Vollversammlung der polnischen Bischofskonferenz
Diese Maßnahmen wollen sie nun ergreifen

Polnische Bischöfe entschuldigen sich bei Missbrauchsopfern

"Wir entschuldigen uns bei Gott, den Missbrauchsopfern, ihren Familien und der Kirchengemeinschaft für das Leid": Polens Bischöfe gestehen öffentlich sexuellen Missbrauch durch Geistliche ein – und sagen, was jetzt geschehen soll.

Tschenstochau - 20.11.2018

Die Polnische Bischofskonferenz hat sich bei den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester entschuldigt. "Wir entschuldigen uns bei Gott, den Missbrauchsopfern, ihren Familien und der Kirchengemeinschaft für das Leid, welches Kindern, jungen Menschen und ihren Angehörigen zugefügt wurde", hieß es in einer am Montagabend veröffentlichten Stellungnahme nach einer Versammlung des Episkopats im Wallfahrtsort Czestochowa (Tschenstochau). "Mit Trauer stellen wir fest, dass es auch in Polen Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch einige Geistliche und Kirchenvertreter gegeben hat", hieß es weiter. Um Ursachen und Anzahl der Fälle einschätzen zu können, würden nun entsprechende Daten gesammelt.

Die Bischöfe appellierten an die Opfer, Fälle sexuellen Missbrauchs sowohl in den Kirchengemeinden sowie bei den entsprechenden staatlichen Organen zu melden. Das Verhalten der Täter werde von der Kirche als "schwere Sünde und Verbrechen" gewertet, hieß es. Dass Kinder statt Fürsorge Gewalt erfahren würden und ihre Würde verletzt werde, sei besonders schmerzhaft und empörend.

Statistische Daten im ersten Halbjahr 2019

Vor wenigen Tagen hatten die polnischen Bischöfe bekanntgegeben, im ersten Halbjahr 2019 statistische Daten über sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche zu veröffentlichen. Alle Diözesen sollen demnach bis Ende November ihre Erhebungen einem Statistikzentrum melden, so der Missbrauchsbeauftragte der Polnischen Bischofskonferenz, der Jesuit Adam Zak. Die Auswertung der Daten werde mehrere Monate dauern. Laut Zak ist offen, ob die polnische Statistik bereits Ende Februar beim Welttreffen der Leiter der Bischofskonferenzen im Vatikan zum Thema Missbrauch vorliegt. Papst Franziskus will bei dem Treffen über den Kinderschutz in der Kirche sprechen.

In Polen, dessen Einwohner zu mehr als 90 Prozent Katholiken sind, hatte zuletzt ein Kinofilm über pädophile Priester eine Debatte um Missbrauch in der Kirche ausgelöst. Der Film "Kler" von Regisseur Wojciech Smarzowski lockte seit Ende September rund fünf Millionen Menschen in die Kinos. Auch in Deutschland wurde der Film gezeigt, Filmemacher Smarzowski wollte nach eigenen Angaben mit dem kritischen Werk die katholische Kirche in Polen auffordern, Verantwortung zu übernehmen. Kritikern zufolge wird sexueller Missbrauch in der Kirche in Polen oft vertuscht. (tmg/dpa)