Papst: Müssen "Reinigung" der Kirche fortsetzen
Franziskus empfing chilenische Bischöfe wegen Missbrauchsskandal

Papst: Müssen "Reinigung" der Kirche fortsetzen

Genau ein Jahr hat der Missbrauchsskandal die Kirche in Chile nun fest im Griff. Jetzt waren einige Bischöfe des Landes im Vatikan und haben dem Papst von Fortschritten berichtet – zum Ärger von Missbrauchsopfern. Sie halten die Bischöfe für "Kriminelle" und Vertreter einer papstfeindlichen "Lobby".

Vatikanstadt - 15.01.2019

Papst Franziskus hat die chilenischen Bischöfe dazu aufgefordert, die "Reinigung" der Kirche mit Hilfe der Laien voranzutreiben. Das soll der Pontifex Medienberichten zufolge dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz des südamerikanischen Landes bei einer Privataudienz am Montag im Vatikan ans Herz gelegt haben. "Es war ein sehr brüderliches Gespräch, sehr ergiebig und sehr interessant", sagte Fernando Ramos, Generalsekretär der Chilenischen Bischofskonferenz, über das rund einstündige Treffen in der Bibliothek des Apostolischen Palastes. Man habe Franziskus über die Maßnahmen zur Aufklärung des Missbrauchsskandals in Chile informiert, so Ramos.

Später sei der Austausch bei einem etwa zweistündigen Mittagessen im Gästehaus Santa Marta fortgesetzt worden. Gemeinsam mit dem Papst sei man nochmals die für die Kirche in Chile wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres durchgegangen. Ramos sprach von einem "präzisen und klaren" Dialog mit "sehr interessanten" Beiträgen von Franziskus. Auch über künftige Projekte sei gesprochen worden.

An dem Treffen nahmen neben Ramos der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz, Militärbischof Santiago Silva Retamales, der stellvertretende Vorsitzende, Erzbischof Rene Rebolledo Salinas, und Santiagos Erzbischof, Kardinal Ricardo Ezzati teil. Ihm wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben, was er aber zurückweist. Weiter war bei der Privataudienz der Leiter der bischöflichen Missbrauchskommission Chiles, Bischof Juan Ignacio Gonzalez, anwesend.

Für den Papst seien alle derzeitigen Diözesanbischöfe "im Dienst", stellte Ramos mit Bezug zu den angebotenen Rücktritten nahezu aller chilenischen Oberhirten vor etwa acht Monaten klar. Nach dem Kirchenrecht würden schriftlich erklärte Rücktritte nach drei Monaten ihre Gültigkeit verlieren, so Ramos weiter. Vermutlich bezog er sich damit auf Kanon 189 § 3 des kirchlichen Gesetzbuches Codex Iuris Canonici, der den Rücktritt von Kirchen-Ämtern regelt.

Wenn Franziskus "die Notwendigkeit sehen würde, einen bestimmten Fall anzusprechen, würde er das direkt mit dem Betroffenen klären", erläuerte Ramos. In den letzten Wochen war in chilenischen Medien von einer möglichen Entfernung Ezzatis aus dem Amt als Erzbischof von Santiago spekuliert worden. Zudem hatte Papst Franziskus im vergangenen Jahr die Rücktritte von acht chilenischen Bischöfen angenommen.

Das Datum der Rückreise der Mitglieder des Ständigen Rates nach Chile steht noch nicht fest. Es wird vermutet, dass sie einige Tage in Rom bleiben und mit Vertretern der Kongregationen für die Glaubenslehre und die Bischöfe zusammentreffen. Beide Vatikanbehörden sind für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und der Neubesetzung von Bischofsstühlen zuständig und damit bedeutsam für die vom Papst geforderte Erneuerung der Kirche in Chile.

Ein prominenter Vertreter der Missbrauchsopfer in Chile, Juan Carlos Cruz, kritisierte das Treffen heftig. "Die Arroganz dieser Personen ist beeindruckend", so Cruz. Sie hätten dem Papst von "Fortschritten" berichtet, während "das einzige, was sie erreicht haben ist, die Kirche zu zerstören". Es sei "Hohn", dass sie mit dem Papst sprechen durften. Ein anderes Missbrauchsopfer, James Hamilton, sprach im Vorfeld der Audienz von "Kriminellen" und einer "Lobby", die den Papst verachte und seine Interventionen als Einmischung betrachte.

Vor genau einem Jahr hatte Papst Franziskus in Rahmen einer Südamerikareise Chile vom 15. bis 18. Januar 2018 besucht. Die Kirche in Chile wird derzeit von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Derzeit ermittelt die Justiz in 148 Fällen wegen Missbrauchsvorwürfen gegen Kirchenmitarbeiter, wie chilenische Medien unter Berufung auf jüngste Angaben der Staatsanwaltschaft meldeten. Dabei gehe es um 255 mutmaßliche Opfer. Auch mehrere Bischöfe sollen in die Vorgänge verwickelt sein. (rom/KNA)