Papst: Der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu
Franziskus traf in Myanmar Bischöfe und Buddhisten

Papst: Der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu

Der dritte Tag in Myanmar: Franziskus lobte den Einsatz der Katholiken im Land und forderte vor den buddhistischen Führern die Achung der Menschenrechte. Auch diesmal fiel das "R"-Wort nicht. Dennoch wurde der Papst deutlich - und sprach von Vergebung statt Rache.

Rangun - 29.11.2017

Papst Franziskus hat die Minderheit der Katholiken in Myanmar im Einsatz für Menschenwürde und die Verkündigung des Glaubens bestärkt. Die Kirche in dem südostasiatischen Land bezeuge durch ihre "erzieherischen und karitativen Werke, ihre Verteidigung der Menschenrechte und ihre Unterstützung der demokratischen Prinzipien täglich das Evangelium", sagte er am frühen Mittwochabend (Ortszeit) bei einer Begegnung mit den 22 Bischöfen des Landes.

Am Sitz des Erzbischofs von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, ermutigte das Kirchenoberhaupt die Bischöfe, mit der Kirchengemeinschaft weiterhin eine "konstruktive Rolle im Leben der Gesellschaft einzunehmen". Dabei gelte es besonders, "auf die Achtung der Würde und der Rechte aller" zu bestehen, so Franziskus. Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar machen die Katholiken mit etwa einem Prozent der Bevölkerung nur eine kleine Minderheit aus.

"Katholische Gemeinschaft kann stolz sein"

"Die katholische Gemeinschaft in Myanmar kann auf ihr prophetisches Zeugnis der Liebe zu Gott und zum Nächsten stolz sein", lobte der Papst. Dies zeige sich besonders bei der Hilfe für Arme und Flüchtlinge sowie allen, "die ihrer Rechte beraubt sind". Die christliche Botschaft von Einheit, Liebe und Heilung sei in Myanmar angekommen.

Zudem mahnte Franziskus die Bischöfe zu weiteren Schritten in der Ökumene und im interreligiösen Dialog. Sie müssten wie gute Hirten den Geruch ihrer Schafe, aber auch den Geruch Gottes annehmen und die Menschen begleiten. Besonders sollten sie sich um die Jugend kümmern und junge Leute in die Vorbereitungen für die Weltbischofssynode zum Thema Jugend (3. bis 28. Oktober 2018) einbeziehen. Darüber hinaus betonte er, wie wichtig gut ausgebildete Katecheten für das Leben der Gemeinde seien.

Zuvor hatte der Papst bei einem Treffen mit dem Obersten Rat der Buddhisten erneut die Achtung der Menschenwürde gefordert. Katholiken und Buddhisten seien aufgerufen, gemeinsam für Frieden sowie für Gerechtigkeit gegenüber Männern und Frauen einzutreten. "Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer", sagte der Papst.

Der Papst sprach vor dem Hohen Rat der buddhistischen Mönche (Sangha Maha Nayaka) im Kaba Aye Centre - eine der bekanntesten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens – und nahm dabei auch den Staat und die Gesellschaft in die Pflicht. Um die "Wunden der Konflikte zu heilen, die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben", seien nicht nur religiöse Führer und der Staat gefragt, sondern die gesamte Gesellschaft. Jeder einzelne müsse daran arbeiten, "dass Konfliktsituationen und Unrecht überwunden werden".

Papst sagt wieder nicht das "R"-Wort

Wie bereits am Vortag in seiner Ansprache an Regierungsvertreter, Zivilgesellschaft und Diplomaten fiel auch diesmal das Wort "Rohingya" nicht. Die Warnung der katholischen Kirche vor Ort, nicht explizit auf den Konflikt einzugehen und die Rohingya auch nicht beim Namen zu nennen, sei ernst genommen worden, sagte Papst-Sprecher Greg Burke am Mittwoch in Rangun und verteidigte damit die Linie des Papstes. Franziskus betonte jedoch mehrfach, dass jeder Mensch zu achten sei und Kultur, ethnische und nationale Zugehörigkeit Teil einer "gemeinsamen menschlichen Natur" seien. "Echte Gerechtigkeit und dauerhafter Friede können nur erreicht werden, wenn sie allen gewährleistet werden." Franziskus verwies zudem auf gemeinsame Werte von Katholiken und Buddhisten. Wenn die Religionen zusammenhalten wollten, "müssen wir jede Form von Unverständnis, Intoleranz, Vorurteil und Hass überwinden". Dazu zitierte er Buddha mit den Worten: "Besiege die Wut mit der Nicht-Wut, besiege den Bösen mit der Güte, besiege den Geizigen mit der Großzügigkeit, besiege den Lügner mit der Wahrheit."

Begonnen hatte der Papst seinen Tag mit einer Heiligen Messe auf dem etwa 60 Hektar umfassenden Kyaikkasan-Sportgelände in Rangun. Dabei rief er das Land zu "Vergebung und Mitleid" auf, obwohl viele Menschen "Wunden der Gewalt" in sich trügen. "Wir meinen, dass die Heilung durch Wut und Rache geschehen kann. Aber der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu", sagte Franziskus. Jesus habe seine Weisheit nicht in langen Reden und auch nicht durch großartige Kundgebungen politischer oder weltlicher Macht gelehrt. Entsprechend "lassen viele von euch den Armen und Leidenden praktische Hilfe und Solidarität zukommen", lobte er die Christen im Land.

Einige Tausend Besucher der Messe waren zwei Tage lang aus dem Norden des Landes angereist. Insgesamt nahmen gut 100.000 Gläubige an der Messe teil. Franziskus hielt seine Predigt auf Italienisch, sie wurde abschnittsweise in die Landessprache übersetzt. Sechs Volksgruppen des Landes trugen die Fürbitten in jeweils ihrer Sprache vor. Eine bat darum, die Führer des Landes mögen sich für ein Ende der Konflikte in den Bundesstaaten Kachin, Rakhine und Shan einsetzen.

Den ersten Besuch eines Papstes in Myanmar beschließt Franziskus am Donnerstagvormittag (Ortszeit). In der Sankt Maryʼs Kathedrale feiert er eine Messe mit Jugendlichen, bevor er zum zweiten Teil seiner Reise ins benachbarte Bangladesch fliegt. (bod/KNA)