SPD-Politikerin Andrea Nahles
"Ich kämpfe seit vielen Jahren für den Diakonat der Frauen"

Nahles erstmals wieder öffentlich aufgetreten – im Kloster Maria Laach

Im Juni trat Andrea Nahles von ihren Spitzenämtern in der SPD zurück – und tauchte ab. Nun trat sie erstmals wieder öffentlich auf: Bei den Benediktinern in der Abtei Maria Laach sprach sie über mangelnde Gleichberechtigung – auch in der katholischen Kirche.

Glees - 13.08.2019

Rund zwei Monate nach ihrem Rücktritt als SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende ist Andrea Nahles erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Bei einem Vortrag in der Benediktinerabtei Maria Laach in Rheinland-Pfalz zum Thema Gleichberechtigung sagte Nahles am Montagabend: "Das 'Projekt Männer und Frauen sind gleichberechtigt' ist keinesfalls abgeschlossen."

Das gelte beispielsweise für den Bundestag, wo es in der vergangenen Legislaturperiode 36 Prozent Frauenanteil bei den Abgeordneten gegeben habe. Im aktuellen Bundestag seien es nur noch 30 Prozent. Dieser Rückgang habe "ausschließlich" damit zu tun, dass die AfD und die FDP neu in den Bundestag gekommen seien - mit einem "extrem niedrigen Frauenanteil unter 18 Prozent". Die CDU/CSU sei nun unter 20 Prozent Frauenanteil bei den Abgeordneten gefallen.

"Es geht wieder rückwärts", beklagte Nahles. Es gebe "einen Rollback", der ihr Sorgen mache. Den sinkenden Frauenanteil bei den Abgeordneten der anderen Parteien "kompensierten" nur Grüne, Linke und SPD, weil es hier eine Quote bei der Aufstellung gebe. Nahles sprach im Rahmen der Vortragsreihe "Laacher Forum" über das Thema: "Die Gleichberechtigung von Mann und Frau laut Grundgesetz und im wahren Leben."

Wird Nahles auch ihr Bundestagsmandat niederlegen?

Die 49-Jährige trat Anfang Juni als Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD zurück. Zuvor war sie wegen des historisch schlechten Ergebnisses der SPD bei der Europawahl 2019 stark unter Druck geraten. Die Katholikin stand als erste Frau an der SPD-Spitze und ist zudem Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte nach der Rücktrittsankündigung die Arbeit von Nahles gewürdigt: "Gerade heute möchte ich Andrea Nahles meinen Respekt und meine Wertschätzung aussprechen." Sie habe "in schwerer Zeit Verantwortung übernommen und als erste Frau die traditionsreiche SPD geführt".

Laut "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erwägt sie nun Anfang September auch ihr Bundestagsmandat niederzulegen. Als sie am Ende einer Fragerunde nach ihrem Vortrag darauf angesprochen wurde, sagte Nahles: "Ich bin froh, dass die Frage jetzt erst kommt." Dann fügte sie hinzu, eine Antwort darauf werde "in absehbarer Zeit" erfolgen. Zu ihrem Rücktritt als SPD-Chefin äußerte sie sich am Montagabend nicht.

Zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche sagte Nahles: "Ich kämpfe seit vielen Jahren für den Diakonat der Frauen." Sie glaube auch, "dass das erreichbar ist zu meinen Lebzeiten", so Nahles. Das Kloster Maria Laach liegt unweit von Nahles' Wohnort in der Eifel. Lange Zeit hatte sie sich regelmäßig eine Woche im Jahr ins Kloster zurückgezogen. Ihr christlicher Glaube - so schrieb sie einmal in einem Buchbeitrag - helfe ihr, die Orientierung nicht zu verlieren. "Ich finde im Glauben die Energie, um selbst aktiv zu werden und die Schwierigkeiten, die vor mir liegen, anzugehen." (tmg/KNA)