Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in der Grabekirche in Jerusalem.
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Das Verhältnis von Katholiken und Orthodoxen in der Türkei

Papst trifft Patriarch

Höhepunkt der Papstreise ist das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios I.. Zwischen Orthodoxen und Katholiken stockten die theologischen Gespräche zuletzt.

Von Thomas Jansen (KNA) |  Vatikanstadt/Istanbul - 29.11.2014

Das Verhältnis zwischen Franziskus und Bartholomaios I. gilt als sehr herzlich und freundschaftlich. Die Begegnung in Jerusalem im Mai zum Gedenken an die historische Zusammenkunft von Paul VI. (1963-1978) und Patriarch Athenagoras vor 50 Jahren war ein wichtiges ökumenisches Signal. Wenige Wochen später nahm Bartholomaios I. auf Einladung des Papstes am israelisch-palästinensischen Friedensappell im Vatikan teil. Zum Amtsbeginn von Franziskus war Bartholomaios I. - als erster Ökumenischer Patriarch überhaupt - in den Vatikan gereist.

Drei Männer pflanzen einen Baum
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Israels Staatschef Schimon Peres; Palästinenserpräsident Mahmut Abbas, Papst Franziskus und der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. pflanzen einen Olivenbaum im Garten des Vatikan.

Theologische Gespräche stocken

Ungeachtet solcher spektakulären Gesten sind die theologischen Gespräche auf Fachebene zuletzt ins Stocken geraten. Die internationale katholisch-orthodoxe Kommission konnte sich während ihres jüngsten Treffens im jordanischen Amman im September nicht auf ein gemeinsames Papier über den Primat des Papstes und das Prinzip der Synodalität im ersten Jahrtausend verständigen.

Der Textentwurf scheiterte nach Aussage des vatikanischen Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Kurt Koch vor allem am Widerstand von russisch-orthodoxer Seite. Diese erkenne den Petrusdienst auf universaler Ebene nur in einem pragmatischen und administrativen Sinne an, nicht jedoch in einem theologischen, erläuterte Koch. "Da müssen wir eindeutig mehr Konsens finden". Der Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen sprach in einem Interview mit Radio Vatikan dennoch von "Fortschritten". Der größte Fortschritt sei, dass alle Beteiligten bereit und willens seien, den Dialog fortzusetzen. Bartholomaios I. bezeichnete die Vollversammlung als "nicht sehr erfolgreich".

Ukraine-Konflikt als zusätzliche Belastung

Als Meilenstein gilt das Abschlussdokument der Zusammenkunft der internationalen katholisch-orthodoxen Kommission in Ravenna 2007. Darin war festgehalten worden, dass die Kirche auf lokaler, regionaler und universaler Ebene einen "Ersten" brauche. Eine zusätzliche aktuelle Belastung im Verhältnis zwischen katholischer und russisch-orthodoxer Kirche ist der Ukraine-Konflikt.

Koch sprach von einer "ungeheuren Kritik" der Moskauer Seite an der griechisch-katholischen Kirche. In seiner Rede vor der Bischofssynode im Vatikan griff der Außenbeauftragte des Moskauer Patriarchats Hilarion die griechisch-katholische Kirche an. Auch gegen den kirchenpolitischen Kurs, den Papst Franziskus eingeschlagen hat, scheint es in Moskau Vorbehalte zu geben. Hilarion jedenfalls äußerte sich vor den Teilnehmern der Synode im Vatikan auch abfällig über den Verlauf der Bischofsversammlung.

Die Reaktion des Vatikan war geräuschlos, aber unmissverständlich: Hilarions Rede war die einzige unter jenen der Vertreter anderer christlicher Kirchen bei der Synode, die die Vatikan nicht in seinem Bulletin veröffentlichte. Das Moskauer Patriarchat hingegen veröffentlichte nicht nur die Rede auf seiner Internetseite, sondern auch ein Foto vom Besuch Hilarions bei Benedikt XVI. während der Synode.

Bartholomaios I.: Papsbesuch ist Geste genug

Abgesehen von der ökumenischen Bedeutung dürfte der Empfang des Papstes im Ökumenischen Patriarchat auch Auswirkungen für das Kräfteverhältnis innerhalb der orthodoxen Christenheit haben. Der Besuch von Franziskus, so ist aus kirchlichen Kreisen in Istanbul zu hören, stärke die Stellung von Bartholomaios, insbesondere auch gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche, der größten orthodoxen Kirche.

Bartholomaios I. selbst dämpfte zuletzt vor Journalisten in Istanbul die Erwartungen an den Besuch von Papst Franziskus. "Es wird keine spektakuläre Geste geben", sagte er. Der Besuch selbst sei Geste genug.

Von Thomas Jansen (KNA)