Proteste nach Koranlesung in Hagia Sophia
Europäische Kirchen äußern Kritik an der Türkei

Proteste nach Koranlesung in Hagia Sophia

Zum zweiten Mal wurde in der Istanbuler Hagia Sophia eine Koranlesung veranstaltet - mit Untersützung der Regierung. Europas Kirchen protestieren. Besonders scharfe Kritik kommt aus Griechenland.

Bonn - 22.06.2017

Eine staatlich-islamische Koranlesung in der Istanbuler Hagia Sophia hat Kritik von christlicher Seite ausgelöst. Die Konferenz Europäischer Kirchen (CEC) zeigte sich in einer am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung alarmiert. Bei der vom türkischen Staatsfernsehen übertragenen Koranlesung anlässlich des Fastenmonats Ramadan, bei der auch der türkische Religionsminister Mehmet Görmez anwesend war, sei eines der größten Heiligtümer der Menschheit für politische Zwecke instrumentalisiert worden.

Mehr als 1.000 Jahre lang sei die Hagia Sophia das Zentrum der orthodoxen Christenheit gewesen, bevor daraus eine Moschee geworden sei. Heute stehe das 1934 von Republikgründer Kemal Atatürk in ein Museum umgewandelte Bauwerk für das Ideal der Religionsfreiheit in der modernen Türkei. 

Scharfe Kritik aus Griechenland

Scharfe Kritik an der Veranstaltung kam auch von der griechischen Regierung. Athen bezeichnete die religiöse Zusammenkunft in einer Erklärung als eine "Provokation für die Christen". Die türkische Regierung versuche, das Weltkulturerbe der Hagia Sophia "stufenweise in eine Moschee" zu verwandeln. Dies geschehe ausgerechnet in einer Zeit, wo der Dialog zwischen den Religionen absolut notwendig sei. "Die internationale Gemeinschaft muss reagieren", hieß es in der Erklärung des Ministeriums weiter.

Nach Juni 2016 war es bereits die zweite Koranlesung mit Unterstützung der türkischen Regierung in der Hagia Sophia. In den vergangenen Monaten mehrten sich in der Türkei Forderungen, das Gebäude wieder in eine Moschee umzuwandeln. (KNA)

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