Normalisierung nach langen Konflikten
Verhältnis von Staat und Kirche in Mexiko entspannt sich

Normalisierung nach langen Konflikten

Papst Franziskus besucht Mitte Februar Mexiko, das zweitgrößte katholische Land der Erde. Das Verhältnnis zwischen Staat und Kirche war lange ambivalent. An der Spitze Mexikos standen über 120 Jahre meist militante Atheisten oder Agnostiker.

Von Thomas Jansen (KNA) |  Rom - 10.02.2016

Ein "Gottesdienststreik" und ein anschließender Bürgerkrieg von 1926 bis 1929 bildeten einen der Höhepunkte in dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen dem von einem aggressiven Antiklerikalismus geprägten mexikanischen Staat und der katholischen Kirche. Aus Protest gegen kirchenfeindliche Maßnahmen der Regierung ordneten die Bischöfe 1926 die Aussetzung der Gottesdienste an. Daraufhin griffen Tausende Katholiken zu den Waffen, um die Regierung zu stürzen.

Nach verlustreichen Kämpfen endete der sogenannte "Bürgerkrieg der Cristeros" 1929 mit einem Kompromiss: Die Kirche erhielt die eingezogenen Kirchengebäude und Pfarrhäuser zurück, und den Aufständischen wurde Amnestie zugesichert. Tiefe Wunden hatte zuvor schon die Revolution (1910-1917) hinterlassen, in deren Verlauf etliche Priester ermordet wurden.

Wie dramatisch die Lage der Kirche in Mexiko in den 1920er und 1930er Jahren war, belegen nicht zuletzt die drei Enzykliken, in denen Papst Pius XI. Gewalt gegen Priester und die Unterdrückung der katholischen Kirche dort anprangerte. Die erste wurde 1926 veröffentlicht, die letzte, "Nos es muy conocida" ("Sie ist uns wohlbekannt"), im März 1937 - nur sechs Tage nach dem berühmten Schreiben "Mit brennender Sorge" gegen den Rassenwahn der Nationalsozialisten.

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Video: © Adveniat

Adveniat berichtet aus Mexiko von der Arbeit des Pfarrers Jose Sanchez. Er möchte mit Mikrokrediten den Menschen in Mexiko helfen und favorisiert die Idee von kleinen Basisgemeinden.

"Ich bin gläubig". Mit diesem schlichten Bekenntnis des mexikanischen Präsidenten Avila Camacho in einem Interview kündigte sich drei Jahre später eine Entspannung im Verhältnis zwischen Staat und Kirche an. Es war das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass sich ein Staatsoberhaupt als gläubig bezeichnete.

Besuch von Papst Johannes Paul II. bringt Wende

Der erste Besuch von Johannes Paul II. 1979 brachte schließlich eine Wende im Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Der junge Papst aus Polen mobilisierte Hunderttausende Mexikaner; die Reise geriet zum Triumphzug für den Katholizismus - nachdem die mexikanische Regierung zunächst noch Priestern im Gewand die Teilnahme an den Veranstaltungen untersagen wollte.

In den folgenden Jahren trat die Kirche zunehmend selbstbewusster auf, begann das autoritäre politische System infrage zu stellen und nahm verstärkt zu sozialen Fragen Stellung. Für Schlagzeilen sorgte in den 1990er Jahren die Vermittlung von Bischof Samuel Ruiz Garcia nach dem sogenannten Zapatisten-Aufstand, als bewaffnete Angehörige verarmter indianischer Volksgruppen und ihre militanten linken Sympathisanten 1994 die Stadt San Cristobal de Las Casas im Bundesstaat Chiapas besetzten.

Themenseite: Papstreisen

Als Oberhaupt der katholischen Kirche absolviert Papst Franziskus regelmäßig Reisen innerhalb Italiens und in andere Länder. Diese Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Reisen des Heiligen Vaters.

Eine Verfassungsreform führte 1992 zu einer weiteren Normalisierung der Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Erstmals seit ihrer Verbannung aus dem öffentlichen Leben vor 75 Jahren erhielt die katholische Kirche den Status einer Rechtspersönlichkeit. Im gleichen Jahr nahm Mexiko diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl auf.

Aufschrei durch die politischen Parteien

Auch nach dem Ende der jahrzehntelangen Herrschaft der "Partei der Institutionellen Revolution" (PRI) und den demokratischen Wahlen im Jahr 2000 blieb das Verhältnis heikel. Als Präsident Vicente Fox von der konservativen Partei PAN im Juli 2002 Johannes Paul II. (1978-2005) bei seinem letzten Besuch in Mexiko zur Begrüßung den Fischerring küsste, ging ein Aufschrei durch die politischen Parteien.

Nun kommt mit Franziskus erstmals ein Lateinamerikaner als Petrus-Nachfolger. Begrüßt wird er von einem Präsidenten der einst stramm antiklerikalen PRI, dem jugendlich wirkenden Enrique Pena Nieto. Dessen Gattin, die TV-Schauspielerin Angelica Rivera, war schon einmal - ungültig - verheiratet. Ihre erste Ehe mit einem Filmproduzenten wurde nicht nur zivil geschieden, sondern auch kirchlich offiziell für nichtig erklärt - wegen schwerwiegender Formfehler.

