Der aufwendige Neubau des Bischofshauses auf dem Areal der alten Vikarie gegenüber dem Limburger Dom sorgt bis heute für Diskussionen in den Medien.
Bistum will sein Vermögen offenlegen

Neue Transparenz

Nach dem Skandal um den neuen Bischofssitz will das Bistum Limburg am Freitag sein Vermögen offenlegen. Veröffentlicht werden sollen die Daten der drei Körperschaften "Bistum", "Domkapitel" und "Bischöflicher Stuhl" sowie die Daten einer bistumseigenen Schulstiftung.

Bonn - 18.07.2014

Damit beschreite Limburg neue Wege, meint der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller . Es handele sich um die erste Diözese, die eine Offenlegung in diesem Umfang vorhabe, sagte der Münsteraner Theologe der Nachrichtenagentur dpa: "Das hat noch keine Landeskirche und kein Bistum gemacht."

Teure Bischofsresidenz

Freilich erfolgt die Transparenz-Initiative nicht ohne Grund: Bis zum Rücktritt Franz-Peter Tebartz-van Elsts im März dieses Jahres litt das Bistum mehrere Monate unter einem immer größer werdenden Skandal rund um Amtsführung und Finanzgebahren des damaligen Bischofs.

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Video: © katholisch.de

Die beiden Männer, die das Bistum Limburg übergangsweise leiten, über ihre Aufgaben.

Im Zentrum: Die neue Residenz, die schon zu Beginn der Planungen umstritten war. Ahnungen, dass der Bau deutlich meehr Geld als vorgesehen verschlingt, wurden im vergangenen Oktober zur Gewissheit: Mehr als 30 Millionen Euro sind es, auch weil der Bischof kostentreibende Wünsche wie die Neugestaltung eines Gartens oder spezielle Lichtschalter hatte. Ursprünglich war ein einstelliger Millionenbetrag für den Neubau des "Diözesanen Zentrum Sankt Nikolaus" eingeplant gewesen.

Kontrollgremien übergangen

Doch auch gegen den Führungsstil des Bischofs, der einst als Hoffnungsträger an die Lahn gekommen war, hatte sich Widerstand geregt. Schon im August des vergangenen Jahres formulierten Priester der Diözese einen offenen Brief , in dem sie mit deutlichen Worten einen Kurswechsel anmahnten: "Mit großer Sorge sehen wir, dass sich die Vertrauenskrise im Bistum Limburg immer weiter zuspitzt", hieß es darin. Später war mehrfach von einem Klima der Angst die Rede, das im Bistum herrsche.

Zur Aufklärung setzte die Deutsche Bischofskonferenz eine Expertenkommission ein, die monatelang die Vorgänge rund um das Bauprojekt unter die Lupe nahm. Demnach umging Tebartz-van Elst kirchliche Vorschriften und überging Kontrollgremien. Zudem wurden Beteiligte zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Experten sahen aber auch schwere Fehler und Versäumnisse beim Domkapitel sowie dem Vermögensverwaltungsrat.

Als Reaktion auf den Skandal hatte der Limburger Finanzdezernent Gordon Sobbeck bereits Ende Dezember angekündigt : "Wir wollen das Vermögen, aber auch die Verpflichtungen vollständig transparent machen." Es gehe "nicht um das Ob, sondern nur noch um das Wann und Wie". Damals betonte Sobbeck, das Bistum Limburg habe "keine geheimen Kassen, keine geheimen Haushalte".

Die Deutsche Bischofskonferenz kündigte im März an, sich für mehr Transparenz bei den Kirchenfinanzen einsetzen zu wollen. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere andere Diözese n wie etwa das Erzbistum Köln Vermögenswerte veröffentlicht.

Dabei sei es jedoch meist nur um Teilaspekte gegangen, erklärte Thomas Schüller der dpa. Das Vorhaben der Limburger sei der richtige Schritt: "Limburg hat aus seiner tiefen Krise heraus sehr schnell gelernt", so Schüller, der den früheren Bischof Tebartz-van Elst mehrfach deutlich kritisiert hatte.

Angst vor dem Tebartz-Effekt

Die Offenlegung der Limburger Finanzen erfolgt an einem auch aus anderer Sicht besonderen Datum: Am Freitag legt die katholische Kirche in Deutschland auch die aktuellen Kirchenaustrittszahlen vor – nicht wenige fürchten einen negativen "Tebartz-Effekt". (gho/dpa)