Myanmar: Miliz vertreibt Christen aus der Öffentlichkeit
Bild: © Kirche in Not
Glaube darf nur noch in Privathäusern praktiziert werden

Myanmar: Miliz vertreibt Christen aus der Öffentlichkeit

Im Osten Myanmars ist die christliche Minderheit in Bedrängnis: Milizen zerstören Kirchen und wollen Christen davon abhalten, in der Öffentlichkeit ihren Glauben zu bekennen. Dahinter steckt eine Zehntausende starke Miliz.

Bonn - 11.10.2018

In Myanmar werden Christen von bewaffneten Milizen gezwungen, ihren Glauben nur noch in Privathäusern zu praktizieren. Die "United Wa State Army" (UWSA) hat im östlichen Verwaltungsbereich Shan-Staat an der Grenze zu China mehrere Dutzend Christen festgesetzt und verlangt Verpflichtungserklärungen, künftig auf die Religionsausübung in der Öffentlichkeit und in Kirchen zu verzichten. Etwa 100 Christen hätten die Erklärung bereits unterschrieben, 92 weitere seien noch im Gewahrsam der UWSA, teilte der Generalsekretär der Baptistengemeinde der Lahu-Minderheit gegenüber UCANews mit.

Nach Informationen der britischen Zeitung "Christian Today" seien die von der UWSA festgenommenen Christen vor allem Gemeindeleiter und Studenten. Die Studenten sollen zum Dienst in der Miliz verpflichtet werden.

Mehrere Kirchen geschlossen und zerstört

Außerdem seien 52 Kirchen geschlossen und christliche Symbole entfernt, drei Gotteshäuser seien zerstört sowie mehrere christliche Schulen geschlossen worden. Im September hatte die Miliz angekündigt, alle nach 1992 gebauten Kirchen zu schließen oder zu zerstören, da sie ohne Genehmigung der UWSA gebaut worden seien.

Die UWSA ist der bewaffnete Arm der United Wa State Party und gilt als eine der am stärksten bewaffneten Milizen in Myanmar. Etwa 20.000 bis 30.000 Soldaten gehören zu der Organisation, die aus einer Spaltung der kommunistischen Partei Burmas hervorgegangen ist. Sie kämpfen für die politischen Rechte der Wa-Minderheit, der zwischen 600.000 und 1 Million Menschen in Myanmar angehören. Diese leben vor allem in der halbautonomen Region Sha-Staat, wo es immer wieder zu Spannungen mit der Zentralregierung kommt.

Die Bevölkerung Myanmars ist mehrheitlich buddhistisch, etwa neun Prozent der Einwohner sind Christen. In jüngerer Zeit war das Land aufgrund der gewalttätigen Unterdrückung der muslimischen Rohingya-Minderheit in den Schlagzeilen. Papst Franziskus hatte sich bei seiner Asien-Reise im Dezember 2017 mit Vertretern der vom Staat offiziell nicht anerkannten Minderheit getroffen und ihnen seine Solidarität zugesichert. (fxn)