Modisch in den Bund fürs Leben

Modisch in den Bund fürs Leben

Wenn jede Braut eine Fee wäre, würde sie sich garantiert den perfekten Hochzeitstag zaubern. Auch am heutigen 12.12.12., zu dem Standesämter schon lange ausgebucht sind. Denn ungern überlässt die Braut von heute die Sitzordnung oder Farbe des Brautstraußes dem Zufall – geschweige denn das Brautkleid. Für den großen Tag will jede Frau auch perfekt aussehen.

Bonn - 12.12.2012

Doch trotz akribischer Planung kann immer etwas schief gehen - auch bei der Trauzeremonie in der Kirche. Priester Ludwig Waldmüller, Dekan im Dekanat Memmingen, hat viele Trauungen zelebriert und so manches Missgeschick vor dem Altar erlebt. Trauringe im Lüftungsschacht, vertauschte Ringe oder vergesseneTrausprüche – das kann immer mal passieren. Aber ein schlecht sitzendes Kleid der Braut, das tiefe Einblicke gewährte, weil sie auf einem einsinkenden Schaumstoffbänkchen knien musste, war schon unpassend. "Ich musste irgend woanders hingucken und habe mich so gestellt, dass es kein Fotograf sehen konnte", erinnert sich Waldmüller.

Modetrends für 2013 aus aller Welt

Damit so etwas nicht passiert, gibt es Modeberaterinnen wie Maritta Emser. Sie ist seit 24 Jahren im Brautmodengeschäft tätig und mittlerweile Geschäftsführerin bei Cecile, einem der größten Brautgeschäfte im Rheinland. "Wenn die Frauen traditionell heiraten, nehmen sie meistens noch ein Jäckchen oder ein Bolero für drüber", empfiehlt Emser. Alternativ rät sie auch zu einem Schleier, der auch als "verdeckendes" Accessoires dienen könne. Der Schleier geht zwar zurück auf den Heiligen Paulus im 1. Korintherbrief, ist aber heute in der Kirche keine Vorschrift. Doch Emser ist überzeugt, dass "der Schleier ein Muss ist, er ist das i-Tüpfelchen. Ohne Schleier ist man eine halbe Braut".

Eine Braut wird von einer Verkäuferin beraten.

Bei der Brautkleidwahl sollte man sich in einem Fachgeschäft beraten lassen.

Der Trend für 2013 ist klar: Romantisch in Form von Korsage, Spitze und weiten Röcken – teils schlicht, teils pompös. "Aus Spitze und Seide sind eher die schlichteren Kleider gehalten. Aus Organza und Tüll hingegen eher die romantischen Kleider mit edlen Stickereien", erklärt die 63-Jährige. In puncto Farbe hat sich in den vergangenen Jahren hingegen kaum etwas geändert. "Ivory" oder auch "Elfenbein" genannt, ist nach wie vor der Renner.

Zum Einkaufen der Ware reist Emser weltweit in viele Länder und beobachtet den Markt. Doch einen Wunsch hätten alle Bräute gemeinsam: "Alle wollen die schönste Frau an diesem Tag für ihren Mann und Prinzessin sein". Eine amerikanische Firma hat diesen märchenhaften Wunsch aufgegriffen und eine Kollektion im Disney-Look entworfen. Wie Cinderellas Ballkleid funkeln die pompösen Brautkleider und sind über und über bestickt. Ein möglicher Trend, vermutet Emser. Deshalb gehört sie zu einem limitierten Kreis von Brautausstattern in Deutschland, die diese exklusiven Brautkleider anbieten. Die Preise für die einzelnen Brautkleider liegen bei Cecile zwischen 800 und 1.500 Euro – je nach Verarbeitung und Stoff.

Ein Modell im neonfarbenen Rüschenkleid auf dem Laufsteg.

Bei der Berliner Fashionweek im Sommer 2012 war das neonfarbene Bridal Couture-Kleid von Kaviar Gauche der Hingucker der Show.

