Die Grimme-Preis-Trophäe
Grimmepreisträger für das Jahr 2014 bekanntgegeben

Qualität statt Quote

Während die ZDF-Reihe "Unsere Mütter, unsere Väter" leer ausgeht, wird das Pro-Sieben-Format "Circus HalliGalli" ausgezeichnet: Am Mittwoch hat das Grimme-Institut im nordrhein-westfälischen Marl die Gewinner des Grimme-Preises 2014 bekanntgegeben.

Bonn - 19.03.2014

Der renommierte Medienpreis würdigt in jedem Jahr deutsche Fernsehfilme, die sich durch ihre besondere Qualität auszeichnen – und für die "Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind", wie es das Institut selbst beschreibt. Die Show "Circus HalliGalli" mit den beiden Moderatoren Joko (Winterscheidt) und Klaas (Heufer-Umlauf) ist das einzige Format eines Privatsenders, das 2014 eine Auszeichnung erhält. Und die Entscheidung war knapp, wie Dieter Anschlag, Medienjournalist und selbst Jury-Mitglied, gegenüber katholisch.de berichtet.

Schon im vergangenen Jahr waren die beiden Moderatoren mit ihrer Show unter den Nominierten in der Kategorie "Unterhaltung", zu einer Auszeichnung hatte es damals aber noch nicht gereicht. "In der Zwischenzeit haben Joko und Klaas aber etwa durch ihr Interview mit dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bewiesen, dass sie auch 'seriös' können", sagt Anschlag, Chefredakteur der katholischen Medienfachzeitschrift "Funkkorrespondenz". Mit dem Preis habe die Jury ein "junges, aufstrebendes Moderatorenteam" ausgezeichnet. Schneller sei man sich über den zweiten Preisträger in der Kategorie "Unterhaltung" einig gewesen: Es handelt sich um das satirische "Neo-Magazin", eine Late-Night-Show mit Jan Böhmermann, die auf ZDFneo läuft.

Dieter Anschlag im Profil

Dieter Anschlag ist Mitglied in der Jury des Grimmepreises für die Kategorie "Unterhaltung" und Chefredakteur der katholischen Medienfachzeitschrift "Funkkorrespondenz".

Literaturverfilmung "Grenzgang" bekommt Preis

In der Kategorie "Fiktion" wurde entgegen vieler Hoffnungen im Vorfeld der ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" über fünf junge Menschen im zweiten Weltkrieg nicht mit einem Preis bedacht. Dabei war die Reihe nicht nur im deutschen Fernsehen eines der wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres, sondern läuft in einigen Ländern sogar als Kinofilm – darunter die USA.

Solche Faktoren hätten für die Grimme-Preisrichter jedoch keine Rolle gespielt, erklärt Dieter Anschlag: "Ob eine Produktion viel Aufmerksamkeit bekommt, Event-Charakter hat oder nicht, davon lässt sich die Jury nicht beeindrucken. Die schaut sich schlicht die Filme an. Und da kamen in diesem Jahr eben leisere Produktionen zum Zug". Ein Beispiel sei die ARD-Literaturverfilmung "Grenzgang", die in einer hessischen Kleinstadt spielt und von der Liebe zweier Menschen mittleren Alters handelt. In der Kategorie "Fiktion" hebt Anschlag den Preis für den österreichischen Tatort "Angezählt" hervor: "Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser sind als Ermittlerpaar einfach genial. Der österreichische Tatort war schon länger ein Geheimtipp, jetzt ist es gut, dass er eine Auszeichnung bekommen hat."

Verantwortung, Ethik, Moral

Filme mit explizit kirchlichen Themen sind nicht unter den Preisträgern des Jahres 2014. In der Kategorie "Information und Kultur" gab es jedoch eine Auszeichnung für die Dokumentation "The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan" (ARD). Sie hat die Wandlung des früheren israelischen Kampfpiloten Abie Nathan in einen überzeugten Friedensaktivisten zum Thema und greift auch die Problematik des Zusammenlebens zwischen Juden und Muslimen in Israel auf.

Jury-Mitglied Dieter Anschlag ergänzt aber, dass christliche Werte bei der Arbeit des Gremiums durchaus eine Rolle spielen – wenn auch nicht explizit: "Nach der Philosophie des Grimme-Preises werden eben Filme ausgezeichnet, die sich mit gesellschaftlicher Verantwortung, Ethik und Moral und durchaus auch Werten wie Nächstenliebe befassen", erklärt er. Jedes Jahr gibt es im Vorfeld der Preisverleihung einen sogenannten "Mediengottesdienst" in einer Marler Kirche, bei dem einer der nominierten Filme gezeigt und thematisch behandelt wird.

Grimme-Preis wird 50

2014 stehen aber nur die Preisträger im Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch der Preis selbst. Denn er feiert seinen 50. Geburtstag. Das ist auch Anlass zu neuen Akzenten. So wird zum 1. Mai die parteilose Justiziarin der Grünen-Fraktion im NRW-Landtag, Frauke Gerlach, neue Geschäftsführerin des Grimme-Instituts. Und auch inhaltlich steht eine Neuausrichtung an: Nach dem Willen der Landesregierung in NRW soll sich das Institut in Zukunft stärker in der Forschung engagieren und sich mit den Folgen der Digitalisierung der Gesellschaft auseinandersetzen. Experte Anschlag sieht das derzeit noch skeptisch: "Natürlich muss man noch abwarten, wie sich das entwickelt. Aber im Moment sehen viele in der Branche schon die Gefahr, dass sich das Institut von seiner Kernaufgabe entfernt: nämlich, den Preis zu vergeben. Das ist schließlich das, was es ausmacht".

Von Gabriele Höfling

Linktipps: Rubrik Medien auf katholisch.de

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