"Radikal, angstfrei, liebenswürdig"
Am Freitag ist die Wahl von Papst Franziskus zwei Jahre her

"Radikal, angstfrei, liebenswürdig"

Schon die ersten beiden Worte, die der frisch gewählte Papst vor zwei Jahren auf dem Balkon des Petersdoms aussprach, deuteten an, dass mit diesem Pontifex womöglich Vieles deutlich anders werden würde: "Guten Abend", das war der schlichte Satz des damals noch etwas schüchtern wirkenden Franziskus an die Menge auf dem Petersplatz.

Bonn - 12.03.2015

Der erste Eindruck sollte nicht trügen: "Papst Franziskus bringt die Kirche in Bewegung", so formulierte es Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, zum zweiten Jahrestag der Wahl am morgigen Freitag. Franziskus wolle, dass die "Kirche hinausgeht und das Evangelium unter die Leute bringt, in Wort und Tat", sagte der Münchener Erzbischof der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der Papst ermutige zu einer ernsthaften theologischen Debatte über den Weg der Kirche in die Zukunft. Besonders für Initiativen wie die Bischofssynoden im Vatikan oder die begonnene Reform der Kurie ist Marx dankbar. Der Papst wirke über die Kirche hinaus: "Er hat die Stimme der Armen neu hörbar gemacht", sagte Marx in Anspielung auf die berühmten Worte des Pontifex über die Kirche der Armen , die an ihre Ränder gehen müsse.

Bischof Gerhard Feige.
Bild: © dpa/Jens Wolf

Bischof Gerhard Feige.

"Ungeschminkte Ausdrucksweise"

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige benutzt im Zusammenhang mit Franziskus sogar das Wort "radikal". Diese Beschreibung treffe eher zu als die üblichen Einordnungen in konservativ oder traditionalistisch, liberalistisch oder progressiv, sagte Feige dem Mitteldeutschen Rundfunk. Franziskus sei "unberechenbar und voller Überraschungen, angstfrei und liebenswürdig", meint der Magdeburger Bischof.

Feige ging auch auf den unkonventionellen Kommunikationsstil des Papstes ein und bescheinigte ihm eine "ungeschminkte, manchmal sogar drastische" Ausdrucksweise. Tatsächlich sorgt Franziskus immer wieder für Schlagzeilen – und zunehmend auch für Kritik . Da war etwa der Satz, Katholiken müssten sich nicht vermehren "wie die Karnickel" oder die Warnung vor einer "Mexikanisierung" seines Heimatlandes Argentinien wegen ausufernder Drogenprobleme.

Entsprechend hat er nach der Einschätzung Gerhard Feiges auch manchen Gegner. Im MDR-Interview sagte der Bischof, gerade solche Katholiken, die sich früher besonders papsttreu gegeben hätten, erklärten nun, den Papst kritisieren zu müssen. "Am Anfang seines Pontifikates waren sie erst sprachlos, dann betonten sie, dass zwischen ihn und seinen Vorgänger kein Blatt Papier passe, und nun ziehen sie über ihn her", so Feige.

"Repariere meine Kirche"

Auf eine kurze Formel bringt der Papst-Vertraute Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga das Programm des Pontifikats: Es laute "Repariere meine Kirche". Maradiaga bezieht sich damit auf den heiligen Franziskus , dem der Legende nach in einer Erscheinung in der Kirche San Damiano in Assisi eine Christusfigur eben diesen Auftrag aufgegeben hatte. Gleichzeitig warnte der Kardinal vor falschen Erwartungen: "Es irren sich jene, die meinen, der Papst wolle das Evangelium ändern." Es gehe ihm nicht darum, der Welt zu gefallen, sondern den Plan Gottes zu verwirklichen. Ganz sicher strebe der Papst keine Lockerung des Zölibats an.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm schätzt am katholischen Kirchenoberhaupt, dass es nicht "vorschnell mit dogmatischen Richtigkeiten" daherkomme, sondern die Realitäten des Lebens wahrnehme. Damit sei Franziskus ein wichtiger Impulsgeber auch für evangelische Christen.

Jesuitische Spiritualität

Ob er der Einladung von Kanzlerin Angela Merkel folgt und demnächst Deutschland besucht, ist derweil noch unklar. "Das weiß vermutlich noch niemand", sagte Bischof Feige. Dass Franziskus ausgerechnet im Jahr 2017 zum Reformationsjubiläum kommt, hält er jedoch für unwahrscheinlich.

Der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, erinnerte daran, dass der Papst von der jesuitischen Spiritualität geprägt sei. Das zeige sich auch an einigen Stellen im Pontifikat: Typisch jesuitisch sei beispielsweise der "entwaffnende Pragmatismus" des Papstes. Als Beispiel nannte Hagenkord, der selbst Jesuit ist, in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur dessen Auffassung, dass nicht alles von Rom aus geregelt werden müsse und die Ortskirchen mehr selbst entscheiden sollten. Ähnlich habe das auch der Ordensgründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola , formuliert. (gho/KNA/dpa)