Zwei Kreuze auf einer Kirchenkuppel
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Kirchen tauschen sich aus Anlass des Reformationsgedenken aus

Protestanten und Orthodoxe im "Dialog der Liebe"

Nicht nur aus dem aktuellen Anlass des Reformationsgedenkens tauschen sich evangelische und orthodoxe Kirche aus. Ihr ökumenischer Kontakt ist viel intensiver.

Hannover - 29.03.2017

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hat die Verbundenheit der Protestanten mit der orthodoxen Kirche bekräftigt. In einem am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Schreiben an den Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), Metropolit Augoustinos, hob Bedford-Strohm hervor, die EKD pflege "seit langer Zeit auf vielen Ebenen" einen "Dialog der Liebe" mit den orthodoxen Kirchen. Zuvor hatte Augoustinos in einem Brief an Bedford-Strohm aus Anlass des Reformationsgedenkjahrs die freundschaftlichen Beziehungen der orthodoxen Kirche zu den Protestanten in Deutschland betont.

Fünf Jahrhunderte wechselseitiger Beziehungen

"Wir danken Ihnen für die Würdigung der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum, die wir in der Tat als ein Christusfest verstehen, das wir jenseits konfessioneller Selbstverherrlichung und Polemik in ökumenischer Gemeinschaft mit unseren Schwesterkirchen begehen", so Bedford-Strohm. Die Feier des Jubiläums als Christusfest sei "nicht zuletzt dadurch möglich geworden, dass Kirchen, die zum Zeitpunkt der Reformation aus der damaligen Perspektive noch fast ausschließlich in 'fremden' Ländern lebten", mittlerweile seit vielen Jahrzehnten in Deutschland beheimatet seien. Dazu hätten auch die ökumenischen Beziehungen einen Beitrag geleistet.

Augoustinos hatte in seinem von der Frühjahrsvollversammlung der OBKD beschlossenen Schreiben erklärt, das Reformationsgedenkjahr sei ein "willkommener Anlass", auf fünf Jahrhunderte wechselseitiger Beziehungen zurückzublicken. Dankbar hätten die Bischöfe zur Kenntnis genommen, dass es bei dem Jubiläum nicht um die Glorifizierung Martin Luthers oder anderer Gestalten der Reformationszeit gehen solle, sondern um ein Christusfest.

Erinnerung an die Anfänge

Im Rahmen des Reformationsgedenkjahres wird Ende Mai das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, in Tübingen und Stuttgart erwartet. Bei einer theologischen Konferenz "Tübingen II" soll dabei an die Anfänge der Kontakte zwischen der Orthodoxie und der evangelischen Kirche im 16. Jahrhundert erinnert werden. (KNA)

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