"Protestiert gegen Gewalt und Tod"
Kirchen fordern beim Weltkriegsgedenken Ende der Rüstungexporte

"Protestiert gegen Gewalt und Tod"

Angesichts der aktuellen Krisenherde in der Welt haben sich die katholische und die evangelische Kirche gegen Rüstungsexporte aus Deutschland und für den Schutz der Zivilbevölkerung ausgesprochen. "Seid wachsam" appellierte der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst am Montag in Stuttgart an die Politik. Sie solle alle Möglichkeiten ausschöpfen und eine friedliche Deeskalation vorantreiben, sagte er mit Blick auf Staaten wie Ukraine, Syrien, den Irak, sowie auf Israel und Palästina.

Stuttgart - 04.08.2014

Bischof Fürst und der württembergische Landesbischof Frank Otfried July feierten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche. Anlass war der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. "Hören wir nicht auf, gegen die Gewalt und den Tod in dieser Welt zu protestieren, wo immer diese ihr Unwesen treiben", sagte July. Bundespräsident Joachim Gauck war zeitgleich bei einer Gedenkfeier im belgischen Lüttich. Am 4. August 1914 waren Zehntausende deutsche Soldaten in Belgien einmarschiert.

"Solche Opfer dürfen um Gottes Willen nicht sein!"

Der evangelische Bischof July erinnerte auch an die Opfer des vor gut zwei Wochen über der Ukraine abgeschossenen Flugzeugs und ihre Angehörigen. "Wir müssen den für diese sinnlose Grausamkeit Verantwortlichen unsere ganze Abscheu zeigen. Das kann auch vor Präsidentenstühlen nicht Halt machen," sagte er. An die Verantwortlichen des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen appellierte er, mit dem Krieg aufzuhören: "Er führt immer nur weiter weg vom Ziel eines friedlichen Zusammenlebens."

Bischof Gebhard Fürst hält eine Rede.

Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

July betonte, er fühle sich mit Israel verbunden und verstehe, dass es sich gegen den Raketenterror der Hamas schützen müsse. Aber er sehe auch die vielen Toten im Gaza-Streifen. "Solche Opfer dürfen um Gottes Willen nicht sein!" Der Landesbischof sagte, dass der Teufelskreis aus Gewalt, Vertreibung und Tod durch Waffen aus Deutschland beschleunigt werde. Das treffe auch besonders viele Christen im Nahen Osten. "Wir wollen eine Friedens- und keine Waffenschmiede sein", erklärte er. July sprach sich für eine deutliche Aufstockung der Gelder für zivile Friedensprojekte und -strukturen aus.

"Religion nicht für Krieg missbrauchen"

Angesichts des Weltkriegs müssten Christen heute ein Schuldeingeständnis erbringen, sagte der Rottenburger Bischof Fürst. 1914 hätten "Bischöfe, Geistliche und Gläubige in großer Zahl den Krieg als moralische und geistige Erneuerung begrüßt". Der mitleidende und mitsterbende Jesus Christus sei dafür Mahnung, "dass religiöse Überzeugungen niemals für kriegerische Auseinandersetzungen missbraucht werden dürfen", so Fürst. Beide Bischöfe riefen die Gläubigen zum Gebet auf.

Die katholischen deutschen Bischöfe hatten bereits Ende Juli anlässlich 100 Jahre Beginn des Ersten Weltkrieges erklärt, dass damals "viele, die in der Kirche Verantwortung trugen, Schuld auf sich geladen haben". Die Menschen heute riefen die Oberhirten dazu auf, die richtigen Lehren aus dem "großen Schlachten" zu ziehen. Insbesondere ein Rückfall in eine einseitig verstandene Nationalstaatlichkeit müsse vermieden werden.

Gestaltungshilfe für Gottesdienste

Damit möglichst viele Katholiken des Beginns des Weltkrieges gedachten, hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine spezielle Gestaltungshilfe für Gottesdienste "um Frieden und Gerechtigkeit" herausgebracht. Dabei solle besonders für die Toten und die Leidtragenden der Kriegsjahre 1914 bis 1918, aber auch für alle Opfer von Krieg und willkürlicher Gewalt gebetet werden. Auch um Frieden in unseren Tagen solle man Gott inständig bitten, heißt es in der Vorlage. Und: "'Nie wieder Krieg' soll unser Wille und unsere Bitte sein."

Von Agathe Lukassek