Der heilige Georg
Bischof Georg Bätzing über seinen Namenspatron

Mutig sein wie der heilige Georg

Der heilige Georg steht wie kein zweiter Heiliger für Tapferkeit und Engagement. In einem Gastbeitrag schreibt Bischof Georg Bätzing, welche Botschaft sein Namenspatron für heutige Christen bereit hält.

Von Georg Bätzing |  Bonn - 23.04.2018

Georg ist mein Namenspatron. Er ist auch der Patron des Bistums Limburg und des Limburger Doms. Das passt gut zusammen und ich werde täglich an den heiligen Georg erinnert. Wirklich viel wissen wir nicht über ihn. Seine Erwähnung in der Kirchengeschichte des Eusebius in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts fällt sehr knapp aus. Georg soll während der Christenverfolgung unter Diokletian am 23. April 303 getötet worden sein. In Lod, ganz in der Nähe von Tel Aviv, wird später sein Grab erwähnt und verehrt. Seine Heimat war Zentralanatolien, Kappadokien, mitten in der heutigen Türkei.

Vor allem das Mittelalter hat die Figur des Georg gezeichnet und damit unser Bild geprägt. Georg ist ritterlich. Er setzt sich für die verfolgten Christen ein und wird selbst gefoltert. Die Legende von der Rettung der jungfräulichen Königstocher vor der Bestie, die Georg tötet, um die junge Frau zu befreien, ähnelt manchen Rittermärchen aus dieser Zeit: Mutig, gläubig, im Verzicht auf persönlichen Reichtum und Ehre begaben sie sich in den Kampf.

Das Fresko im Limburger Dom zeigt den heiligen Georg.

Im Limburger Dom gibt es ein Fresko aus dem 13. Jahrhundert, das Georg als jugendlichen Ritter zeugt. Er ähnelt stark den Darstellungen des auferstandenen Jesus. Häufig wird er mit Siegesfahne, der Standarte, und mit dem Kreuz dargestellt. Das stützt meine persönliche Deutung der Gestalt meines Namenspatrons, die mir irgendwann aufgegangen ist: Georg, "der Erd-be-arbeiter", wie der Name aus dem Griechischen genau übersetzt lautet, ist für mich eine typologische Gestalt. Bild des Urbildes Christus, ein "alter Christus", wie es im Lateinischen heißt, ein idealer Christ.

Er gleicht seinem Herrn. Er trägt die Züge dessen, der bereit ist, den Kampf für das Gute aufzunehmen. Mutig steht er da, den Glauben zu bezeugen. Georg, das ist einer, der es mit dem Glauben und der Taufe ernst meint; der Einsatz zeigt; der bereit ist, sich als Bekenner Blessuren und Wunden zu holen, belächelt zu werden und manchem Kopfschütteln ausgesetzt zu sein. Ein Mutmacher ist er für uns alle.

Bild: © katholisch.de

Georg Bätzing ist Bischof von Limburg.

Gibt es denn für uns Christen heute überhaupt etwas zu kämpfen? Steht etwas auf dem Spiel, wenn wir uns nicht einsetzen? Ist es nicht überzogen, wenn wir behaupten, bei der Entscheidung für oder gegen den Glauben gehe es um Leben und Tod? Ich finde, nein, es ist nicht übertrieben. Wer heute glaubt, der steht mitten in Auseinandersetzungen. Wer Ostern feiert, der findet sich wieder in einer Welt voller Gewalt und Konflikte, aus denen er sich nicht heraushalten kann; der erkennt, wie bedroht das Leben vieler Menschen und die Freiheit des Glaubens heute ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es uns Christen heute gut zu Gesicht stehe, als „Erd-be-arbeiter“ aufzutreten, zu ackern, zu pflügen, zu säen, zu pflanzen und zu jäten, damit das Gute seine Chance bekommt.

Von Georg Bätzing