Designerbrautmode auf der Fashionweek in Berlin

Beim international erfolgreichen Modelabel "Kaviar Gauche" hingegen kann ein "Bridal Couture"-Kleid bis zu 7.000 Euro kosten. Seit 2009 entwerfen die beiden Berliner Designerinnen Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl nicht nur glamouröse Mode im antagonistischen Modestil, sondern auch außergewöhnliche Brautkleider. Alle Kleider der jährlich wechselnden Bridal Kollektion werden in Berlin und zum Teil in Handarbeit gefertigt. Das Besondere zeichnet sich in den unkonventionellen Schnitten und hochwertigen Stoffen aus, aber auch in ihrer Vielseitigkeit. Viele der Couture-Kleider können auch ohne Hochzeitsfeier getragen werden. Prominente Kundinnen des Modelabels wie Heike Makatsch oder Karoline Herfurth tragen die Kleider sogar auf dem roten Teppich.

Perfekte Schuhe und Trendfrisuren

Zu jedem perfekten Kleid gehört auch der perfekte Schuh. Doch beim Kauf sollte die Braut darauf achten, dass er passgenau sitzt. Denn in ihnen muss stundenlang geheiratet, getanzt und gefeiert werden. Bei der Farbe hat die Braut die Wahl: Entweder sie findet Schuhe im genauen Farbton des Kleides oder sie kann Akzente setzen. Wer mutig ist, wählt vielleicht einen roten Schuh. Den kann die verheiratete Frau auch noch später tragen. Aber auch weiße Satinschuhe lassen sich später umfärben.

Die Haarstylisten André Märtens und Charlie Le Mindu.

Die Top-Friseure André Märtens (links) und Lady Gagas Stylist Charlie Le Mindu (rechts) waren auf der Fashionweek 2012 in Berlin im Einsatz.

Auch bei der Frisur kann die Braut Akzente setzen - zum Beispiel mit Haarschmuck. Doch "weniger ist mehr", gibt André Märtens, Friseur und Head-of-Hear für L’Oreal Professionnel auf der Fashionweek in Berlin zu bedenken. "Haarschmuck sollte nicht zu viel oder zu kleinteilig sein", warnt er. Zudem empfiehlt er einen Probetermin, an dem auch am besten das Kleid mitgebracht wird. Denn "wenn zum Beispiel das Kleid hochgeschlossen ist, kann man schwierig einen Dutt im Nacken stecken."

Wie bei den Brautkleidern variieren auch die Frisuren von Land zu Land. "In Indien zum Beispiel sind die Frisuren schon stark an Bollywood-Filme angelehnt. In Frankreich, England und Deutschland hingegen ähneln sich die Frisuren", sagt Märtens. In Japan wollen die Bräute wieder anders aussehen, da sei oft der Geisha-Look gewünscht.

Lady Gagas Stylist liebt den Fifties-Look

Charlie Le Mindu bevorzugt eher den klassischen Haar-Look bei Bräuten, auch wenn der gefragteste Friseur der Fashionszene durch skurrile Haarkreationen bekannt wurde. Der Stylist von Lady Gaga macht selten Brautfrisuren, aber hat so seine eigene Vorstellungen. "Ich habe mal was für Lady Gaga in Richtung Brautmode gemacht, das hat Spaß gemacht. Alles war natürlich in weiss gehalten. Aber bei Brautfrisuren bevorzuge ich den klassischen Style zum Beispiel mit offenen Haaren. Oder der fifties-Look gefällt mir bei Männern und Frauen sehr", erklärt Mindu.

Doch was nützt das perfekte Cinderella-Kleid und die schönste Frisur, wenn das Brautpaar vor Nervösität auf der Schwelle zur Kirchenpforte beinahe aus den Schuhen kippt. "Dann erst mal tief durchatmen, es kann nix schief gehen", beruhigt Pfarrer Waldmüller oft seine Brautleute. So oder so, ob mit kleinen "Schönheitsfehlern" oder nicht, bis zur Eisernen Hochzeit wird man den schönsten Tag im Leben bestimmt nicht vergessen.

Von Saskia Gamradt