Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx bei einem ökumenischen Gottesdienst.
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Kirchenvertreter und UN-Flüchtlingshilfswerk würdigten die Papstreise

Papst erhält Lob für Lesbos-Reise

Deutsche Kirchenvertreter und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR haben den Besuch von Papst Franziskus bei Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos gewürdigt. Von einem "starken Zeichen für Menschlichkeit" sprach der Bamberger Erzbischof Schick.

Bonn - 17.04.2016

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht darin einen Appell "für die Wahrnehmung der Verantwortung Europas und nicht nur Europas gegenüber den Menschen, die vor Terror und Krieg fliehen", wie er auf Facebook schrieb. Zugleich machte sich der bayerische Landesbischof ausdrücklich die gemeinsame Erklärung des Papstes mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. zu eigen: "Jeder Satz dieser Erklärung spricht mir aus dem Herzen." Auch Schick hob das Schreiben als wichtiges ökumenisches Zeichen hervor. "Die Konsequenz muss sein: Alle Staaten, nichtstaatlichen Organisationen und  Religionsgemeinschaften müssen menschlich mit den Geflüchteten umgehen und gemeinsam eine gute Zukunft für sie suchen", so der katholische Weltkirche-Bischof.

Lesbos: Gemeinsamer Hilfsappell an die Welt

Papst Franziskus segnete auf seiner Reise nach Lesbos viele Flüchtlinge und lies sich von ihnen ihr Schicksal schildern. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. unterzeichnete er einen eindringlichen Hilfs- und Solidaritätsappell für Flüchtlinge.

Der EKD-Chef warnte davor, das Schicksal der Flüchtlinge auszublenden, da nun viele an den Grenzen Europas festgehalten oder in die Türkei zurückgeschickt würden. "Die Glaubwürdigkeit Europas hängt daran, dass jetzt auch wirklich die im Türkeiabkommen vorgesehenen legalen Fluchtwege Wirklichkeit werden", betonte Bedford-Strohm. In der Erklärung hatten Franziskus, Bartholomaios I. und Hieronymos II. die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, die Augen nicht vor der ungeheuren humanitären Krise zu verschließen, die durch Gewalt, bewaffnete Konflikte, durch Verfolgung und Vertreibung religiöser und ethnischer Minderheiten entstanden sei. Zugleich baten sie darum, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende in Europa menschenwürdig aufzunehmen. Die Flüchtlingskrise sei eine Krise der Menschheit.

Griechen beeindruckt vom Papst-Besuch

Die griechischen Medien ziehen ein positives Fazit vom Papstbesuch. Besonders hervorgehoben werden die herzlichen Worte des Papstes an das griechische Volk, das trotz eigener Schwierigkeiten Herzen und Türen für Flüchtlinge geöffnet habe.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR lobte die Gesten des Papstes auf Lesbos. Diese "kraftvolle Demonstration von Solidarität" müsse Regierungen und Gesellschaften inspirieren "in einer Welt, in der der verzweifelten Suche von immer mehr Vertriebenen zu oft Barrieren, Zurückweisung und Furcht" entgegensetzt würden, erklärte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi am Wochenende in Genf.

Der europäischen Politik einen Weg gewiesen

Sant'-Egidio-Gründer Andrea Riccardi betonte, der Papst habe der europäischen Politik mit seinem Besuch einen Weg gewiesen. Er habe sich gegen das zweifelhafte Spiel einer Politik gewandt, die aus Angst vor Populismus blockiert sei und Flüchtlinge bei anderen abzuladen versuche, schreibt Riccardi in einem Beitrag für den "Corriere della Sera" (Sonntag). (KNA)

Papst nahm zwölf Flüchtlinge mit

Auf seiner Rückreise hat Franzsikus drei syrische Familien in seinem Flugzeug mit nach Rom genommen. Das teilte der Vatikan kurz vor Abflug mit. Franziskus begrüßte die Flüchtlinge persönlich auf dem Flughafen der Insel.