Papst Franziskus während der Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan am 22. März 2017.
Franziskus wirbt für offene und bibelnahe Familientheologie

Papst: Verständnis von Familie grundlegend erneuert

Laut Papst Franziskus darf sich die katholische Familientheologie der modernen Welt nicht verschließen. In dem Zusammenhang verweist er auf ein "grundlegend erneuertes" Familienverständnis der Kirche.

Vatikanstadt - 25.01.2018

Die katholische Familientheologie muss sich nach Auffassung des Papstes zeitgenössischen Fragen stellen. Franziskus äußerte sich anlässlich der Eröffnung eines neuen Lehrstuhls am Päpstlichen Theologischen Institut für Ehe- und Familienforschung am Donnerstag in Rom. Dabei verwies er auf ein "grundlegend erneuertes Verständnis" von Familie, das mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) beginne und dessen jüngstes Dokument "Amoris laetitia" sei. In dem 2016 veröffentlichten Lehrschreiben legt Franziskus Eckpunkte für eine biblisch fundierte und zugleich offene Familientheologie dar.

Angesichts eines neuen Horizonts des menschlichen Zusammenlebens müsse der "Bund zwischen Mann und Frau" ein Zeichen des "Segens Gottes für die ganze Schöpfung sein", schrieb der Papst in einem Grußwort an den Großkanzler des Instituts, Erzbischof Vincenzo Paglia. Wichtig sei es, Orte auch des intellektuellen Dialogs zu schaffen, um über die Hoffnungen und Sorgen der Menschen von heute zu reflektieren, so Franziskus.

Positiver Zugang zur modernen Welt

Der neue Lehrstuhl trägt den Namen "Gaudium et spes". Der Titel verweist auf das gleichnamige Konzilsdokument von 1965, das sich mit einem positiven Zugang der katholischen Kirche zur modernen Welt befasst. Der Lehrstuhl soll sich vor allem mit der Situation von Partnerschaften und Familien in der westlichen Welt befassen, wie der italienische Pressedienst ACI bereits am Dienstag berichtete. Bei seiner Forschung und Lehre soll der Lehrstuhl demnach auch mit der Katholischen Universität von Murcia in Spanien zusammenarbeiten.

Das bei der Päpstlichen Lateranuniversität angesiedelte "Päpstliche Theologische Institut Johannes Paul II." wurde ursprünglich 1981 von Johannes Paul II. (1978-2005) gegründet. Es agiert allerdings eigenständig, verleiht eigene Abschlüsse und hat Standorte unter anderem in den USA, Mexiko, Benin und Australien. Im September vergangenen Jahres ersetzte Papst Franziskus das bisherige "Päpstliche Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie" durch ein "Päpstliches Theologisches Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften".

Damit setzt der Papst die katholische Lehre auf ein neues Gleis, auf dem sich die Kirche einer breiteren Spanne von sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Herausforderungen stellen soll. Der neu gegründete Lehrstuhl ist ein Teil dieser Neuausrichtung des Instituts. (tmg/KNA)