Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Josef Maria Böge über das Sonntagsevangelium

Radikal leben – verwurzelt in Christus

"Wenn dich deine Hand zur Sünde verführt, dann hau sie ab." Jesu Worte im Sonntagsevangelium erscheinen unverständlich und hart. Für Pater Josef Maria Böge ist die dahinterliegende Botschaft ein Weckruf.

Von P. Josef Maria Böge OSB |  Bonn - 29.09.2018

Pater Josef Maria Böge

Impuls von Pater Josef Maria Böge

Im heutigen Sonntagsevangelium gebraucht Jesus starke Worte. Worte, die uns unverständlich und sehr hart erscheinen. Vor unserem inneren Auge haben wir häufig das Bild des gütigen und liebevollen Jesus, der die Arme ausbreitet und allen Annahme und Vergebung bietet. Nun ist dieses Bild sicher richtig, aber unser heutiges Evangelium ergänzt es.

Jesu Aufforderung "Wenn dich deine Hand zur Sünde verführt, dann hau sie ab" erscheint uns recht fremd. Im jüdischen Verständnis wurden Begierden bestimmten Körperteilen zugeordnet – Begierden, die uns zur Sünde verleiten können. Vielleicht kann man den Bibelvers so übertragen: Wenn dich etwas zu einem Verhalten verführen will, dass deine Beziehung mit Gott stört oder zerstört, dann meide es mit aller Kraft und kämpfe dagegen.

Jesu Äußerung wird auch verständlicher, wenn wir auf die Konsequenz schauen, die er klar vor Augen stellt: "Es ist besser, mit nur einer Hand in den Himmel einzugehen, als mit zwei Händen ins ewige Feuer der Hölle zu kommen." Es geht also um etwas sehr wichtiges, es geht schlicht um alles: das Leben. Und dabei geht es nicht um irdisches Überleben, sondern um das wahre Leben, dass Gott allein schenkt; um das Leben, das stärker ist als der Tod. Jesus lenkt unseren Blick weg von dieser Welt, er lenkt ihn auf eine viel größere und wunderbare Realität: das ewige Leben in seinem Reich.

Grundsätzlich kennen wir diese Situation: Wir haben uns für ein Leben mit Jesus Christus entschieden. Wir kennen seine Gebote und wir wissen, dass sie gut für uns sind. Wir wollen sie als Richtschnur für unser Leben nehmen. Doch trotz unseres ernsten Bemühens gibt es immer wieder Momente in denen wir genau das Gegenteil tun – und vielleicht ganz vom Weg abkommen.

Der Apostel Paulus ruft uns zu: "Seid in ihm verwurzelt und baut euer Leben ganz auf ihn." (Kol 2, 7a) Damit greift er die Erfahrung unseres Lebens auf: so gibt es auf der einen Seite unsere Entscheidung für Jesus und auf der anderen Seite gibt es eine Kraft, die uns von IHM wegzieht. Paulus warnt uns und sagt: wenn du das wahre Leben, wenn du Jesus, den Quell des Lebens nicht verlieren willst, dann sei fest verwurzelt im Herrn. Das lateinische Wort für Wurzel ist "radix" und so könnte man sagen: Lebe deinen Glauben radikal. Durch die Mitfeier der heiligen Messe, in Zeiten der Stille, im Gebet und in der Lesung der Heiligen Schrift verwurzelst du dich in Christus, so dass dich nichts aus der lebensspendenden Gemeinschaft mit ihm herausreißen kann.

Von P. Josef Maria Böge OSB

Evangelium nach Markus (9, 38-43.45.47-48)

In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.

Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.

Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.

Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

Der Autor

P. Josef Maria Böge OSB ist Benediktinermönch in der Abtei Plankstetten.