Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Philipp König über das Sonntagsevangelium

Plötzlich ist alles anders!

Vier Männer lassen alles zurück und folgen fortan Jesus. Pater Philipp König verzichtet als Ordensmann zwar auch auf einiges, aber das heutige Sonntagsevangelium fordert selbst ihn heraus.

Von P. Philipp König OP |  Bonn - 20.01.2018

Impuls von Pater Philipp König

Ein kurzer Augenblick reicht, um das Leben dieser Menschen vollständig umzukrempeln. Die Fischer Simon, Andreas, Jakobus und Johannes lassen alles stehen und liegen: ihren Beruf, ihre Familien, ihre ganze bisherige Existenz inklusive Sicherheiten. Und das, obwohl sie Jesus, der sie ruft, bisher wohl nicht einmal richtig kennen.

Was bringt die Männer dazu, von einer Sekunde auf die andere all das aufzugeben, was ihr Leben bisher ausgemacht hat? Wie können sie es zulassen, dass sie aus ihrem Umfeld herausgerissen und ihre Familien dabei aufgemischt werden? "Verrückt!", so möchte man sagen, vielleicht sogar unverantwortlich. Doch offensichtlich ist Jesu Botschaft so gewaltig, dass sie selbst das rechtfertigt: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."

Da kommt bei mir die Frage hoch: Würde ich das auch so können? Würde ich das auch so wollen? Natürlich habe ich bei meiner Entscheidung zu einem Leben als Ordensmann auf vieles verzichtet, was für andere selbstverständlich ist, etwa auf eine eigene Familie, Partnerschaft und privaten Besitz. Dennoch muss ich ehrlich sagen: Auch bei mir haben sich Dinge angesammelt, die mir liebgeworden sind und die ich für selbstverständlich nehme. Manche Gewohnheiten und Abläufe in meinem Leben vermitteln mir ein Gefühl von Sicherheit, das ich ungern missen möchte. Das alles plötzlich hinter mir zu lassen, würde mir schwer fallen.

Die ersten Jünger fordern mich heraus. So entschieden und kurzentschlossen wie sie sind, helfen sie mir dabei, dass ich selbst in Bewegung bleibe. Dass ich mir immer wieder die Frage stelle: Wo habe ich mich vielleicht zu sehr eingerichtet? Was belastet mich eigentlich eher, als dass es mir hilft? Was beeinträchtigt mich in meinem Verhältnis zu Gott, zu meinen Mitmenschen und auch zu mir selbst? Dinge zu hinterfragen, zu unterscheiden und manches loszulassen ist oft nicht einfach. Manchmal kann es sogar sehr wehtun. Doch danach genieße ich das Gefühl von Erleichterung, das sich einstellt. Es ist etwa so, wie wenn ich auf einer Wanderung bin, einen Teil des Gepäcks auf dem Weg zurücklasse und dann spüre, wie meine Schultern sich entspannen und ich wieder frei durchatmen kann.

So herausfordernd Jesu Botschaft ist, genauso viel Hoffnung strahlt sie aus. Denn immer wieder lädt sie ein, umzukehren, alten Ballast abzuwerfen und neu nach vorne zu schauen. Das schenkt Freiheit und Leichtigkeit. Der richtige Zeitpunkt dafür kann genau jetzt sein - für jeden von uns –, denn auch heute gilt: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."

Von P. Philipp König OP

Aus dem Evangelium nach Markus (Mk 1, 14-20)

Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.

Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Der Autor

Pater Philipp König ist Dominikaner und arbeitet als Kaplan und Jugendseelsorger in Leipzig.

Ausgelegt!

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