uns ziehen. Zum Beispiel, wenn wir in Bus und Bahn einsteigen. Sodom und Gomorrha! Kaum zu ertragen. Ein Grund, weswegen wir nach Kräften dem öffentlichen Personennahverkehr entsagen. Obwohl: Vielleicht würde eine Dusche die uns bislang zuteil werdende Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken. Oder ein neuer Look, nicht so ungebügelt wie der des britischen Außenminister-Darstellers Boris Johnson.

Mal überlegen. Am besten in aller Stille. Noch besser in einer Kirche. Da böte sich vielleicht das Gotteshaus im sächsischen Elstertrebnitz an. Die Kapelle wäre für 170.000 Euro auf eBay zu haben. Allerdings fehlt ein Krokodil. Das gibt’s nur in der Kirche Madonna delle Lacrime im norditalienischen Ponte Nossa. Und dies seit mehreren hundert Jahren. Derzeit weilt das mumifizierte Reptil allerdings zu radiologischen Untersuchungen in einem Krankenhaus in Bergamo.

Die Geschichte, wie das Krokodil zur Kirche in Ponte Nossa fand, ist etwas verworren. Wir aber wissen, dass die Echse als solche seit dem Mittelalter für Heuchelei steht und in der christlichen Ikonographie Bezüge zum Leviathan aufweist. Das ist ein Chaos säendes Ungeheuer. Warum nur müssen wir da plötzlich wieder an die zähe und von mancherlei schmutzigen Tricke begleitete Regierungsbildung denken? Vom kleinen Krokodil zur GroKo in Berlin ist es gedanklich manchmal nur ein Katzensprung.

Von Joachim Heinz

Themenseite: War's das?!

"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren freitags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.