Ohrfeige für die Franziskus-Fraktion?
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US-Bischöfe beklagen Spaltung der Gesellschaft

Ohrfeige für die Franziskus-Fraktion?

Die US-Bischöfe haben bei ihrer Herbstversammlung die Spaltung in der Gesellschaft beklagt - und einen wichtigen Posten neu besetzt: Diese Personalie ist eine Ohrfeige für die Franziskus-Fraktion.

Von Thomas Spang (KNA) |  Baltimore - 15.11.2017

"Wir leben in einer Zeit, die gespaltener ist denn je." Die Diagnose des Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz der USA, Kardinal Daniel DiNardo, klang sorgenvoll. In Donald Trumps Amerika fehle es an Freundlichkeit und Respekt, sagte DiNardo bei der Vollversammlung der USCCB. Es sei Aufgabe der Kirche, dem etwas entgegenzusetzen.

Das gelang über weite Strecken der am Dienstagabend zu Ende gegangenen Beratungen der Bischöfe in Baltimore recht gut. In deren Zentrum standen Themen von der Abtreibung über die Einwanderung bis hin zu Gesundheit, Rassismus und Waffengewalt. Ein spürbar breiteres Spektrum als das, was in der Vergangenheit auf der Tagesordnung stand. Aber es gibt auch Differenzen und Polarisierungen in den Reihen der Bischöfe, die trotz des insgesamt rücksichtsvollen Tons nicht zu übersehen waren. Sie ließen sich an einer mit Spannung erwarteten Personalentscheidung ablesen, die am zweiten und letzten Tag der Herbsttagung fiel: Dabei ging es um die Besetzung des symbolisch und inhaltlich wichtigen Postens des Vorsitzes im Lebensschutz-Komitee der Bischöfe. Die Konferenz brach mit einer über vier Jahrzehnte bestehenden Tradition, indem sie erstmals keinen Kardinal an die Spitze wählte.

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Während der Papst in seiner Enzyklika "Laudato si" Klimaschutz gefordert hatte, scheint Donald Trump die Umwelt egal zu sein. Die Bischöfe der USA kritisieren daher die Politik des US-Präsidenten.

Stattdessen setzte sich in einer Kampfabstimmung Erzbischof Joseph Naumann aus Kansas City gegen Kardinal Blase Cupich aus Chicago durch. Mit 96 zu 82 Stimmen fiel das Ergebnis knapp aus. Der Kolumnist des "National Catholic Reporter", Sean Martin-Winters, wertete den Ausgang der Abstimmung als "ausgestreckten Mittelfinger der Bischöfe für Papst Franziskus". Eine drastische Illustration des Ringens zwischen den Traditions-Kräften, die Naumann unterstützten, und den Franziskus-Bischöfen, die sich hinter Cupich scharten: Letzter vertritt ein ganzheitliches "Pro-Life"-Ideal. Naumann dagegen will seine Arbeit auf das Thema Abtreibungen konzentrieren, das für ihn wie für die Mehrheit der US-Bischöfe eine herausgehobene Priorität im Vergleich zu anderen Themen wie die Gesundheit, Einwanderung und Armut hat.

Cupich konnte sich mit dem Ansatz von Papst Franziskus nicht durchsetzen, eine konsequente Ethik des Lebens zu verfolgen, die von der Empfängnis bis zum Tod reicht. Der scheidende Vorsitzende des Komitees, Kardinal Timothy Dolan, hatte seinen Rechenschaftsbericht genutzt, für Naumanns Ansatz zu plädieren. Damit setzten sich die konservativen Bischöfe noch einmal in der USCCB durch, die innerhalb der Weltkirche als besonders Franziskus-kritisch gilt.

Lauter Beifall für klare Positionen

Es wäre allerdings falsch, die klaren Positionierungen zu verschweigen, die die Konferenz zu Einwanderung und Rassismus bezog - zwei Anliegen, die Papst Franziskus besonders wichtig sind. Per Akklamation und begleitet von lautem Beifall, positionierten sich die Bischöfe eindeutig auf Seiten der Einwanderer. Sie verlangten eine umfassende Einwanderungsreform und einen, wie Bischof Joe S. Vasquez aus Austin sagte, "Pfad zur Legalisierung und Staatsbürgerschaft für Millionen unserer nicht legalisierten Brüder und Schwestern, die gesetzestreu sind, Steuern bezahlen und zu unserer Gesellschaft beitragen."

Erzbischof Thomas G. Wenski aus Miami erklärte in Anspielung auf den Wahlkampfslogans Trumps: "Amerika wird nicht großartig, indem wir Amerika gemein machen." Klare Worte fanden die Bischöfe auch zur "Sünde des Rassismus". Der schwarze Bischof George V. Murry aus Youngstown, der das Komitee der Bischöfe zum Thema Rassismus leitet, forderte die Kirche auf, eigenes Versagen einzugestehen. Änderungen setzten nicht nur andere Worte, sondern auch anderes Handeln voraus. Die Bischöfe beklagten darüber hinaus Waffenkult und Gewalt in den USA und verlangten bezahlbare Gesundheitsversicherungen für die Armen.

Von Thomas Spang (KNA)

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