Titelbild zum Weltgebetstag der Frauen 2018
Am 2. März ist der ökumenische Weltgebetstag der Frauen

Mit Schauspielerin Sägebrecht für Surinam beten

Am Freitag geht das Gebet der wohl größten ökumenischen Bewegung um die Welt: Beim Weltgebetstag geht es in diesem Jahr um Surinam, den Sehnsuchtsort von Schauspielerin Marianne Sägebrecht, die die Aktion unterstützt.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 01.03.2018

Paramaribo. Schon einmal gehört? Das ist die Hauptstadt von Surinam. Hinter dem exotisch klingenden Namen verbirgt sich kein Land in Asien oder Afrika, sondern der kleinste unabhängige Staat Südamerikas. Surinam liegt nördlich von Brasilien zwischen Guyana und Französisch-Guyana und hat nur eine halbe Million Einwohner, obwohl es halb so groß ist wie Deutschland. In Paramaribo wohnt fast die Hälfte der Bevölkerung, denn rund 90 Prozent des Landes bestehen aus undurchdringlichen und unbewohnbaren Regenwald.

Über Surinam, Paramaribo sowie die Kultur und Religionen des Landes wissen in diesen Tagen erstaunlich viele christliche Frauen Bescheid. Denn die Texte, Gebete und Lieder zum Weltgebetstag der Frauen am Freitag stammen in diesem Jahr von dort. Die mehr als 130 Länderkomitees der ökumenischen Gebetsbewegung nutzen die Vorlagen in eigener Übersetzung und informieren im Rahmen der Gottesdienste über die Situation der Frauen in dem südamerikanischen Land. "Informiert beten – betend handeln", lautet das Motto der 1887 gegründeten Basisbewegung.

Vom Pfarrer ein Surinam-Buch geschenkt bekommen

Hierzulande rechnet das deutsche Komitee mit rund einer Million Gottesdienstteilnehmerinnen aus neun Konfessionen – von der Heilsarmee und Herrnhuter Brüdergemeine bis hin zu evangelischer, katholischer und orthodoxer Kirche. Zentral erfasst wird die Zahl zwar nicht, sie lässt sich aber anhand der Bestellungen des Gottesdienst-Heftes schätzen. Die Kollekten vom Vorjahr brachten 2,8 Millionen Euro ein. Mit dem Geld unterstützt der deutsche Verein des Weltgebetstags einige Dutzend Frauen- und Mädchenprojekte weltweit sowie die internationale Bewegung des Weltgebetstags.

In diesem Jahr wirbt auch eine Prominente für die ökumenische Aktion: Als Vorbereitung auf den Weltgebetstag las die Schauspielerin Marianne Sägebrecht ("Out of Rosenheim", "Frau Holle") jüngst in einer Nürnberger Kirche aus ihrem Buch "Auf dem Weg nach Surinam". Sie bezeichnet das Land als ihren Sehnsuchtsort, an dem sie – trotz ihres Buchs – bislang noch nie war. Ihr Großvater, ein Gärtner, habe ihr von den tropischen Pflanzen und Tieren im Regenwald Surinams erzählt und von den vielen unterschiedlichen Menschen und Kulturen, berichtet Sägebrecht. In der Schulzeit habe ihr ein Pfarrer ein Buch über das Land gegeben und noch später entdeckte sie die Malerin und Pflanzenforscherin Maria Sibylla Merian (1647-1717), die auf einer zweijährigen Reise die Insekten der damals niederländischen Kolonie darstellte und beschrieb. Die 72-Jährige plant derzeit ihre erste Reise in das Land.

