Papst im "Land der Feuer"
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Franziskus sagt Nein zur Camorra und zu allem Bösen

Papst im "Land der Feuer"

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in der Mafia-Hochburg Caserta alle Formen von Korruption und Illegalität verurteilt. Man müsse Gott die Ehre geben und Nein sagen zu allem Bösen, zu aller Gewalt und aller Unterdrückung, sagte er am Samstagabend bei einer Messe vor rund 200.000 Gläubigen in der süditalienischen, 35 Kilometer nördlich von Neapel gelegenen Stadt. "Wir alle kennen die Namen dieser Illegalität!", rief der Papst unter dem Applaus der Menschen.

Caserta/Vatikanstadt - 27.07.2014

Vor allem müsse es darum gehen, das Leben und die Gesundheit der Mitmenschen zu schützen sowie die Umwelt und die Natur zu bewahren, forderte Franziskus mit Blick auf die Camorra, die in der Zone zwischen Neapel und Caserta im großen Stil illegal giftige Abfälle verbrennt - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen für die Bewohner. Viele erkranken durch die giftigen Dämpfe an Krebs, etliche sind bereits daran gestorben. Die Region ist als "Terra dei fuochi" (Land der Feuer) auch international in die Schlagzeilen geraten.

Papst lädt Eltern ein, deren Kinder wegen der Umweltverschmutzung starben

Bereits beim Anflug auf Caserta kreiste der Hubschrauber mit dem Papst über den Müllhalden. "Es ist schrecklich, dass ein so schönes Land so ruiniert wird", kommentierte Franziskus laut "Radio Vatikan". Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nahmen an der Messe vor dem Königlichen Schloss auch Eltern teil, deren Kinder unlängst an einer Tumorerkrankung infolge der Umweltbelastung gestorben waren. Der Gottesdienst fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Auf dem Platz war ein großes Transparent mit der Aufschrift "Vereint gegen Camorra und Rassismus" zu sehen.

Vorrangiges Ziel der Christen müsse es sein, Gott den Vorrang einzuräumen, betonte der Papst in seiner Predigt weiter. Das verlange ein Leben im Dienst für die Mitmenschen, für Legalität und für das Gemeinwohl. Das bedeute auch Absage an einen Egoismus und fordere einen Lebensstil, der in jeder Situation den Vorgaben des Evangeliums folgt. Denn "wer ein Freund Gottes wird, liebt den Mitmenschen".

Der Besuch in Caserta war die sechste inneritalienische Reise des argentinischen Papstes und die zweite binnen eines Monats, die ihn in eine von der Mafia besonders heimgesuchte Region führte. Am 21. Juni hatte er in Cassano all'Jonio in Kalabrien eindringlich das organisierte Verbrechen verurteilt. "Jene, die dieser Straße des Bösen folgen, wie die Mafiosi, sind nicht in Gemeinschaft mit Gott, sie sind exkommuniziert", stellt der Papst seinerzeit klar.

Neapel-Besuch noch in diesem Jahr

Zum Abschluss der Messe am Samstagabend kündigte Franziskus an, noch in diesem Jahr einen Pastoralbesuch auch in die süditalienische Regionalhauptstadt von Kampanien, Neapel, unternehmen zu wollen. "Ich habe gehört, dass sie in Neapel etwas eifersüchtig waren, dass ich erst hierher gekommen bin", scherzte Franziskus. Aber er wolle auf jeden Fall noch in diesem Jahr auch die Metropole der Region und das Erzbistum besuchen.

Anlass für den Besuch der Diözese Caserta war deren Patronatsfest, der Namenstag der Heiligen Anna. Zum Schluss der Messe hatte Bischof Giovanni D'Alise dem Papst ausdrücklich für das Privileg gedankt, dass seine Diözese der erste Ort in Kampanien sei, den er aufgesucht habe. Am Montag fliegt Franziskus erneut nach Caserta, diesmal zu einem privaten Besuch bei einem evangelikalen Pfarrer. (luk/KNA)