Die katholische Pfarrkirche St. Marien in Fröndenberg
kfd zeigt sich solidarisch mit Norbert Wohlgemuth

Nach Pfarrer-Rücktritt: Protest in Fröndenberg

Ende Juli hatte Norbert Wohlgemuth sein Amt als Pfarrer im sauerländischen Fröndenberg niedergelegt. Begründung: Er sei enttäuscht von der Reformunfähigkeit der Kirche. Nun demonstrierten die Pfarreimitglieder – auch aus Solidarität mit Wohlgemuth.

Fröndenberg - 12.08.2019

Nach dem Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth haben am Sonntag über 100 Personen im sauerländischen Fröndenberg für Reformen in der Kirche demonstriert. Die Gläubigen kamen vor der Sonntagsmesse auf dem Kirchplatz zusammen und forderten auf Plakaten unter anderem eine "menschliche Kirche", berichteten mehrere Medien. Die Protestaktion wurde vom Ortsverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) initiiert. Im Anschluss zogen die Teilnehmer in die St.-Marien-Kirche ein, um den Sonntagsgottesdienst zu feiern.

Mit so vielen Leuten hätten die Organisatoren nicht gerechnet, sagte Hildegard Pielken vom Leitungsteam der kfd Fröndenberg. Aus allen Teilen Deutschlands habe es Zuspruch gegeben. Die Demonstranten wollten ein Zeichen setzen für "eine menschliche Kirche für alle", so Pielken. "Es ist eine Demo, um die Kirche endlich mal wachzurütteln und umzugestalten."

Bild: © Privat

Der Priester Norbert Wohlgemuth bat Ende Juli um seine Freistellung als Pfarrer im sauerländischen Fronenberg.

Die Demonstration sollte auch ein Ausdruck der Solidarität der Gläubigen mit Pfarrer Wohlgemuth sein. Dieser hatte Ende Juli sein Amt als Pfarrer niedergelegt. Er hatte beim Erzbistum Paderborn um Freistellung gebeten und das mit unter anderem mit Kritik an Kirchenstrukturen begründet. Wohlgemuth warf der Leitung des Erzbistums zudem vor, ihm eine zugesicherte Auszeit aus formalen Gründen nicht gewährt zu haben. Der Priester leidet laut eigenen Angaben seit Jahren an Erschöpfung und Depressionen. Das Erzbistum Paderborn zeigte sich irritiert von Wohlgemuths Äußerungen. In einer Stellungnahme hieß es, es sei gängige Praxis, Priestern auf Wunsch und nach persönlicher Absprache geistliche Auszeiten zu gewähren. Auch Wohlgemuth sei eine solche Auszeit gewährt worden.

Auch Vertreter des Erzbistums Paderborn waren am Sonntag in Fröndenberg anwesend. Thomas Wendland, Chef des Krisenmanagements, kündigte dabei ein Gespräch zwischen den kfd-Frauen und Andreas Kurte, dem Personalchef des Erzbistums, an. Der Rücktritt von Pfarrer Wohlgemuth in Paderborn lasse niemanden kalt. "Die Fragen drängen", gestand Wendland ein. Pressesprecher Benjamin Krysmann erklärte, dass die Pfarrei "auf jeden Fall wiederbesetzt" wird. "Das ist tatsächlich schon entschieden. Fröndenberg ist zu wichtig, um unbesetzt zu bleiben." Beide wollten ihre gewonnenen Eindrücke von der Situation in der Pfarrei unverzüglich an Kurte melden, der in engem Kontakt mit Erzbischof Heinz-Josef Becker stehe. (mal)