Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Schwester Veronica Krienen über das Sonntagsevangelium

Nahrung für das Herz

"Ihr sucht mich nur, weil ihr von den Broten satt geworden seid", wirft Jesus den Leuten vor, die ihm folgen. Wenn er sagt "Ich bin das Brot des Lebens", möchte er Nahrung für unser Herz, meint Schwester Veronica Krienen.

Von Sr. Veronica Krienen OSB |  Bonn - 04.08.2018

ausgelegt autor krienen

Impuls von Schwester Veronica Krienen

Na, das ist doch wohl mehr als verständlich! Wer gesehen hat, wie Jesus mal eben 5.000 Leute satt macht, der wird neugierig. Ein echtes Wunder! – ist doch klar, da will man hin, davon will man mehr sehen, Grund genug, ihm hinterherzulaufen. Die Leute suchen Jesus – und das ist kein Wunder! Erstaunlich ist: Jesus ist damit nicht zufrieden: "Ihr sucht mich nur, weil…" - ihm reicht das nicht als innerster Grund. Schon letzten Sonntag hat er deutlich gemacht, dass er nicht als Brotkönig herhalten will. Er will mehr. Sein Brotwunder soll für dieses Mehr ein Zeichen sein.

Sind auch wir gemeint, warum suchen wir Jesus? Warum sind wir Christen, warum gehen wir zur Kirche, warum eigentlich? Alle müssen sich das von Jesus fragen lassen und auch sich selbst fragen. Sogar seine Eltern mussten das hören, denn die erste Frage des erst 12-jährigen Jesus an sie lautete: "Warum habt ihr mich gesucht?" (Lk 2,49). Die Antworten mögen so verschieden sein wie die Menschen, welche wollen wir geben? Ob er auch uns sagen würde: "Ihr sucht mich nur, weil ihr satt geworden seid"?

Was Jesus uns anbietet ist deutlich mehr als ein Brotwunder, mehr als Sattwerden für heute. Jesus will Nahrung sein für unser Herz, nicht für den Magen. Wenn er sagt "ich bin das Brot des Lebens", dann geht es ihm nicht um den alltäglichen Appetit sondern um Lebenshunger. "Ich bin es", heißt, Jesus bietet sich als Person an, er bietet eine Beziehung, die Lebensquelle sein kann – jetzt und über den Tod hinaus. Die Beziehung zu ihm nährt und stärkt, erfrischt und inspiriert. Sie ist eine Beziehung, die dem Leben Sinn gibt und unser kleines Leben weitet auf den großen Horizont Gottes hin. "Ich bin es", sagt Jesus und will ein DU sein - einer, der mit durchs Leben geht.

In seinen Wundern hat Jesus uns ganz konkret und lebensnah gezeigt, wie es aussehen kann, wenn wir uns auf dieses Beziehungsangebot einlassen. Vom ihm inspiriert können wir helfen, dass sein Reich unter uns anbricht. Für Brot, für Frieden, dafür, dass Fremde nicht ausgegrenzt, sondern gut versorgt werden, brauchen wir ihn nicht als Brotkönig, dafür will er von uns nicht zuständig gemacht werden, denn das liegt im Bereich unserer eigenen Möglichkeiten. Eine Verantwortung, der wir uns für unseren kleinen Lebenskreis stellen können, wenn wir sein Angebot annehmen und aus ihm und mit ihm verbunden leben.

Von Sr. Veronica Krienen OSB

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6, 24-35)

In jener Zeit als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.

Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.

Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?

Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du?

Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.

Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!

Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Die Autorin

Sr. Veronica Krienen OSB lebt als Benediktinerin in Köln. Die Psychologin arbeitet im Edith-Stein-Exerzitienhaus und in der Ausbildung des Ordensnachwuchses.

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