Das Programm der Papstreise nach Mexiko

Papst Franziskus besucht vom 12. bis 18. Februar Mexiko. Katholisch.de dokumentiert das vatikanische Reiseprogramm. Alle Angaben in Ortszeit sowie (in Klammern) in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ).

Freitag, 12. Februar

  • 7.45 Uhr: Abflug vom Flughafen Rom-Fiumicino
  • 14.00 Uhr (20.00 Uhr): Ankunft auf dem Flughafen "Jose Marti" von Havanna
  • 14.15 Uhr (20.15 Uhr): Privates Treffen von Papst Franziskus mit Patriarch Kyrill I.
  • 16.30 Uhr (22.30 Uhr): Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung. Rede von Papst Franziskus und Rede von Patriarch Kyrill I.
  • 17:10 Uhr (23.10 Uhr): Verabschiedung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I.
  • 17.30 Uhr (23.30 Uhr): Abflug nach Mexiko-Stadt
  • 19.30 Uhr (2.30 Uhr): Ankunft auf dem Internationalen Flughafen "Benito Juarez" von Mexiko-Stadt
    Offizielle Begrüßung

Samstag, 13. Februar

  • 9.30 Uhr (16.30 Uhr): Begrüßungszeremonie im Nationalpalast
    Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik
  • 10.15 Uhr (17.15 Uhr): Treffen mit den Autoritäten der Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Corps
  • 11.30 Uhr (18.30 Uhr): Treffen mit den Bischöfen Mexikos in der Kathedrale
  • 17.00 Uhr (1.00 Uhr): Heilige Messe in der Basilika von Guadalupe

Sonntag, 14. Februar

  • 9.20 Uhr (16.20 Uhr): Hubschrauberflug nach Ecatepec
  • 10.30 Uhr (17.30 Uhr): Heilige Messe auf dem Gelände des Studienzentrums von Ecatepec
  • 12.50 Uhr (19.50 Uhr): Hubschrauberflug nach Mexiko-Stadt
  • 13.10 Uhr (20.10 Uhr): Ankunft in Mexiko-Stadt
  • 16.30 Uhr (23.30 Uhr): Besuch des Kinderkrankenhauses "Federico Gomez"
  • 18.00 Uhr (1.00 Uhr): Treffen mit der Welt der Kultur im nationalen Auditorium

Montag, 15. Februar

  • 7.30 Uhr (14.30 Uhr): Abflug nach Tuxtla Gutierrez
  • 9.15 Uhr (16.15 Uhr): Hubschrauberflug nach San Cristobal de Las Casas
  • 10.15 Uhr (17.15 Uhr): Heilige Messe mit den indigenen Gemeinschaften von Chiapas im städtischen Sportzentrum
  • 13.00 Uhr (20.00 Uhr): Mittagessen mit Vertretern der indigenen Bevölkerung und dem päpstlichen Gefolge
  • 15.00 Uhr (22.00 Uhr): Besuch der Kathedrale von San Cristobal del las Casas
  • 15.35 Uhr (22.35 Uhr): Hubschrauberflug nach Tuxtla Gutierrez
  • 16.15 Uhr (23.15 Uhr): Treffen mit Familien im Stadion "Victor Manuel Reyna" in Tuxtla Gutierrez
  • 18.10 Uhr (1.10 Uhr): Abflug nach Mexiko-Stadt
  • 20.00 Uhr (3.00 Uhr): Ankunft auf dem Flughafen von Mexiko-Stadt

Dienstag, 16. Februar

  • 7.50 Uhr (14.50 Uhr): Abflug nach Morelia
  • 10.00 Uhr (17.00 Uhr): Heilige Messe mit Priestern, Ordensleuten, Geweihten und Seminaristen
  • 15.15 Uhr (22.15 Uhr) Besuch der Kathedrale
  • 16.30 Uhr (23.30 Uhr): Treffen mit Jugendlichen im Stadion "Jose Maria Morelos y Pavon"
  • 18.55 Uhr (1.55 Uhr): Abflug nach Mexiko-Stadt
  • 20.00 Uhr (3.00 Uhr): Ankunft in Mexiko-Stadt

Mittwoch, 17. Februar

  • 8.35 Uhr (15.35 Uhr): Abflug nach Ciudad Juarez
  • 10.00 Uhr (18.00 Uhr): Ankunft auf dem Internationalen Flughafen "Abraham Gonzalez" von Ciudad Juarez
  • 10.30 Uhr (18.30 Uhr): Besuch der Haftanstalt
  • 12.00 Uhr (20.00 Uhr): Treffen mit der Welt der Arbeit im Kolleg von Bachilleres im Bundesstaat Chihuahua
  • 16.00 Uhr (24.00): Heilige Messe auf dem Messegelände von Ciudad Juarez
  • 19.00 Uhr (3.00 Uhr): Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen von Ciudad Juarez
  • 19.15 Uhr (3.15 Uhr): Abflug nach Rom-Ciampino

Donnerstag, 18. Februar

  • 14.45 Uhr: Ankunft auf dem Flughafen Rom-Ciampino

Von Thomas Jansen (KNA)