Papst Franziskus hält seinen Bischofstab.
Franziskus fordert in Bologna Demut und Flexbilität

Papst: Christen dürfen kein "starres Gewissen" haben

Manche Religionsführer mögen "formell tadellos" und intellektuell sein - doch das habe schon Jesus kritisiert, sagt Papst Franziskus. Denn solche Leute hätten besonders eines nicht verstanden.

Bologna - 02.10.2017

Religiöse Autoritäten dürfen nach Worten des Papstes keine "unflexiblen Wächter menschlicher Traditionen" sein. Jesus wende sich gegen Heuchelei, mit Gesetzesdenken gepaarten Klerikalismus und Volksferne, sagte Franziskus bei einer Messe am Sonntag in Bologna. Was zähle, sei "ein Herz, das mit dem Herrn vorangeht, das täglich kämpft, bereut und zu ihm zurückkehrt". Mit dem Gottesdienst am Nachmittag im Stadion des FC Bologna endete ein eintägiger Besuch des Papstes in dem norditalienischen Erzbistum.

Papst: Christliche Biografien entstehen nicht am Reißbrett

Die von Jesus kritisierten Religionsführer seien zwar "formell tadellos" und religiöse Intellektuelle; ihnen fehle aber "die Demut des Zuhörens, der Mut, sich infrage zu stellen, die Kraft zur Buße". Sie seien "unfähig zu verstehen, dass ein gottgemäßes Leben ein Leben auf dem Weg ist". Es gebe keine christliche Biografie, die am Reißbrett entworfen und wissenschaftlich konstruiert sei, sagte der Papst. Vielmehr sei sie ein "demütiger Weg mit einem niemals starren Gewissen und immer in Beziehung zu Gott".

Franziskus sprach auch familiäre, kirchliche und soziale Konflikte allgemein an. Nach Verschlossenheit und langem Schweigen von der einen oder anderen Seite müsse man wieder zu einer Begegnung finden. Streit könne zum "Impuls für eine neue Ausgeglichenheit" werden. (KNA)

Linktipp: Nähe zu Flüchtlingen, Absage an Populismus

In Norditalien demonstrierte der Papst am Sonntag seine Solidarität mit Flüchtlingen aus Afrika. Seinen Besuch in Bologna verband Franziskus zudem mit einem klaren Bekenntnis zu Europa.