Katholische Kirchengewänder auf Schneiderpuppen.
Liturgische Gewänder für Frauen sind rar

Modisches Schaulaufen

Das Blitzlichtgewitter ist den Models auf dem roten Teppich sicher - dennoch handelt es sich um eine Modenschau, die ohne High Heels und tiefe Einblicke auskommt. Die katholische Kirche in Hannover hat am Freitagabend eine Schau mit Gottesdienst-Gewändern für Frauen organisiert.

Hannover - 07.01.2015

Dabei hatte das Schaulaufen mit weiblicher Mode im Tagungshaus St. Clemens einen ernsthaften Hintergrund: Aufgrund des Priestermangels werden Laien und vor allem auch Frauen immer mehr in das Gemeindeleben eingebunden. Außerdem wollen die Frauen das kirchliche Leben auch stärker mitgestalten.

"Wir übernehmen immer mehr Verantwortung in der Kirche, als Wortgottesleiterin oder bei Beerdigungen", sagt Pastoralreferentin Ewa Karolchak. "Es ist selbstverständlich, dass wir Gewänder wollen, in denen wir uns wohlfühlen und die uns gut passen." Sie hoffe, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit in der Kirche erhalte. "Wir Frauen geben der katholischen Kirche ein weibliches Gesicht, eine weibliche Stimme."

Die Unterstützung von Propst Martin Tenge ist den Frauen auf jeden Fall sicher, schließlich strebt das Bistum Hildesheim eine gleichberechtigte Einbindung von Frauen - wenn auch nicht als Priester - an. "Ich hoffe, dass von hier heute ein Impuls gesendet wird, der über Hannover hinausgeht", sagt der Geistliche. Liturgische Kleidung signalisiere dem Gottesdienstbesucher, dass eine Person einen bestimmten Dienst ausübt. "Heute schauen wir mehr auf modische Aspekte, auch die Männer", sagt er zum Selbstverständnis der Hauptamtlichen und Laien in der katholischen Kirche.

Eigene Entwürfe sind gefragt

Anders als bei der Kleidung für Priester hat die für Frauen keine Tradition in der Kirche - eigene Entwürfe und Fantasie sind gefragt, wie Beate Cassau von der gleichnamigen Paramentenwerkstatt in Paderborn erklärt. "Die Frauen tragen gerne buntere Kleidung als Männer." Die bei der Modenschau präsentierten Modelle sind zumeist bodenlange Gewänder, oft aus hellem Stoff mit farblichen Einsätzen, Überwürfen oder Schals.

"Ich würde ja gerne, aber mein Pfarrer will das nicht", hätten Frauen vor Jahren noch oft gesagt, meint Cassau. "Das hört man heute nicht mehr." Wie Andreas Poschmann vom Deutschen Liturgischen Institut in Trier erklärt, sei anders als vor 25 Jahren die Bereitschaft der Hauptamtlichen in der Kirche gewachsen, auch den Laienhelfer einschließlich der Frauen liturgische Kleidung zuzugestehen. "Damit wird auch optisch sichtbar, es ist ein Handeln im Auftrag der Kirche." Es gehe nicht darum, sich als Kleriker zu verkleiden. "Es setzt sich immer stärker der Wunsch durch, ein Gewand zu tragen."

Vor zehn Jahren bereits organisierte das Institut einen Designerwettbewerb für Gottesdienstkleidung, insbesondere für Frauen. "Inzwischen haben sich einige professionelle Paramentenhersteller darauf spezialisiert", meint Poschmann. Oft ausgehend von der Albe, die wie ein Taufkleid aussieht, seien Modelle für Frauen entwickelt worden. "Es ist noch eine Suche, es gibt keine Festlegung."

Die Nachfrage ist stabil

"Der Wunsch nach liturgischer Kleidung für Frauen ist sicherlich mehr geworden in den letzten Jahren, aber es gibt keine Vorgaben, wie so etwas aussehen darf und muss", sagt der Inhaber des Paramentenhauses Wefers in Köln, Wolfgang Stracke. Am häufigsten würden Einsätze in grün, violett oder rot in bestehende Modelle von Gewändern eingearbeitet. Der führende Anbieter für Kirchenbedarf, die Firma Schreibmayr in München, hat Gottesdienstbekleidung für Frauen inzwischen ganz normal im Sortiment. "Wir haben das im Angebot", meint Inhaber Andreas Püttmann, die Nachfrage sei stabil.

Und warum bedient man sich nicht einfach schwesterlich bei der evangelischen Kirche, wo Frauen seit längerem bereits bis ins Bischofsamt die Geschicke mitbestimmen? Zu sehr hätten sich die Traditionen bei der Gottesdienstkleidung auseinanderentwickelt, meint Kirchensprecherin Annedore Beelte. Die schwarzen Talare der Protestanten könnten zwar gut auf Frauen zugeschnitten werden, entsprächen aber nicht den Bedürfnissen der Katholiken.

Von Michael Evers (dpa)