Papst Franziskus hält seinen Bischofstab.
Franziskus bezeichnet dabei Benedikt XVI. als Lehrer

Papst will gegen Gewalt in der Kirche hart vorgehen

Papst Franziskus hat ein hartes Vorgehen gegen seelische und sexuelle Gewalt in katholischen Gemeinschaften angekündigt. Dass es dabei Null Toleranz geben dürfe, habe er von Benedikt XVI. gelernt.

Lima - 22.01.2018

Papst Franziskus will gegen seelische und sexuelle Gewalt in katholischen Gemeinschaften hart vorgehen. Er habe von Benedikt XVI. gelernt, solche Dinge nicht zu tolerieren, sagte Franziskus auf dem Rückflug von seiner Lateinamerikareise vor Journalisten. Er verwies dabei auf die besonders in Peru tätige Gemeinschaft "Sodalitium Christianae Vitae" oder kurz "Sodalicio", die er kurz vor seinem Besuch unter kommissarische Leitung gestellt hatte.

Der Gründer der Bewegung, der Laienkatholik Luis Fernando Figari, sei wegen sexuellen Missbrauchs und Gehirnwäsche angezeigt und von einem Kirchengericht in Rom verurteilt worden, berichtete der Papst. Der heute 70-Jährige lebe inzwischen allein und unter Betreuung. Figari selbst bezeichne sich als unschuldig und habe Berufung beim obersten Kirchengericht eingelegt, der Apostolischen Signatur. Dies habe jedoch weitere Opfer veranlasst, gegen Figari vor zivilen und kirchlichen Gerichten zu klagen.

Es seien dabei "noch viel schwerere Fälle" ans Licht gekommen, ergänzte Franziskus: "Ich glaube, die Situation entwickelt sich nachteilig für den Gründer." Unabhängig von der Person Figaris seien auch die wirtschaftlichen Verhältnisse bei Sodalicio unklar, weshalb schon 2016 der US-amerikanische Kardinal Joseph William Tobin zur Aufsicht und als Sonderbeauftragter für eine wirtschaftliche Reform der Gemeinschaft eingesetzt worden sei, so der Papst weiter.

"Benedikt XVI. tolerierte diese Dinge nicht"

Er verglich die Lage bei Sodalicio mit den Legionären Christi, die sich unter dem Vorgängerpapst Ermittlungen unterziehen mussten. Der Fall sei "inzwischen gelöst", betonte Franziskus: "Benedikt XVI. tolerierte diese Dinge nicht, und ich habe von ihm gelernt, sie nicht zu tolerieren."

Eine Woche vor dem Papstbesuch in Peru hatte der Vatikan mitgeteilt, dass die Laienorganisation Sodalicio unter die kommissarische Leitung des kolumbianischen Bischofs Noel Antonio Londono kommt. Die Gemeinschaft steht unter dem Verdacht, sektenähnliche Strukturen aufgebaut zu haben. Der Vatikan verwies auch auf "schwerwiegende Maßnahmen der peruanischen Justiz" gegen den Gründer Figari.

Das "Sodalitium Christianae Vitae" wurde 1971 in Peru als Gegenbewegung zur Theologie der Befreiung gegründet und gewann in der katholischen Kirche rasch an Einfluss. 1997 wurde Sodalicio unter Johannes Paul II. (1978-2005) vom Vatikan anerkannt. Die Bewegung rekrutierte ihre Mitglieder vor allem in der peruanischen Mittel- und Oberschicht. Sie stellt in Peru heute zwei Bischöfe, unterhält mehrere Schulen und eine Universität. (KNA)