Kardinal Daniel Nicholas DiNardo
Kardinal DiNardo: "Keine Razzia"

Polizei durchsucht Büros des Erzbistums Houston

Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester, angeblich falsches Handeln der Kirchenleitung: Die Polizei stattete der Erzdiözese Houston jetzt einen Besuch ab – die wird geleitet vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo.

Washington/Houston - 29.11.2018

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen US-Kirche haben Ermittler Büros der Erzdiözese Houston durchsucht. Das Bistum, das vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz Kardinal Daniel DiNardo geleitet wird, bestätigte die Maßnahme am Mittwoch (Ortszeit), betonte aber, man habe die von der Staatsanwaltschaft gesuchten Informationen bereits zusammengestellt. Von einer Razzia könne keine Rede sein.

Anlass der Durchsuchung waren Medienberichten zufolge Anschuldigungen gegen einen Priester, in den Jahren 1998 und 2000 zwei Jugendliche unsittlich berührt zu haben. Dabei gehe es auch um den Umgang mit den mutmaßlichen Vergehen durch die Kirchenleitung. Der betreffende Priester, der im September verhaftet wurde, weist die Vorwürfe zurück. In dem Zusammenhang forschte die Staatsanwaltschaft von Montgomery County laut Medien bereits in zwei Kirchengemeinden und einem Therapiezentrum nach möglichen Beweisen.

Kardinal DiNardo gilt als ein Wortführer bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der US-Kirche. Vor wenigen Wochen kündigte er an, im Januar eine vollständige Liste über alle glaubwürdig verdächtigten Priester zu veröffentlichen. Zuletzt waren gegen DiNardo selbst Vertuschungsvorwürfe laut geworden. Nach einem Bericht des TV-Senders CBS soll er zwei des Missbrauchs beschuldigte Priester nicht aus dem Dienst entfernt haben.

Untersuchung durch den Pennsylvania-Bericht ausgelöst

Die Polizei erklärte, mit dem Vollstreckungsbefehl habe man Dokumente, Aufzeichnungen, Elektronik und andere Beweise im Fall des beschuldigten Priesters sicherstellen wollen. "Dies ist kein Durchsuchungsbefehl gegenüber der katholischen Kirche noch gegenüber ihren Mitarbeitern", so der zuständige Bezirksstaatsanwalt von Montgomery County, Brett Ligon, bei einer Pressekonferenz.

Die Durchsuchung ist die jüngste Entwicklung in der Missbrauchskrise, die die katholische US-Kirche seit Monaten erschüttert. Inzwischen haben zahlreiche Staatsanwaltschaften in katholischen Diözesen Ermittlungen gegenüber Kirchenangehörigen begonnen.

Ligon sagte vor Journalisten, seine Untersuchung gegen den Priester sei durch die Erkenntnisse in Pennsylvania ausgelöst worden. Der dort im August veröffentlichte Untersuchungsbericht dokumentiert Übergriffe von katholischen Priestern über einen Zeitraum von sieben Jahrzehnten. (tmg/KNA)