Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sitzen am 23.11.2012 auf der Herbstversammlung des Zdk in Bonn-
Katholikenkomitee veröffentlicht Stellungnahme zu Ehe und Familie

Neue Sexualmoral gefordert

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert Änderungen in der katholischen Sexualmoral. Das teilte das Laiengremium am Montag anlässlich der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie im Oktober 2014 in einer Stellungnahme mit. Weiteren Handlungsbedarf sieht das ZdK bei der Ehe- und Familienpastoral, dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, der Anerkennung homosexueller Partnerschaften sowie der Gleichstellung von Frauen.

Bonn - 16.12.2013

Von der katholischen Sexualmoral erwartet das ZdK laut Stellungnahme, "dass sie die personale Liebe in der Beziehung zwischen zwei Partnern in den Mittelpunkt stellt". Dazu gehöre auch die Sexualität. Nur so werde es möglich, der wachsenden Trivialisierung und Instrumentalisierung menschlicher Sexualität zu begegnen. Nicht zuletzt sei eine aufgeklärte, beziehungsorientierte und lebensfreundliche Sexualmoral ein wichtiger Beitrag, um sexueller Gewalt - besonders gegen Kinder und Jugendliche - Einhalt zu gebieten.

Das Katholikenkomitee behauptet in seiner Stellungnahme zudem, dass die Ehe zwar der beste, aber bei weitem nicht der einzige Weg sei, "Familie verantwortlich zu leben". Auch in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft , die auf Dauer und wechselseitige Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung angelegt sei, würden Werte wie in einer Ehe verwirklicht. Die Ungleichbehandlungen von Ehe und Lebenspartnerschaft sollten daher nicht aufrechterhalten werden, heißt es weiter. Das dürfe jedoch nicht auf eine völlige Nivellierung und Gleichsetzung hinauslaufen, da nur die Verbindung von Mann und Frau "aus sich heraus generatives Potential" habe.

Ein homosexuelles Paar in seiner Wohnung

Ein homosexuelles Paar in seiner Wohnung

Größte Diskrepanz bei Wiederverheirateten

Weiter erinnert das ZdK daran, dass viele zivilrechtlich geschiedene und wiederverheiratete Gläubige darunter litten, "aus zentralen Bereichen der kirchlichen Gemeinschaft und insbesondere vom Empfang der Heiligen Kommunion ausgeschlossen" zu sein. Hier werde die große Diskrepanz zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit der Gläubigen besonders deutlich. Das oberste katholische Laiengremium fordert daher "mehr Sensibilität und Barmherzigkeit". Dies betreffe auch die Suche nach liturgischen Formen, die sowohl den Schmerz der Trennung als auch Freude und Hoffnung einer zweiten Partnerschaft vor Gott bringen können.

Die außerordentliche Bischofssynode, die vom 5. bis 19. Oktober 2014 im Vatikan stattfindet, steht unter dem Thema "Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung". Um sich über das Verhältnis der Gläubigen zu Ehe, Familie und Sexualität zu informieren, verschickte der Vatikan vor einigen Wochen einen entsprechenden Fragebogen an die Ortskirchen. In der Erzdiözese Köln offenbarte die Auswertung des Fragebogens eine große Diskrepanz zwischen der katholischen Lehre und der Lebenswirklichkeit der Menschen. (bod)