Sie habe fast geweint vor Freude, als sie hörte, dass Surinam das Themenland sei, sagt Sägebrecht. Der Weg zu ihrem Engagement für den Weltgebetstag war also nicht weit – auch spirituell nicht. Die Schauspielerin beendet jeden Tag mit einem Dankgebet und einer Rückschau auf das Gewesene. Sie nennt aber auch die Ökumene als großes Anliegen: "Wenn Menschen, egal welcher Konfession, Schulter an Schulter in der Kirche sind und gemeinsam beten, gibt das eine so tolle Energie!" Und schließlich seien ihr auch die Frauensolidarität und das aktive Eintreten für die Rechte von Frauen und Mädchen wichtig. Die Frauen in Deutschland dürften sich jedenfalls über Sägebrechts bayerisch-surinamische Rezepte freuen: den Überlebenssuppentopf "Chakalaka" und eine Weinschaumcreme mit Passionsfrucht und Ingwer.

Das deutsche Titelbild zum Weltgebetstag 2018 trägt den Titel "Gran tangi gi Mama Aisa (In Dankbarkeit gegenüber Mutter Erde)". Weil "Mama Aisa" auch ein Erdgeist des sogenannten Winti-Kultes ist und Trommeln bei heidnischen Ritualen eingesetzt werden, kritisierten Frauen aus Surinam die deutsche Bildauswahl.

Unterstützt wird der Weltgebetstag auch von zwölf christlichen Verbänden, etwa den Evangelischen Frauen in Deutschland und den großen katholischen Frauengemeinschaften kfd und KDFB. In einem gemeinsamen Aufruf der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland gehen die Bischöfe auf die diesjährige Bibelstelle ein: "Gottes Schöpfung ist sehr gut!" Der Weltgebetstag erinnere dieses Jahr "besonders eindrücklich an unser aller Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung", erklärte Bischöfin Petra Bosse-Huber. Bischof Franz-Josef Bode würdigte die Gebetsaktion als einen wichtigen Ausdruck christlicher Spiritualität. Den Christinnen weltweit liege das "Gemeinsame Haus", von dem Papst Franziskus in "Laudato si" schreibt, am Herzen.

Kritik an deutscher Bildauswahl

Aber die Abholzung des Regenwaldes, illegale Goldminen und ein steigender Meeresspiegel, die die Lebensräume von Pflanzen, Tieren und Menschen bedrohen, sind nicht die einzige Herausforderung des Landes. In Surinam herrscht eine bunte Vielfalt der Religionen: Neben Christen, Hindus und Moslems gibt es auch Vertreter indigener Religionen und überlieferter Kulte traditioneller afrikanischer Religionen. Wie sensibel da auch der Weltgebetstag vorgehen sollte, zeigte sich ausgerechnet am deutschen Titelbild der surinamischen Künstlerin Sri Irodikromo. Das deutsche Komitee hatte Irodikromo beauftragt, ein Bild zu malen, da auf dem aus Surinam vorgeschlagenen Bild für sie eine zu scharfe Trennung zwischen Natur und Menschen bestanden habe.

Das Motiv zeigt eine Frau mit einer Trommel vor sich und trägt den Titel "Gran tangi gi Mama Aisa (In Dankbarkeit gegenüber Mutter Erde)". Weil "Mama Aisa" auch ein Erdgeist des sogenannten Winti-Kultes ist und Apinti-Trommeln bei heidnischen Ritualen eingesetzt werden, kritisierten Frauen aus Surinam die deutsche Bildauswahl. Die meisten christlichen Gemeinden des Landes verwendeten bewusst keine Trommeln in Gottesdiensten, berichtete der "Herrnhuter Bote". Auf Nachfrage durch die Evangelische Nachrichtenagentur idea zeigte sich Sprecherin Lisa Schürmann selbstkritisch. Man sei überrascht gewesen, dass der Titel des ausgewählten Bildes so irritiert und verletzt habe und werde in Zukunft noch sensibler mit solchen Fragen umgehen, so Schürmann. Der Vorfall zeigt, dass im "Gemeinsamen Haus" noch viele Gebete und viel kultureller Austausch nötig sind.

Von Agathe Lukassek