Patriarch: Moderne Kultur hat negativen Einfluss auf Priesterfamilien
Kyrill I. sieht "Krise der Familienwerte"

Patriarch: Moderne Kultur hat negativen Einfluss auf Priesterfamilien

Orthodoxe Geistliche dürfen im Gegensatz zu katholischen Priestern verheiratet sein. Doch dass Familien von Priestern auch Probleme haben können, hat der Moskauer Patrarch Kyrill I. nun betont. Dabei sieht er jedoch weniger die Priester als Schuldige.

Moskau - 22.03.2019

Das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, der Moskauer Patriarch Kyrill I., hat den schädlichen Einfluss der modernen Kultur auf orthodoxe Priesterfamilien beklagt. "Die Krise der Familienwerte, die die moderne Gesellschaft beutelt, berührt auch das Leben des Klerus", sagte Kyrill am Mittwoch in Moskau bei der Abschlusssitzung des Obersten Kirchenrats der Russisch-Orthodoxen Kirche. "Verglichen mit der Situation vor zehn bis 20 Jahren sehen wir heute eine negative Dynamik in Bezug auf die generelle Atmosphäre in diesen Familien."

Die Kirche müsse die traditionellen Familienwerte stärken und die junge Generation von der Propaganda der sogenannten "freien Liebe" schützen, so der Patriarch von Moskau und der ganzen Rus weiter. "Letztlich leben auch die Familien der Priester nicht isoliert, weshalb das, was den Geist und das Herz jedes Menschen beunruhigt, auch die Familien von Klerikern verunsichert." Als Reaktion auf diesen "negativen Einfluss von außen", müsse viel Energie zum Schutz der Familien eingesetzt werden.

Bischöfe sollten sich regelmäßig mit Priesterfamilien treffen

Dabei sieht Kyrill auch seine Priester in der Pflicht: "Ein Priester darf sein Fernbleiben vom Familienleben nicht mit dem großen Umfang seiner pastoralen Arbeit rechtfertigen." Die Familie müsse stets "einen wichtigen Platz im Leben jedes verheirateten Priesters einnehmen", denn sie habe, gerade in ländlichen Gebieten, einen großen Vorbildcharakter. Deshalb sollte die Ausbildung im Seminar die Priester auch auf das Familienleben vorbereiten, forderte der Patriarch.

Zudem sollten die Bischöfe einen Fokus auf das Familienleben ihrer Priester legen. Ein Oberhirte dürfe nach Ansicht Kyrills zwar nicht ins Leben der Familie eingreifen, müsse aber doch ein guter Ratgeber sein, der zu helfen habe, wenn eine Priesterfamilie in einer schwierigen Situation sei. "Als ich Metropolit von Smolensk war, traf ich mich gerne mit den Klerikern und ihren Matushkas (Ehrentitel für die Frauen orthodoxer Priester)", erzählte der Patriarch den Mitgliedern des Rates. Er hält dies für sehr ratsam, "denn schließlich sieht man einen Priester zwar mehr oder weniger oft, doch alles was sein Familienleben betrifft, bleibt meist verborgen." (rom)