Pfarrer und Ehrenhäuptling
Ein bewegtes Leben: Priester Otto Sorg wird 100 Jahre alt

Pfarrer und Ehrenhäuptling

Otto Storg kann auf einen außergewöhnlichen Lebensweg zurückblicken. Er war nicht nur 37 Jahre lang Pfarrer in Bischwind und Mönchstockheim im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt, sondern ist auch Ehrenhäuptling in Tansania und Ehrendomherr des tschechischen Königgrätz. Heute wird der langjährige Seelsorger, der seit 2008 in einem Caritas-Wohnstift lebt, 100 Jahre alt.

Gerolzhofen/Bischwind - 16.09.2014

Storg kam 1914 in Schweinfurt zur Welt, legte 1936 in Würzburg das Abitur ab und trat dann in das Priesterseminar in Würzburg ein. 1940 musste er das Theologiestudium unterbrechen, um am Frankreich-Feldzug teilzunehmen. Noch während des Zweiten Weltkriegs – am 16. März 1941 – weihte ihn Bischof Matthias Ehrenfried zum Priester. Acht Tage später fand die Primiz in der Pfarrkirche Heilig Geist in Schweinfurt statt – "unter Nazi-Schikanen", erinnert sich Storg später.

Bereits vier Wochen später wurde der junge Geistliche erneut zum Kriegsdienst eingezogen und leistete Sanitätsdienst beim Russlandfeldzug. Er habe "die Schrecken eines furchtbaren Krieges" erlebt, schreibt Storg in seinem Lebenslauf, den er vor zehn Jahren anlässlich seines 90. Geburtstags verfasste. Oft habe er seine Mahlzeiten mit bitterarmen russischen Frauen und Kindern geteilt. Und als nach der Eroberung Kiews Ende 1941 alle Juden in der Stadt ermordet werden sollten, sei es ihm gelungen, rund 200 von ihnen heimlich in die Freiheit zu entlassen.

Seit Juli 2008 wohnt Priester Otto Storg im Caritas-Sozialzentrum Wohnstift Steigerwald in Gerolzhofen.

1945 kehrte Storg in seine Heimat zurück und trat seine erste Kaplanstelle an. Nach weiteren Stationen als Kaplan wurde er 1952 zunächst Kuratus – also Hilfspriester mit eigenem Seelsorgebezirk – und 1959 Pfarrer. 1962 verlieh ihm Bischof Josef Stangl die Pfarrei Bischwind. Gleichzeitig wurde Storg zum Seelsorger von Mönchstockheim ernannt. Seine besondere Liebe galt hier immer der Wallfahrtskirche "Bischwinder Kappel", die er zwei Mal restaurieren ließ.

Spazieren auf der "Pfarrer-Otto-Storg-Straße"

Die Gemeinden Bischwind und Mönchstockheim dankten ihrem langjährigen Seelsorger unter anderem mit Ehrenbürgerurkunden und der Bürgermedaille in Gold. Storg betreute sie 37 Jahre lang, bis er sich im April 1999 aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe setzen musste. 2004 benannte die Gemeinde Bischwind anlässlich seines 90. Geburtstags sogar eine Straße nach ihm: die "Pfarrer-Otto-Storg-Straße". Seit Juli 2008 wohnt Storg im Caritas-Sozialzentrum Wohnstift Steigerwald in Gerolzhofen. Auf seinem Lebensweg habe ihn stets der Leitsatz Don Boscos begleitet, sagt er. Und der lautet: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen."

Gutes hat Storg nicht nur in Deutschland getan: Bereits seit 1980 hatte er sich beispielsweise für den Kirchenbau in Tansania engagiert. Um in den Diözesen Iringa, Njombe und Songea Gotteshäuser zu errichten, stellte Sorg die Mittel aus Spenden, aber auch aus eigenen Geldern bereit. Dafür ernannte ihn das Volk der Wahehe schließlich zu ihrem Ehrenhäuptling. Insgesamt sechs Mal reiste Storg in den folgenden Jahren nach Afrika. Aber auch die für Christen so bedeutenden Städte wie Rom oder Israel gehörten zu den Zielen des reiselustigen Pfarrers, dessen Hobby es war, "Gottes schöne Welt zu genießen".

Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.

Zitat: Don Giovanni Bosco

2004 wurde Storg zudem auch Ehrenkanoniker des Kapitels der Heilig-Geist-Kathedrale im tschechischen Königgrätz. "Der hochwürdige Vater Storg hat sich besonders schon in der Zeit des Zweiten Weltkriegs durch seine Großherzigkeit und seinen Mut erkenntlich gemacht", heißt es in einem von Bischof Dominik Duka unterzeichneten Schreiben. Die Verbindung reicht nach den Worten Storgs zurück in das Jahr 1944. Zu dieser Zeit habe er als Patient im Lazarett von Königgrätz gelegen. Er lernte den damalige Bischof Maurizio Picha kennen, der ihm die Erlaubnis erteile, hier heilige Messen zu feiern.

Erschrocken über den Anblick des tschechsichen Bischofs

Nach dem Ende des Krieges dauerte es mehr als 40 Jahre, bis Storg zurückkehrte. Erst nach der Grenzöffnung 1989 bot sich ihm die Gelegenheit eines Besuchs, bei dem er vor allem über die Lebensumstände von Pichas Nachfolger erschrak. "Er hatte nur ein paar einfache Sandalen an den Füßen, hat mich aber sofort zu einer Suppe eingeladen", erzählt Storg. Von da an brachte er regelmäßig Hilfsladungen mit Lebensmitteln und Kleidung nach Königgrätz: "Da musste ich auch schon mal ein Messgewand benutzen, um die Sachen vor den Zöllnern zu verdecken."

Wenn Storg auf sein Leben und seinen Glauben zurückblickt, dann hat ihn vor allem ein Erlebnis während des Krieges geprägt: Auf dem Rückzug aus Russland Ende 1942 seien all die leer stehenden russischen Häuser angezündet worden. Er selbst habe viele der eingeschlossenen Tiere befreit und die Kreuze und Ikonen von den Wänden geholt, erinnert sich der Priester. Die hätten ihm dann später einige Male bei Überfällen das Leben gerettet. Daraus schloss er, dass das Kreuz für einen echten Christen der wichtigste Gegenstand sein müsse, "der bis zum Äußersten verteidigt werden muss". (sti/bod)